BP trennt sich nach kurzer Amtszeit von VR-Präsident Albert Manifold – dahinter steckt mehr als persönliches FehlverhaltenDer britische Energiekonzern BP kommt nicht zur Ruhe. Erneut wird ein Mitglied der Unternehmensspitze ausgewechselt. Vordergründig geht es um Verstösse gegen die Corporate Governance. Doch dahinter brodelt immer noch der Konflikt um die Ausrichtung der Firma.27.05.2026, 16.33 Uhr3 LeseminutenÜber BP brauen sich dunkle Wolken zusammen.Molly Riley / ReutersAlbert Manifold, BPPDDer britische Ölkonzern BP hat den Vorsitzenden Albert Manifold mit sofortiger Wirkung entlassen. Der 63-jährige Ire war erst im Oktober letzten Jahres an die Spitze des Verwaltungsrats berufen worden. Die Umstände seiner Entlassung sind unklar. BP spricht von inakzeptablen Mängeln in der Unternehmensführung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit Manifolds fristloser Kündigung setzt sich die Serie von raschen Wechseln in der BP-Chefetage fort. In den letzten drei Jahren wurden zwei CEOs und zwei Verwaltungsratsvorsitzende ersetzt. Nach der Mitteilung von Manifolds Entlassung am Dienstag verlor die BP-Aktie mehr als 9 Prozent an Wert.Abkehr von der grünen WendeIm Hintergrund des Chef-Karussells steht ein Zickzack-Kurs bei der Frage nach der Ausrichtung des Konzerns. Im Jahr 2020 kündigte das Unternehmen eine radikale Kehrtwende an: Weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien. Aber die Wende funktionierte nicht. Die treibende Kraft hinter der Neuorientierung, CEO Bernard Looney, musste 2023 gehen, offiziell wegen verheimlichten Liebesbeziehungen zu Mitarbeiterinnen.Sein Nachfolger Murray Auchincloss führte BP ab Februar 2025 wieder zum ursprünglichen Kerngeschäft mit Öl und Gas zurück. Einigen ging die Abkehr vom grünen Kurs jedoch zu wenig schnell. Insbesondere unter dem Druck des aktivistischen amerikanischen Aktionärs Elliott Management wurde der damalige Verwaltungsratspräsident Helge Lund durch Manifold ersetzt, der dann seinerseits den CEO Auchincloss im Dezember entliess und durch Meg O’Neill ersetzte. Als erste Frau an der Spitze eines grossen Öl-Konzerns sorgte sie für Aufsehen. Ihr Amt trat sie eben erst im April an.Ausgerechnet sie, die ihren Posten Manifold zu verdanken hatte, war nun offenbar eine treibende Kraft bei seiner Entlassung. Laut der «Financial Times» wollte sie der Untergrabung ihrer Autorität durch Manifold zuvorkommen. Durch seinen Abgang werde ihre Position gestärkt, schreibt die britische Zeitung, aber zugleich sei sie nun allein verantwortlich für Erfolg oder Misserfolg der «Zurück zu den Wurzeln»-Strategie.Laut der «Financial Times» hatten sich Whistleblower in der Firma beklagt, Manifold habe sich zu stark ins Tagesgeschäft eingemischt und sich streckenweise wie ein CEO aufgeführt. Auch habe er Mitarbeiter kleingemacht und gemobbt. Einige sagten, es sei unmöglich gewesen mit ihm zusammenzuarbeiten, weil er alles kontrollieren wollte. Zudem habe sein lautstarkes Verhalten nicht zur Firmenkultur gepasst. Manifold selbst sagt, die Entlassung sei aus heiterem Himmel erfolgt. Er weist die Vorwürfe zurück und behält sich rechtliche Schritte vor.Grüne Aktionärsrevolte gegen ManifoldEs sah ganz danach aus, als schaffe BP nach einer Krise den Turnaround unter Manifold. Seit seinem Antritt legte die Aktie 20 Prozent zu.Im ersten Quartal betrug der bereinigte Nettogewinn rund 2,5 Milliarden Franken, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Eine höhere Ölproduktion im Golf von Mexiko habe Störungen im Nahen Osten wegen des Iran-Kriegs wettgemacht, hiess es in einer Mitteilung von Ende April.Der Konzern mit einem Marktwert von rund 86 Milliarden Franken hinkt aber immer noch seinen amerikanischen Konkurrenten hinterher, die dank der hohen Energiepreise ihre Gewinne und Börsenwerte steigern konnten.Aber Manifold hatte zahlreiche Gegner. Bei der letzten Hauptversammlung im April stimmten 18 Prozent der Aktionäre gegen ihn. Unter anderem argumentierten sie, dass er als ehemaliger CEO des irischen Baustoffherstellers CRH über zu wenig Erfahrung im Bereich der fossilen Brennstoffe verfüge. Auch wurde ihm mangelnde Transparenz in der Unternehmungsführung vorgeworfen.Hinter der Ablehnung standen aber auch immer noch unterschiedliche Meinungen zur Orientierung von BP und wie mit Fragen zur Umweltverträglichkeit umgegangen wird. Laut dem «Guardian» wurde Manifold bei der Versammlung vorgeworfen, eine Klimaresolution der aktivistischen Aktionärsgruppe «Follow This» blockiert zu haben. Sie wurde also gar nicht erst zur Abstimmung zugelassen. Zudem brachte er eine eigene Resolution ein, mit der er die verbriefte Pflicht des Konzerns, zum Thema Klima regelmässig Bericht zu erstatten, aufweichen wollte. Sie wurde jedoch abgelehnt.Als Manifolds interimistischer Nachfolger wurde das Verwaltungsratsmitglied Ian Tyler bestimmt. Die Suche nach einer definitiven Besetzung läuft. Die «Financial Times» zitiert allerdings Stimmen, die BP angesichts der personellen Turbulenzen als zunehmend unregierbar beschreiben. Das Angebot für den Spitzenposten vergleicht das Blatt mit einem Giftbecher.Passend zum Artikel