Wie Trump in Texas einen angeblich illoyalen Parteifreund ausbootet – und warum die Demokraten die lachenden Dritten sein könntenKen Paxton hat am Dienstag die Nomination zum republikanischen Senatskandidaten im Gliedstaat Texas gewonnen. Diesen Sieg verdankte Paxton vor allem Donald Trump — weil der Präsident die Vorwahl mit einer Intervention auf den Kopf stellte.Renzo Ruf, Washington27.05.2026, 04.59 Uhr4 LeseminutenDer texanische Justizminister Ken Paxton hat bei den Vorwahlen für die Senatswahlen gewonnen.Tony Gutierrez / APDas erste Ziel hat Donald Trump am Dienstag erreicht. Sein bevorzugter Senatskandidat Ken Paxton gewann im Gliedstaat Texas den Ausstich gegen den langjährigen Amtsinhaber John Cornyn.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gemäss vorläufigen Resultaten erzielte Paxton, seit 2015 der Justizminister im «Lone Star State», in der republikanischen Vorwahl rund 64 Prozent der Stimmen. Und Cornyn, ein Konservativer der alten Schule, musste seine Niederlage bereits eine Viertelstunde nach Schliessung sämtlicher Wahllokale einräumen. «Heute Abend hat es für uns nicht gereicht», sagte der 74 Jahre alte Senator mit brüchiger Stimme und roten Augen.Wie Trump dem Senator in den Rücken fielTrump hatte seine Unterstützung für Paxton erst in der vorigen Woche publik gemacht; im ersten Wahlgang der Vorwahlen war der Präsident noch neutral geblieben. Seine Entscheidung, dem 2002 erstmals in den Senat gewählten Cornyn in den Rücken zu fallen, begründete Trump mit der angeblich fehlenden Loyalität des Volksvertreters. «In harten Zeiten» habe der Texaner ihn zu wenig energisch unterstützt, sagte Trump — wohl eine Anspielung auf kritische Kommentare Cornyns nach dem Sturm aufs Capitol am 6. Januar 2021. Auch hat Trump nicht vergessen, dass Cornyn seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur anfänglich skeptisch gegenüberstand.Der 63-jährige Paxton hingegen war von Beginn weg ein Trump-Fan und stand dem Parteifreund auch treu zur Seite, als einflussreiche republikanische Kräfte nach 2020 das Gefühl hatten, die Zeit des abgewählten Präsidenten sei abgelaufen. Diese Ergebenheit schätzt Trump. Und wer ihn nicht vollumfänglich unterstützt, gegen den betreibt der Präsident nötigenfalls auch Wahlkampf. Dies bekamen im Mai bereits der Senator Bill Cassidy aus Louisiana und der Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky zu spüren. Beide Republikaner wurden in den Vorwahlen von republikanischen Kandidaten geschlagen, die Trumps Gütesiegel besitzen.Das lange Sündenregister von PaxtonDie Basis der Präsidentenpartei unterstützt also diesen präsidialen Rachefeldzug. Doch damit ist Paxton noch nicht in den Senat gewählt. Am Ausstich am Dienstag beteiligten sich schätzungsweise 1,5 Millionen Wähler — ein Bruchteil der mehr als 17,5 Millionen Menschen, die im Gliedstaat das Wahlrecht besitzen.In einem nächsten Schritt muss Trump also mehrere Millionen Texanerinnen und Texaner davon überzeugen, dass Paxton die richtige Wahl sei. Das wird keine leichte Aufgabe sein. Denn der Justizminister ist ein fehlbarer Politiker. Und sein Gegner im kommenden November, der 37 Jahre alte Demokrat James Talarico, ist ein politisches Naturtalent — auch wenn er in der Vergangenheit Positionsbezüge vertrat, die wohl in Texas nicht mehrheitsfähig sind.Cornyn kündigte am Wahlabend an, er werde für seinen ehemaligen Gegner stimmen. «Ich habe immer das republikanische Ticket unterstützt und werde das auch in der nächsten Wahl tun.» Vielen Anhängern des Senators wird dieser Schritt Mühe machen. Dafür ist auch Cornyn verantwortlich: Er liess in den vergangenen Tagen einen Werbespot ausstrahlen, der das ganze Sündenregister seines Parteifreunds Paxton zusammenfasste. Das Filmchen hatte eine Gesamtlänge von 6 Minuten.Die beiden zentralen Vorwürfe gegen Paxton, in aller Kürze: Ken Paxton soll seine Gattin Angela, mit der er rund 40 Jahre lang glücklich verheiratet war, betrogen haben. Im vorigen Jahr reichte sie deshalb die Scheidung ein und machte für diesen Schritt «biblische Gründe» geltend. (Das entsprechende Gerichtsverfahren soll im kommenden Monat stattfinden.)Die aussereheliche Affäre Paxtons wurde im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens bekannt, das die grosse Kammer des texanischen Parlaments 2023 gegen ihn einleitete und zwar mit den Stimmen von Demokraten und Republikanern. Der Justizminister wurde zwar anschliessend in der kleinen Kammer freigesprochen — die Vorwürfe, er habe sich persönlich bereichert und unethisch verhalten, die blieben aber an ihm kleben.Letztmals gewann ein Demokrat in Texas vor 38 JahrenAndererseits ist Texas ein konservativer Gliedstaat, in dem die Republikaner in Urnengängen gemeinhin die besseren Karten besitzen. So wurde Paxton noch 2022 mit 53 Prozent der Stimmen in seinem Amt als Justizminister bestätigt. Letztmals gewann ein Demokrat im Jahr 1988 eine Senatswahl in Texas, am Ende der Präsidentschaft von Ronald Reagan.Unabhängige Beobachter sagen deshalb, dass Paxton im direkten Duell mit Talarico immer noch die besseren Karten besitze — trotz seiner Nähe zum unbeliebten Präsidenten und der Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Die Republikaner aber werden viel mehr Geld in den texanischen Wahlkampf stecken müssen, um Wechselwähler von Paxton zu überzeugen. Diese Dollars könnten in anderen Gliedstaaten fehlen, in denen die Prognostiker knappe Duelle zwischen Demokraten und Republikaner vorhersagen.Passend zum Artikel
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