Wer in Großbritannien seinem Nachmittagstee einen Hauch „Upper Class“ hinzufügen möchte, greift gern zu „Duchy Organic All Butter Shortbread“. Schon seit 1990 werden Kekse von der Highgrove-House-Biofarm des damaligen Prinzen Charles unter der Marke Duchy als gleichsam royale Knusperei verkauft. Mittlerweile bekommt man bei der britischen Supermarktkette Waitrose aber auch eine ganze Reihe anderer Duchy-Bio-Produkte wie Obst, Gemüse und gesalzene Butter. Die Zusammenarbeit zwischen Waitrose und Duchy, die offiziell seit 2015 besteht, hat sich als sehr erfolgreich erwiesen.Ihren Namen verdankt die Marke Duchy der Duchy of Cornwall, einem Herzogtum, das stets das persönliche Eigentum des jeweiligen Thronfolgers ist, was diesen zugleich automatisch zum Herzog von Cornwall macht. Die Ländereien des Herzogtums umfassen 55 000 Hektar, die nicht nur in Cornwall, sondern auch in diversen anderen Grafschaften sowie auf den Scilly-Inseln und sogar zum Teil in London liegen. Sie sind seit der Gründung 1337 eine lukrative Einnahmequelle für den Prince of Wales, wobei Bioprodukte nur einen geringen Anteil ausmachen.Bis heute erbt der jeweils älteste lebende direkte Nachkomme des Monarchen die Duchy of Cornwall, und damit neben dem Land auch die dazugehörigen Immobilien, forst- und landwirtschaftlichen Betriebe, die von Charles ins Leben gerufene Reißbrettstadt Poundbury sowie das Londoner „Oval“-Cricket-Stadion. William, dem derzeitigen Prince of Wales und Herzog von Cornwall, beschert dieses auf weit über eine Milliarde Gesamtwert geschätzte Portfolio ein (ebenfalls geschätztes) jährliches Privateinkommen von umgerechnet rund 26 Millionen Euro.Doch William will einiges anders machen als seine Großmutter und sein Vater. Er will ein „People’s Prince“ sein, nach dem Vorbild seiner Mutter Diana. Duchy-Butterkekse und Bio-Karotten wird es zwar auch weiterhin geben, aber insgesamt wird das Herzogtum selbst demnächst etwas schrumpfen: Innerhalb der kommenden zehn Jahre sollen 20 Prozent davon verkauft werden. Will Bax, Geschäftsführer des Herzogtums Cornwall, verriet kürzlich der Times, William sei der Ansicht, dass das Herzogtum „nicht nur dazu da sein sollte, Land zu besitzen, sondern vor allem einen positiven Einfluss auf die Welt haben sollte“.Die Königsfamilie und ihre SteuerprivilegienDemnach sollen solche Teile der Duchy veräußert werden, bei denen „kein Potenzial“ für den besagten positiven Einfluss besteht. Für den verbleibenden Rest wolle der Prinz überall, „wo sozialer Bedarf besteht, wo es ökologische Herausforderungen gibt“ ein „großartiger Partner sein“, so Bax.Die Einkünfte aus dem Herzogtum Cornwall sind schon lange umstritten. Da dieses eine Einrichtung der Krone darstellt, ist es von der Kapitalertrags- und Körperschaftsteuer befreit, denn König und Thronfolger sind de jure nicht verpflichtet, Steuern zu zahlen. Allerdings tun sie das seit 1993 dennoch, mehr oder minder freiwillig. Damals beugte sich Queen dem zunehmenden öffentlichen Druck – nicht jedoch, ohne einige bedeutende Ausnahmen zu erwirken: Abgezogen werden bei der Einkommensteuer zum Beispiel alle Beträge, die Monarch und Thronfolger als dienstliche Ausgaben ansehen. Welche das sind, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Dazu zählen etwa die Kosten für alle Mitarbeiter, die sie bei der Wahrnehmung offizieller Aufgaben unterstützten, wie Privatsekretäre und Kammerdiener. Steuerprüfungen sind dabei nicht vorgesehen, ebenso wenig wie eine Offenlegungspflicht für die privaten Einkünfte von Charles oder William.Dass das alles irgendwie nicht so recht in eine Zeit passt, in der die Unterschiede zwischen Superreichen und dem Rest der Bevölkerung auch im Vereinigten Königreich zunehmend zu gesellschaftlichen Verwerfungen und politischen Radikalisierungen führen, scheint allerdings auch im Hause Wales angekommen zu sein. Hinzu kommt, dass es nicht gut aussah, dass sowohl William als auch sein Vater – dieser in seinem Herzogtum Lancaster – unter anderem davon profitierten, dass sie Gebäude an den öffentlich finanzierten Gesundheitsdienst NHS vermieteten, also als Vermieter direkt von Steuermitteln profitierten, die für die Gesundheitsversorgung vorgesehen waren.Geschäftsführer Bax hat nicht konkret beschrieben, welche „Projekte“ des Prinzen von der runden halben Milliarde Euro profitieren sollen, die er mit der Veräußerung von Teilen des Herzogtums einnehmen wird. Auf jeden Fall sollen dazu Umweltinitiativen und der Neubau bezahlbaren Wohnraums gehörten.Um genau das, um Bezahlbarkeit, bangen nun allerdings die Bewohner des Bradninch Estate in der Grafschaft Devon. Dieses Anwesen ist seit Jahrhunderten im Besitz des jeweiligen Herzogs von Cornwall, es soll nun zur Verkaufsmasse gehören. Zwar wurde den Farmerfamilien, die zum Teil seit vielen Generationen das Land dort bewirtschaften, ein Erstkaufsrecht zugesichert. Doch sollte die Duchy auch nur annähernd den derzeitigen Marktwert der fraglichen Ländereien verlangen, könnte keiner der jetzigen Bewohner sich den Erwerb leisten. Selbst mit den besten Intentionen bleibt es unter ungebrochen feudalen Bedingungen offenbar schwierig, ein Prinz der Herzen für alle zu werden.