Der erste elektrische Ferrari hat vier E-Motoren, 530 Kilometer Reichweite, Platz für fünf – und das Design eines Apple-ProduktsFerrari wagt, wovor Lamborghini zurückschreckt: ein vollelektrisches Flaggschiff. In Rom wird der Ferrari Luce als Symbol des Aufbruchs inszeniert. Aber es gibt Zweifel, ob die Ferraristi den radikalen Bruch mit der Tradition mitgehen.26.05.2026, 14.00 Uhr5 LeseminutenDer Ferrari Luce unterscheidet sich in fast allen Elementen deutlich von anderen Fahrzeugen des Herstellers.PDFerrari hat in Rom sein erstes rein elektrisches Fahrzeug vorgestellt. Der Luce (italienisch für «Licht») ist der zweite Viertürer in der Modellpalette des Sportwagenbauers und der erste Wagen mit fünf vollwertigen Plätzen. Er weicht beim Antrieb wie bei der Karosserie und der Cockpit-Gestaltung deutlich von der Tradition der Marke mit dem springenden Pferd ab.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Luce erinnert in seinem Erscheinungsbild deutlich an Produkte des amerikanischen Computerriesen Apple. Man könnte gar meinen, man habe das lang erwartete Apple iCar vor sich, wenn man den neuen Stromer betrachtet. Das ist kein Zufall: Die Gestaltung des Luce stammt vom Kollektiv «Love-From» des unter anderem für Apple tätigen Marc Newson und des ehemaligen Apple-Designchefs Jony Ive.Der iPod, der iMac G3, das iPhone, die Apple Watch und die grafische Benutzeroberfläche von Apple-Software: Alle diese Produkte entwarf der heute 59-jährige Brite Ive während seiner Jahre bei Apple von 1992 bis 2019. Der 63-jährige Australier Newson arbeitet seit 2014 unter anderem für Apple, Qantas und G-Star.2021 wurden Ive und seine Firma von der Ferrari-Eignerfamilie Agnelli beauftragt, am Design künftiger Ferrari-Modelle mitzuwirken.Das erste sichtbare Ergebnis der Zusammenarbeit mit Ive und Newson ist der Ferrari Luce, bei dem Ive auf Ferraris charakteristisches Design verzichtet und radikal mit der Tradition und den Werten früherer Ferrari-Modelle bricht. Stattdessen erhielt der Luce eine schlichte, futuristische Form mit schwebenden aerodynamischen Elementen und versteckten Rückleuchten.Der Luce ist etwa 5 Meter lang. Die Glasflächen erstrecken sich von der Dachlinie bis zu Front und Heck.PDDer Luce leistet 1050 PS aus vier Elektromotoren und hat eine geschätzte Reichweite von 530 Kilometern. Dies ist ein vorläufiger Wert, da die Prüfung zur Verkehrszulassung noch im Gang ist. Der Luce wird in Ferraris neuer Elektroautofabrik in Maranello gebaut.Ferrari fertigt die Elektromotoren, den Wechselrichter und die Leistungssteuereinheit des Luce im eigenen Haus. Die Pouch-Batteriezellen des Fahrzeugs wurden gemeinsam mit dem koreanischen Konzern SK On entwickelt, der sie auch produziert.Das Datum und den Ort der Enthüllung des Luce am 25. Mai 2026 in Rom wählte die Ferrari-Geschäftsleitung bewusst: Den ersten Rennsieg eines seiner Fahrzeuge feierte Enzo Ferrari am 25. Mai 1947 mit dem Modell 125S auf dem Caracalla-Strassenkurs am Stadtrand von Rom.Dennoch erstaunt der Zeitpunkt der Enthüllung. Denn während Ferrari die Entwicklung des Luce in den vergangenen Jahren vorantrieb, stiegen Konkurrenten wie Lamborghini angesichts grosser Unsicherheit über die Marktfähigkeit vollelektrischer Modelle aus Elektroautoprojekten aus oder legten sie auf Eis. Doch Ferrari will ein Zeichen setzen, wie der Vorstandschef John Elkann bei der Präsentation des Luce bestätigt: «Wir haben ganz bewusst die Entscheidung getroffen, die Zukunft anzuführen.» Die Marke definiere mit dem Luce die Grenzen des Machbaren neu.Ferrari hat erstmals Vertrauen in branchenfremde DesignerIve und Newson erhielten grosse kreative Freiheit bei der Gestaltung von Ferraris erstem Elektrofahrzeug. Sie entwarfen das Exterieur und das Interieur gleichzeitig, um absolute Konsistenz und Wiedererkennbarkeit