Der Starmer-Herausforderer Andy Burnham postet viel – vor allem zu FussballÜber kein anderes Thema schreibt der Bürgermeister von Gross-Manchester so häufig wie über seine Lieblings-Fussballmannschaft. Das sagt viel aus über das Image, das er pflegt – und den Gegensatz zum angezählten Premierminister.26.05.2026, 16.31 Uhr3 LeseminutenAndy Burnham verfolgt einen Match zwischen dem Everton FC und Sunderland in Liverpool am 17. Mai.son Cairnduff / REUTERSNichts interessiert Andy Burnham mehr als Fussball – zumindest wenn man seine Posts in den sozialen Netzwerken zum Nennwert nimmt. Das passt zum volkstümlichen Image des Bürgermeisters von Gross-Manchester, der sich gerne im Stadion, beim Joggen oder zwanglosen Gespräch mit Passanten ablichten lässt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die «Financial Times» hat nachgezählt: 17 Prozent von Burnhams Beiträgen auf X drehen sich um Fussball, insbesondere um seine Lieblingsmannschaft Everton FC aus Liverpool. Burnham kommt von dort. Ebenso gut kennt man die Zusammensetzung von Burnhams Followern (und vermutlich Wählern): 15 Prozent sind Everton-Fans, 27 Prozent sind Anhänger von Manchester United oder Manchester City.Burnham ist der populärste Labour-Politiker in Grossbritannien, und ein wichtiger Grund für seine Beliebtheit ist, dass er als authentisch und als «einer von uns» wahrgenommen wird. Im Gegensatz zu Keir Starmer, der als einer der unbeliebtesten Premierminister Grossbritanniens gilt. Starmer hat zweifellos seine Qualitäten, aber Volksnähe, Umgänglichkeit und Humor gehören nicht dazu.Auch der Regierungschef postet in den sozialen Netzwerken. Allerdings nicht über Sport. Seine Beiträge drehen sich meist um internationale Politik und Wirtschaft. Das ist natürlich seriöser – und tatsächlich sind es solche Themen, mit denen sich ein Premierminister beschäftigen sollte. Aber Burnham, der «König der Nordens», kommt besser an.Lokalpatriotismus passt schlecht zu einem PremierministerEs gibt allerdings zwei Probleme. Funktionieren die Methoden aus Manchester auch auf nationaler Ebene? Bei seinem Lieblingsthema Fussball jedenfalls geht es nicht: Burnham kann sich nicht für alle britischen Fussballmannschaften zugleich begeistern. Mit dem Einstehen für den einen Klub bringt er die Fans der anderen zwangsläufig gegen sich auf. Allgemeiner gesagt: Mit Lokalpatriotismus kann er als Premierminister-Kandidat nicht punkten.Und wo wird Popularität zum Populismus? Wann ist die Volksnähe lediglich gespielt? Kürzlich hat Burnham ein Kampagnenvideo zur Nachwahl in Makerfield veröffentlicht, die er gewinnen muss, um einen Parlamentssitz zu gewinnen. Denn erst dann kann er Starmer herausfordern. Das Video ist unterlegt mit Musik der Manchester-Bands Oasis und Elbow. Burnham spricht darin von der Deindustrialisierung der Region, gegen die er gekämpft habe. Es ist sein Refrain, wenn er mit Leuten aus der Arbeiterschicht spricht.Tatsächlich hat er Manchester zur Wiedergeburt verholfen. Aber nicht durch Reindustrialisierung, sondern durch den Wandel zu einer wissensbasierte Ökonomie. Damit gelang es ihm, Universitätsabsolventen von der Abwanderung nach London abzuhalten. Darüber hinaus war die urbane Renaissance stark Immobilien-getrieben, mit zahlreichen ausländischen Investoren, zum Beispiel aus China. Burnham nennt die öffentlich-privaten Partnerschaften seinen «wirtschaftsfreundlichen Sozialismus», in der Hoffnung, beide politischen Pole abzuholen.Überraschende Ähnlichkeit zu StarmerBei heiklen Themen wie Migration, Brexit, Steuern und den hohen Lebenshaltungskosten hält er sich allerdings zurück. Es sind Probleme, die die Öffentlichkeit spalten, und bei denen er nicht mehr «everybody’s darling» wäre. Man sagt Burnham nach, die Schattenseite seiner Umgänglichkeit sei sein Wunsch, von allen geliebt zu werden.Die Angst vor Konflikten teilt er mit dem so anders gearteten Starmer. Auch Starmer weicht harten Auseinandersetzungen aus. Diese Harmoniesucht führt dazu, dass er mit seinen Kehrtwenden und seiner Unentschiedenheit inzwischen fast alle verärgert.Das könnte auch dem wendigen Burnham blühen. Das «charismatische Chamäleon» nennt ihn die «Financial Times». Es heisst, dass man Besprechungen mit ihm am besten auf das Ende des Tages lege. Sonst sei das Risiko gross, dass er seine Meinung wieder ändere, je nach Person, die er anschliessend noch trifft.Passend zum Artikel
Andy Burnham: Fussball-Posts und der Imagekampf mit dem britischen Premier Keir Starmer
Über kein anderes Thema schreibt der Bürgermeister von Gross-Manchester so häufig wie über seine Lieblings-Fussballmannschaft. Das sagt viel aus über das Image, das er pflegt – und den Gegensatz zum angezählten Premierminister.






