Diese Stunde am Freitagnachmittag ist eine der wenigen, die Marina Novokurska hier in Riga noch halten darf. Sie spricht so schnell wie die „verirrte Straßenbahn“ aus dem Gedicht des russischen Dichters Nikolai Gumiljow, das sie gerade mit ihrer Klasse analysiert. Gerade mal vier Schülerinnen und ein Schüler aus der Zwölften sitzen vor der Russischlehrerin, die Köpfe werden mit der Zeit sichtlich schwerer. Schwer ist auch das Gedicht selbst, vom „Abgrund der Zeit“ ist die Rede, Novokurska zeigt ein Video, in dem ein russischer Schauspieler die Zeilen mit hängenden Schultern und durchdringendem Blick rezitiert.