Zeichen gegen Schwulen-Heiler: Bischofskonferenz und Schweizer Reformierte fordern Verbot von KonversionstherapienDie katholische Kirche tut sich mit Homosexualität bis heute schwer. Jetzt positionieren sich die Schweizer Bischöfe umso deutlicher. Auch die Reformierten beziehen Stellung – mit Signalwirkung für die Freikirchen.26.05.2026, 18.02 Uhr3 LeseminutenSchuldzuweisungen, Drohungen, Isolation, Abwertung: Konversionstherapien können bei Betroffenen zu psychischen Folgeschäden führen.Christian Beutler / KeystonePapst Franziskus hatte 2024 mit einer abfälligen Bemerkung über Homosexuelle für Kritik gesorgt. In Priesterseminaren gebe es noch immer «zu viel Schwuchtelei», sagte er an einer nichtöffentlichen Versammlung. Und 2018 erwähnte er beiläufig, Eltern homosexueller Kinder könnten «die Psychiatrie einschalten». Sein Nachfolger Leo XIV. hat sich bisher nur zurückhaltend zu dem Thema geäussert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) nimmt nun eine überraschend klare Position ein. In einer Medienmitteilung vom Dienstag spricht sich die SBK für ein Verbot von Konversionstherapien zur Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung aus. Solche Umpolungsversuche seien «mit einem seelsorglichen Auftrag, der auf Annahme, Wahrhaftigkeit und Schutz der Person gründet, nicht zu vereinbaren».Jede Form von Konversionsmassnahmen sei eine «zielgerichtete Einflussnahme, die eine Person dazu bringen soll, ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu ändern oder zu unterdrücken». Dies könne durch Druck, Schuldzuweisungen, Drohungen, Isolation, Abwertung oder Angst geschehen.Die SBK fordert dabei eine klare Abgrenzung von «Umpolungs-Praktiken» zu ergebnisoffener Seelsorge, Beratung und fachgerechter Psychotherapie, damit diese nicht kriminalisiert würden. «Kirchliche Seelsorge ist dann legitim, wenn sie die Würde und Freiheit der Person wahrt, die persönliche Integrität schützt und keine unzulässige Einflussnahme ausübt.»Grabenkämpfe bei den ReformiertenEbenfalls am Dienstag verschickte der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) eine Mitteilung mit ähnlicher Botschaft. «Den sogenannten Konversionsmassnahmen fehlt nicht nur die Evidenz aus medizinisch-psychotherapeutischer und sexualwissenschaftlicher Perspektive. Auch theologisch-ethische Gründe sprechen klar gegen solche Praktiken», schreibt die EKS.Im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche haben die Reformierten Homosexualität zumindest offiziell weitgehend enttabuisiert. In der Landeskirche kommt es aber immer wieder zu Grabenkämpfen mit konservativen Vertretern, die ein engeres Zusammengehen mit evangelikalen Freikirchen begrüssen.Die Stellungnahme der EKS ist deshalb auch ein Signal an die Freikirchen. Viele davon lehnen Homosexualität heute zwar nicht mehr offen ab. In verschiedenen evangelikalen Gruppierungen ist Homophobie aber noch immer stark verbreitet. Das zeigte zuletzt der Fall der lesbischen Co-Präsidentin der Jungen EVP, die sich nach ihrem Comingout internen Anfeindungen ausgesetzt sah und in der Folge zurücktrat.Politischer StillstandDie fast zeitgleiche Publikation der Mitteilungen der SBK und der EKS sei abgesprochen, sagte Stephan Jütte, Leiter Kommunikation der EKS. Man habe den Bericht des Bundesrats zur Verbreitung von Konversionstherapien in der Schweiz nicht abwarten wollen. Der Bericht, der auf ein 2021 eingereichtes Postulat des SVP-Nationalrats Erich von Siebenthal zurückgeht, hätte in diesem Frühjahr fertig werden sollen. Nun soll er im Herbst veröffentlicht werden, wie ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit auf Anfrage sagt.Das Parlament ringt seit Jahren um eine Position zu Konversionstherapien. 2022 stimmte der Nationalrat einem Verbot zu, seither ist das Geschäft hängig. Der Ständerat will erst entscheiden, wenn der Bericht des Bundesrats vorliegt. Bislang stellte sich der Bundesrat gegen ein Verbot. Kritiker fürchten deshalb, dass die Schweiz zu einem Rückzugsort für «Homo-Heiler» werden könnte, zumal immer mehr EU-Staaten Verbote für Konversionstherapien erlassen. Mitte Mai kündigte zudem die EU-Kommission eine Empfehlung für ein Verbot in sämtlichen Staaten der Union an.In der Schweiz distanzieren sich medizinische und psychologische Berufsverbände vehement von Konversionstherapien. Ärzte und lizenzierte Psychotherapeuten, die solche Methoden anwenden, müssen mit dem Entzug ihrer Bewilligung rechnen. Sogenannte «Coaches» und selbsternannte «Heiler», die insbesondere im religiösen Umfeld zu finden sind, bewegen sich dagegen in einer rechtlichen Grauzone, da das Strafrecht in diesen Fällen kaum greift. Mehrere Kantone haben deshalb eigenständig Verbote in Kraft gesetzt.Passend zum Artikel
Klare Botschaft: Schweizer Kirchen gegen «Homo-Heiler»-Praktiken
Die katholische Kirche tut sich mit Homosexualität bis heute schwer. Jetzt positionieren sich die Schweizer Bischöfe umso deutlicher. Auch die Reformierten beziehen Stellung – mit Signalwirkung für die Freikirchen.






