In Deutschland ist Teilzeitarbeit so weit verbreitet wie noch nie. Im vergangenen Jahr arbeiteten 31,9 Prozent der abhängig Beschäftigten mit reduziertem Stundenumfang, wie das Statistische Bundesamt an diesem Mittwoch mitteilte. Jede zweite Frau war teilzeitbeschäftigt (50,6 Prozent), aber nur etwa jeder siebte Mann (14,3 Prozent). „Sowohl für Frauen als auch für Männer erreichte die Teilzeitquote damit einen neuen Höchststand“, erklärten die Statistiker. Bei den Männern nahm sie jedoch stärker ⁠zu: 2015 hatten 48 Prozent der Frauen und 10,6 Prozent der Männer in Teilzeit gearbeitet.Zugenommen hat auch die geleistete Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten: Diese kamen auf 21,3 Wochenstunden und damit 2,0 Stunden mehr als 2015. „Das zeigt, dass längere Teilzeitmodelle im Arbeitsleben angekommen sind“, sagte die Arbeitszeitexpertin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, ‌Yvonne Lott. Wer angesichts dieser Zahlen reflexartig nach längeren Arbeitszeiten rufe, ‌verwechsele Quantität mit Produktivität – und übersehe, dass die eigentliche Aufgabe eine andere ist: „Erwerbsarbeitszeiten weiterzuentwickeln, die zum Leben passen.“MeinungJobs:Warum fördert der Staat Teilzeit, wenn er Vollzeit will?Bundeskanzler Friedrich Merz mahnte vor einigen Monaten an, mehr zu arbeiten. „Wenn Sie aus China kommen, ... dann haben Sie noch einmal deutlicher das Gefühl, dass mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche der Wohlstand in unserem Land auf Dauer nicht zu erhalten ist“, sagte der CDU-Chef.Die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland ist binnen zehn Jahren leicht gesunken. Abhängig Beschäftigte in Vollzeit kamen im vergangenen Jahr auf 39,9 Wochenstunden, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls mitteilte. 2015 waren es noch 40,5 Stunden ‌pro Woche. Im Vergleich zu 2024 hat sich die Arbeitszeit nicht geändert. Wegen des oft beklagten Bedarfs an Fachkräften wird immer wieder über die Ausweitung ‌der Arbeitszeit diskutiert.Zwei Drittel der Mütter in TeilzeitUnter Eltern im Alter von 25 bis 49 Jahren reduzieren Frauen deutlich häufiger ihre Arbeitszeit. Zuletzt arbeiteten knapp zwei Drittel (66,4 Prozent) der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Teilzeit. Bei Vätern in der gleichen Situation waren es weniger als ein Zehntel (8,6 Prozent). „Dabei spielt das Alter der Kinder kaum eine Rolle“, ‌erklärte das Bundesamt. Eltern mit jüngeren Kindern, die mehr Betreuung benötigen, arbeiten demnach nicht wesentlich häufiger in Teilzeit. Dabei sind Mütter mit jüngeren Kindern seltener erwerbstätig als jene mit älteren.Auch wer im Alter arbeitet, tut dies häufig in Teilzeit. War die Teilzeitquote bei den 55-Jährigen im vergangenen Jahr mit 30,6 Prozent noch niedriger als über alle Altersgruppen hinweg, lag sie bei den 60-Jährigen mit ⁠33,5 Prozent bereits über dem Durchschnitt. Unter den 65-Jährigen, die noch erwerbstätig waren, arbeitete ‌mehr als die ‌Hälfte (53,4 Prozent) mit reduziertem Stundenumfang. Bei Personen, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten, steigt die Teilzeitquote noch stärker an: Mit 70 Jahren etwa arbeitete ein Großteil (90,3 Prozent) der Beschäftigten in Teilzeit.