Ein F-5-Jagdflugzeug würde man eher in einem Museum oder auf einer Flugschau als im Kampf gegen das mächtigste Militär der Welt erwarten. Dennoch gelang es mindestens einem iranischen Piloten Anfang März, mit einem solchen zweistrahligen amerikanischen Flugzeug den US-Stützpunkt Camp Buehring in Kuwait zu bombardieren – und unversehrt nach Iran zurückzufliegen. Offenbar flog das Flugzeug so langsam und niedrig, dass es von der Luftverteidigung nicht erfasst wurde.Nicht Iran, sondern der US-Sender NBC berichtete im April als Erstes über den Angriff. Laut amerikanischen Regierungsquellen war es das erste Mal seit Jahren, dass ein feindlicher Starrflügler eine amerikanische Militärbasis traf. Das iranische Militär äußerte sich auf der Plattform Defapress am Montag erstmals detailliert zu dem Vorfall. Demnach sollen es zwei F-5 gewesen sein, die in sehr geringer Höhe von lediglich 150 Metern geflogen sein sollen. Sie sollen insgesamt acht Bomben abgeworfen haben.War Iran der Grund für den Friendly-Fire-Vorfall in Kuwait?Teheran behauptete außerdem, dass der iranische Angriff der Grund dafür gewesen sei, dass drei amerikanische F-15 versehentlich von der kuwaitischen Flugabwehr abgeschossen worden waren. Die meisten Flugzeuge der iranischen Luftwaffe sind museumsreif. Die für den Angriff genutzte F-5 hatte Iran vor der Revolution von 1979, damals noch als US-Verbündeter, vom Hersteller Northrop erworben.Der Angriff auf Camp Buehring war nicht der einzige empfindliche Treffer Irans. Ende März zielte das Regime auf ein Militärflugzeug des Typs AWACS – ein fliegendes, mehrere Hundert Millionen Dollar teures Radarsystem –, das auf der Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien stationiert war. Bilder, die von mehreren Medien verifiziert wurden, deuten auf irreparable Schäden hin: Das Flugzeug ist zerbrochen, das Heck und die markante Radarkuppel liegen am Boden. Fachleute zeigten sich überrascht, dass es offenbar weitgehend ungeschützt auf dem Flugplatz gestanden hatte.AWACS gelten als amerikanische „Augen im Himmel“ und sind zentral für die Gefechtsführung in der Luft – auch wenn die Flugzeuge in die Jahre gekommen sind. Laut Fachportalen war die AWACS-Flotte der Luftwaffe bis Kriegsbeginn auf 16 Stück geschrumpft, sechs davon wurden demnach für den Krieg im Nahen Osten stationiert.Einer der wichtigsten US-Stützpunkte wurde mehrfach getroffenAndere amerikanische Militärflugzeuge sollen bei demselben Angriff beschädigt und mehrere Soldaten verletzt worden sein. Schon bei einem früheren Schlag gegen die Prince Sultan Air Base am 1. März wurde ein 26 Jahre alter US-Soldat schwer verwundet; er starb später an seinen Verletzungen. Mitte März wurden laut dem „Wall Street Journal“ bei einem Militärschlag gegen den Stützpunkt fünf Tankflugzeuge am Boden beschädigt. US-Präsident Donald Trump erklärte, dass vier der Flugzeuge „praktisch keinen“ Schaden davongetragen hätten, während eines „etwas stärkere Schäden“ aufweise.Dass Iran mehrfach die Prince Sultan Air Base traf, ist bemerkenswert. Sie ist ein wichtiger Stützpunkt für amerikanische Militäroperationen im Nahen Osten und gilt als gut geschützt. Auch wenn viele Angriffe abgewehrt werden konnten, gelang es Iran in der Region offenbar immer wieder, mit einer Kombination aus Drohnen, Raketen und einer geringeren Zahl an Marschflugkörpern die Luftverteidigung zu überfordern. Berichte, dass Russland dem Regime Satellitenbilder geliefert und Teheran einen von China erworbenen hochauflösenden Satelliten genutzt habe, könnten die teils sehr präzisen Angriffe erklären.Amerikanische Fachleute kritisierten insbesondere die schwächelnde Drohnenabwehr der USA; Anfang März wurden sechs Soldaten bei einem entsprechenden Angriff in Kuwait getötet. Kelly Grieco vom Stimson Center in Washington sieht darin „strukturelle“ Probleme: Washington habe in der Region primär auf Flugabwehr gesetzt, die gegen ballistische Raketen gerichtet sei. „Diese teuren und hoch entwickelten Systeme sind auf schnelle Bedrohungen in großer Höhe ausgelegt, nicht auf langsame und tief fliegende Drohnen.