Bei der Präsentation des neuen Ferrari Luce in Rom in dieser Woche hat der legendäre Sportwagenproduzent aus Maranello eine zusätzliche Station eingelegt. In der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, rund 30 Kilometer südöstlich von Rom in den Albaner Bergen gelegen, stellten Ferrari-Präsident John Elkann und Vorstandschef Benedetto Vigna am Dienstag das erste vollelektrische Fahrzeug aus dem Hause Ferrari auch dem Papst vor. Von Leo XIV. weiß man, dass er vor seiner Wahl auf den Stuhl Petri im Mai 2025 selbst gerne und viel Auto gefahren ist. Im Papamobil – im offenen Modell auf der Basis eines elektrischen Mercedes G 580 EQ oder in den geschlossenen Versionen verschiedener weiterer Hersteller – ist der Papst freilich immer Passagier, meist im Fonds.Der in Castel Gandolfo präsentierte Luce (zu Deutsch: „Licht“) war in der „Papstfarbe“ Weiß lackiert. Der Wagen mit vier Elektromotoren leistet gut 1000 PS, beschleunigt in 2,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als Stundenkilometer. Der Preis des Luce liegt je nach Ausstattung zwischen 550.000 und 700.000 Euro. Zum Probesitzen nahm Leo hinter dem Steuer Platz, nicht im Fonds, obschon dort ausreichend Kopf- und Kniefreiheit sein soll. Anders als der deutsche Hersteller Mercedes, der den G 580 EQ eigens für die Bedürfnisse von Päpsten ausgestattet und das Fahrzeug dem Vatikan im Dezember 2024 geschenkt hatte, überreichten Elkann und Vigna dem Papst nicht den kompletten Wagen, sondern nur das Lenkrad eines Luce.Franziskus versteigerte einst geschenkten LamborghiniDer Ferrari-Konkurrent Lamborghini hatte 2017 Papst Franziskus eine Sonderanfertigung des Huracán RWD – mit 580 PS starkem Verbrennungsmotor – geschenkt, ebenfalls in perlweißer Lackierung. Franziskus segnete und signierte den Sportwagen, der sodann von Sotheby’s für 715.000 Euro versteigert wurde. Der Erlös kam karitativen Zwecken der Weltkirche zugute, namentlich für verfolgte Christen im Irak. Ferrari-Präsident Elkann sagte nach dem Treffen in Castel Gandolfo: „Es war ein bewegender Moment und eine große Ehre, Seiner Heiligkeit gemeinsam mit meinen Ferrari-Kollegen zu begegnen.“ Es sei ein Ereignis gewesen, „das für immer in unserer Erinnerung und in der Geschichte von Ferrari weiterleben wird“.Kurzfristig brachte das Treffen mit dem Papst dem Unternehmen kein Glück. An der Mailänder Börse brach der Kurs des Luxusautoherstellers am Dienstag um bis zu acht Prozent ein. Als Grund für den Kursrutsch wurde Skepsis von Anlegern und Kunden wegen des für „Ferraristi“ gewöhnungsbedürftigen Designs mit großen Glasflächen genannt. Das Unternehmen hatte jüngst seine Zielvorgabe für die Transformation zu elektrischen Antrieben korrigiert. Bis 2030 sollen elektrische Modelle nicht wie geplant 40 Prozent des Absatzes ausmachen, sondern nur 20 Prozent. Noch unter Papst Franziskus hatte der Vatikan beschlossen, seine gesamte Fahrzeugflotte bis 2030 auf Elektroantrieb umzustellen. Dazu unterzeichnete der Heilige Stuhl im November 2023 eine Partnerschaftsvereinbarung mit dem VW-Konzern.Bis 2030 sollen Elektrofahrzeuge der Konzernmarken VW und Škoda die bisher verwendeten Verbrenner- und Hybridfahrzeuge – die meisten vom Hersteller Fiat – schrittweise ersetzen. Parallel soll auf dem kaum einen halben Quadratkilometer großen Territorium des Stadtstaats im Herzen Roms sowie im exterritorialen Gebiet in Castel Gandolfo ein eigenes Ladenetz für E-Autos eingerichtet werden.
Der vollelektrische Ferrari Luce zu Besuch beim Papst
Ob der vollelektrische Luce ein Erfolg wird, steht dahin. Anleger und Kunden sind vorerst skeptisch. Kann der Papst helfen?











