In den Niederlanden nehmen Proteste gegen Asylunterkünfte zu. Die Demonstrierenden selbst nennen sich „besorgte Bürger“. Ein Ortsbesuch.

A ls die Dämmerung über Loosdrecht fällt, erklingt die zweite Polizeidurchsage. Alle Anwesenden werden aufgerufen, nach Hause zu gehen, ansonsten werde der Platz vor der Notunterkunft mit Gewalt geräumt. Der Wasserwerfer steht in Position, Polizeibusse riegeln das Gebäude ab. Ein Demonstrant mit dunkler Kapuze baut sich in einiger Entfernung vor den Polizisten auf. „Für wen steht ihr dort? Für euer eigenes Volk, eure Familie, eure Kinder?“, ruft er ihnen entgegen. „Niederlande den Niederländern! Das eigene Volk geht vor!“

Es ist Mittwoch, der 13. Mai. Vor dem früheren Rathaus der Kommune, in dem nun für ein halbes Jahr 70 junge Asylbewerber untergebracht werden, gilt eine Notverordnung: Tagsüber ist der Aufenthalt dort beschränkt, nachts zur Sicherheit der Bewohner ganz verboten. Am Vorabend stand hier eine wütende Menge. Rund 400 Personen, die „AZC weg ermee!“ – Asylheim weg damit – skandierten, und „wir sind die Niederlande!“. Irgendwann flogen Fackeln und Feuerwerkskörper über den Zaun, Sträucher, die Hecke, ein hoher Baum fingen Feuer, die Flammen schlugen vor dem Gebäude empor.