“ Es gebe keine Entschuldigung für diese mangelnde Vorbereitung, sagte sie der F.A.Z. auch mit Blick auf den Ukrainekrieg, in dem Drohnenabwehr seit Jahren eine wichtige Rolle spielt.Iran griff gezielt Radaranlagen anSchon zu Kriegsbeginn nahm Iran gezielt sensible amerikanische Radaranlagen ins Ziel, um die Luftverteidigung zu schwächen. Schwer getroffen und wohl auch zerstört wurde ein AN/TPY-2-Radar in Jordanien, ein weiteres in Saudi-Arabien wurde beschädigt, wie Satellitenbilder zeigen. Das System zählt mit einem Stückpreis von mehreren Hundert Millionen Dollar zu den wertvollsten der Amerikaner. Es leitet die Abfangraketen der wichtigen THAAD-Flugabwehr in ihr Ziel und hilft bei der Koordinierung der Luftverteidigung in der Region. Zwei weitere AN/TPY-2-Standorte wurden in den Emiraten angegriffen; die Schäden sind unklar.Die Organisation Armed Conflict Location & Event Data (ACLED) hält weitere Schläge gegen die amerikanische Flugabwehr fest: darunter gegen zwei Patriot-Stellungen in Bahrain; demnach wurden ein Radar und Infrastruktur beschädigt. ACLED sammelt Informationen zum Irankrieg und stützt sich dabei unter anderem auf lokale Netzwerke und Forscher. Der F.A.Z. liegt der Datensatz vor. Demnach gelangen Iran am ersten Kriegstag auch mehrere Treffer gegen amerikanische Kommunikations- oder Satellitenanlagen in Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain. Die Forscher halten Angriffe gegen mehr als ein Dutzend amerikanischer Militärstandorte im Nahen Osten fest, was sich mit US-Medienberichten deckt.Schwer unter Beschuss genommen wurde auch das Hauptquartier der 5. Flotte in Bahrain, von wo aus Marineoperationen im Nahen Osten koordiniert werden. Videos zeigen Raketen- und Drohnenangriffe und Explosionen; am ersten Kriegstag war starker Rauch über dem Standort zu sehen. Satellitenbilder deuten auf mehrere zerstörte oder stark beschädigte Gebäude hin. Die „New York Times“ berichtete von Schäden in Höhe von 200 Millionen Dollar.Die US-Regierung schränkt Zugang zu Satellitenbildern einUnd die Verluste in der Region könnten noch weitreichender sein. Führende kommerzielle Anbieter haben den Zugang zu Satellitenbildern auf Wunsch der US-Regierung limitiert oder blockiert. Die „Washington Post“ stützte sich zuletzt auf iranische Aufnahmen, die die Zeitung nach eigenen Angaben auch mithilfe von europäischen Aufnahmen verifiziert hat. Demnach sind die Zerstörungen auf US-Militärstandorten weitaus größer als von der Trump-Administration eingeräumt. 228 Strukturen oder Ausrüstungsgegenstände seien zerstört oder beschädigt worden.Auch die Daten von ACLED zeigen, dass Kasernen, Hangars, Treibstofflager und Lagerhäuser in Kuwait, den Emiraten oder dem Irak getroffen wurden. Das iranische Regime nahm dabei wohl nicht nur rein militärische Ziele ins Visier. „Sondern auch weiche Ziele wie Sporthallen, Kantinen und Unterkünfte“, wie der Analyst William Goodhind der „Washington Post“ erklärte.Auf der anderen Seite gelangen auch der iranischen Luftverteidigung Erfolge. Im März traf sie laut Medienberichten und Fachportalen eine F-35, eines der modernsten Kampfflugzeuge der USA. Vom Militär hieß es nur, dass der Pilot nach einem Kampfeinsatz über Iran notlanden musste. Es wäre der erste bekannte Treffer einer F-35 durch feindliches Feuer; die Schäden sind unbekannt.Die Amerikaner mussten Transportflugzeuge zurücklassenWenige Tage vor Beginn der Waffenruhe Anfang April zerstörte Iran dann eine F-15E Strike Eagle. Sie wurde laut Trump von einem schultergestützten, wärmesuchenden Waffensystem getroffen: Die abgefeuerte Rakete sei „direkt vom Triebwerk angesaugt worden“. Die Amerikaner starteten eine spektakuläre Operation, um die zwei Bordmitglieder zu retten, die sich über Iran abgesetzt hatten. Der Pilot konnte schnell gefunden werden; die Suche nach dem Waffenoffizier erstreckte sich über fast zwei Tage.Bei der hochriskanten Aktion wurden weitere Luftfahrzeuge beschädigt oder zerstört. So wurde ein Bodenkampfflugzeug A-10 Warthog getroffen, das für die Kommunikation mit dem abgestürzten Piloten zuständig war. Auch der Pilot der Warthog konnte nicht mehr sicher landen und musste sich außerhalb Irans per Schleudersitz aus dem Flugzeug katapultieren.Zurücklassen mussten die Amerikaner zwei Transportflugzeuge des Typs MC-130J. Diese seien bei der Rettung des Waffenoffiziers in dem „nassen und sandigen“ Terrain stecken geblieben, wie Trump erklärte: „Wir haben sie in Stücke gesprengt.“ Die mehr als 100 Millionen Dollar teuren Maschinen, die auf verdeckte Infiltration und Exfiltration spezialisiert sind, sollten nicht in die Hände der Iraner gelangen. Dasselbe galt für mehrere Spezialhubschrauber des Typs Little Bird, die die Amerikaner offenbar ebenfalls zerstörten.Verluste mussten die Amerikaner auch bei ihren Drohnen hinnehmen. „CBS News“ berichtete unter Berufung auf Regierungsvertreter, dass Iran bis zu 24 MQ-9 Reaper zerstört habe. Die Kosten beliefen sich auf etwa 720 Millionen Dollar. Die Drohnen werden primär zur Aufklärung eingesetzt, können aber auch für Präzisionsangriffe verwendet werden.Bei einem weiteren Vorfall kam es nach offiziellen Angaben zu einem Absturz ohne direkten Einfluss Irans: Ein Tankflugzeug kollidierte offenbar mit einem anderen in der Luft und stürzte über Irak ab; sechs Soldaten kamen ums Leben. Laut Militär war das weder auf feindlichen Beschuss noch auf „Friendly Fire“ zurückzuführen. Die genauen Umstände, die zu dem Absturz führten, sind nach wie vor unklar.