des Produkts zu gewährleisten. Die schlichte Karosserie soll sich so im minimalistischen Interieur widerspiegeln.Das minimalistische Cockpit erinnert in vielem an iPad und Apple Watch.PDDie Aussenhaut des Luce zeichnet sich durch eine dunkle Glasfront aus, die sich von ganz vorne bis ganz nach hinten erstreckt. Die Aluminiumkarosserie überbaut die Glasfront vorne und hinten. Vorne strömt die Luft zwischen der Verlängerung der Windschutzscheibe und dem schwebenden Spoiler hindurch. Hinten entsteht vom Ende der Heckscheibe bis unter den integrierten Heckspoiler ein durchgehender Luftstrom.Nur wenige für einen Ferrari typische Designelemente finden sich am Luce. Neben den klassischen Emblemen mit dem schwarzen springenden Pferd auf gelbem Untergrund sind dies die doppelten runden Rückleuchten. Sie sind allerdings nur sichtbar, wenn das Fahrzeug fährt. Im parkierten Zustand verschwinden sie, da es sich um Oled-Elemente hinter einer minimalistischen schwarzen Heckscheibe handelt.Die runden Rückleuchten sind ein typisches Ferrari-Designmerkmal. Sie sind allerdings nur zu sehen, wenn das Fahrzeug in Betrieb ist.PDDie hinteren Türen des Luce sind hinten angeschlagen wie beim Ferrari-SUV Purosangue. So lassen sich die vordere und die hintere Tür wie ein Portal, aber auch – anders als beim Purosangue – unabhängig voneinander weit öffnen.Ein Geheimnis, das Ferrari bis zur Enthüllung des Luce für sich behielt, ist die Gestaltung der Rücksitze: Es handelt sich um das erste Fünfsitzer-Modell des Sportwagenherstellers – Ferrari bricht hier erneut mit einem Tabu aus der Modellgeschichte. Möglich wurde dies durch die für Elektroautos typische Architektur. Die bisherigen Viersitzer-Modelle des italienischen Herstellers verfügen über vorne eingebaute Verbrennungsmotoren und ein Getriebe, das zentral unter der Rückbank montiert ist. Durch den Wegfall des Getriebes vor der Hinterachse entstand Platz für einen fünften Passagier.Die Türen lassen sich wie Portale, aber auch unabhängig voneinander öffnen.PDDas EV-Layout des Luce ohne im Heck montiertes Getriebe ermöglichte es Ferrari, sein erstes Fünfsitzer-Modell zu entwickeln.PDDie «aktiven Ecken» des Luce sorgen für FahrkomfortDer Leiter der Produktentwicklung, Gianmaria Fulgenzi, bezeichnet den Luce als den «komfortabelsten Ferrari aller Zeiten». Er begründet dies mit den sogenannten «aktiven Ecken» des Luce mit seinen vier E-Motoren, je einem pro Rad. So sei jedes Rad in Bezug auf Kraftübertragung, Lenkung und Dämpfung völlig unabhängig konstruiert.Erste Reaktionen der Kunden auf den Ferrari Luce geben Anlass zu Zweifeln an den Erfolgschancen des neuen Stromers. Möglich, dass die Fans das rundliche, fünf Meter lange iPhone auf Rädern doch noch als Ferrari akzeptieren. Aber wenn sich die Interpretation des Modells als Verrat an der Marke und ihren Werten durchsetzt, dürfte dem Luce wenig Erfolg beschieden sein.Eine kleine Brücke bauen die Techniker den Anhängern der sonoren Verbrennungsmotoren unter der Haube. Auch der Luce erhält einen Klang, innen wie aussen. Er soll möglichst authentisch und funktional sein und wird daher direkt an den Achsen erzeugt und elektronisch verstärkt. Je nach gewähltem Fahrprogramm entstehen unterschiedliche Klangstufen, aber der Sound lässt sich auch komplett abschalten.Ferrari will die ersten Exemplare des Luce im vierten Quartal 2026 ausliefern. In Maranello rechnet man damit, dass der Durchschnittspreis des Elektrofahrzeugs vom Basispreis 555 000 Euro auf etwa 700 000 Euro steigen wird, da typische Ferrari-Kunden rund 150 000 Euro für Optionen ausgeben. Das Unternehmen machte bisher jedoch keine Angaben zum erwarteten Absatzvolumen des Luce.Auch in typischem Ferrari-Dunkelrot lässt sich der Luce bestellen.PDPassend zum Artikel
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