Wegen Japankäfer-Alarm dürfen Privatpersonen rund um Kloten ihre Rasen nicht mehr wässern, der nahe Golfplatz aber schonUm den Schädling zu vernichten, hat der Kanton Gartenbesitzern strenge Regeln auferlegt. Wo zieht er die Grenze?26.05.2026, 05.03 Uhr3 LeseminutenDer Japankäfer kann deshalb grosse Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten.Karel Bock / ImagoEs sind harte Zeiten für Gartenbesitzer in Kloten und Umgebung. Wenn im Sommer die heissen und trockenen Tage kommen, dürfen sie ihre Grünflächen nicht wässern – auch dann nicht, wenn sie zu verdorren drohen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Grund dafür ist der Japankäfer, der erstmals vor drei Jahren auf Gemeindegebiet entdeckt wurde. Der eingewanderte Schädling ist ein Problem, denn er frisst fast alles Grünzeug, was ihm in die Quere kommt: Auf seinem Speiseplan stehen über 400 Pflanzen. Damit kann er ganze landwirtschaftliche Kulturen zerstören. In der Schweiz werden die potenziellen Schäden auf mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr geschätzt.Um den Japankäfer zu bekämpfen, hat der Kanton Zürich in Absprache mit dem Bund Massnahmen beschlossen – etwa das Bewässerungsverbot, das vom 1. Juni bis zum 30. September gilt. In dieser Zeit hat der Japankäfer Flugsaison, die Weibchen legen ihre Eier ab. Am liebsten in feuchten Wiesen. Zudem ist es verboten, Grüngut, Kompost oder Bodenmaterial aus dem Perimeter hinauszutransportieren.Diese Massnahmen gelten in der «roten Zone», die der Kanton definiert hat. Sie umfasst insbesondere das Gebiet rund um die Sportanlage Stighag in Kloten, wo der erste Befall im Juli 2023 festgestellt wurde und sich auch letztes Jahr die meisten der insgesamt 5000 Käfer tummelten, die mit Fallen gefangen wurden. Dazu Teile von acht Gemeinden wie Bassersdorf und Opfikon.Gemeinden können Ausnahmen beantragenWeil auch weiter ausserhalb einzelne Exemplare entdeckt wurden, hatte der Kanton für dieses Jahr sowohl den roten Befallsherd als auch die Pufferzone ausgeweitet. In Letzterer sind die Massnahmen weniger streng. Den Garten zu wässern, ist erlaubt.Der Kanton hat die Grenzen dieser Zonen genau definiert, sie sind auf dem öffentlichen Kartendienst GIS-Browser ersichtlich. Schaut man sich die Grenzziehung genauer an, fällt eines auf: Die beiden Golfplätze Augwil und Breitenloo liegen knapp ausserhalb der roten Zone. Deren Grünflächen dürfen also gewässert werden – obwohl Augwil sich auf Klotener Gemeindegebiet befindet. Breitenloo gehört zu Bassersdorf.Hat der Kanton die Golfplätze verschont, damit die «Greens» auch wirklich grün bleiben?Nein, sagt die Baudirektion zu den Tamedia-Zeitungen. Die Golfplätze lägen schlicht ausserhalb des vorgegebenen Sicherheitsabstandes zu Käfer-Fundorten. Das Gebiet im Umkreis von mindestens einem Kilometer wird dann zur «roten Zone». Wo dies möglich war, habe man diese an Gemeinde- und Siedlungszonen ausgerichtet.Ganz so strikt ist das Bewässerungsverbot übrigens nicht. Gemeinden können Ausnahmen beantragen für öffentliche Grünflächen in Badis oder auf Sportplätzen – vorausgesetzt, sie werden im Spätsommer mit Fadenwürmern behandelt, einem natürlichen Feind. Diese Würmer fressen die im Boden abgelegten Larven der Japankäfer.Um dem Schädling möglichst den Garaus zu machen, werden die Schädlinge mit einem Duftstoff auf einen bewässerten Rasen bei der Sportanlage Stighag in Kloten gelockt. Dieser wird später abgefräst, um die Larven zu vernichten.Im Tessin ist der Schädling weit verbreitetBund und Kanton betreiben viel Aufwand im Kampf gegen den Japankäfer. Besonders südlich der Alpen ist er weit verbreitet. Im Tessin wurde der Käfer erstmals 2017 nachgewiesen, nahe der italienischen Grenze.Heute sind auch Teile von Graubünden und dem Wallis betroffen. Schäden werden vor allem an Reben gemeldet. In diesen Gebieten liegt der Fokus darauf, die Ausbreitung des Käfers einzudämmen. Reisende, die aus Norditalien oder den Südkantonen heimkehren, sind angehalten, Auto und Gepäck vor der Abfahrt auf Käfer zu kontrollieren.Im Norden hingegen hat man sich zum Ziel gesetzt, den Käfer auszurotten. Ob dies gelingen kann, ist unsicher. Bisher hat sich das befallene Gebiet in Kloten nur wenig ausgedehnt, was die Behörden als gutes Zeichen werten.Einzelne Tiere wurden letztes Jahr in der Stadt Zürich und bei Affoltern am Albis gefunden. Die Fundorte werden mit trichterförmigen grünen Fallen überwacht.Fangen, einfrieren, fotografierenheu. Japankäfer können leicht mit einheimischen Arten verwechselt werden. Ausgewachsene Exemplare sind etwa so gross wie eine Kaffeebohne. Sie haben einen grün schimmernden Kopf, Körpermitte und Flügel sind braun. Auf jeder Seite des Hinterteils sind fünf kleine, weisse Haarbüschel zu erkennen. Am Hinterleib gibt es zwei grössere, gleichfarbige Haarbüschel. Die Schädlinge sind meldepflichtig. Wer einen «verdächtigen» Käfer entdeckt, soll ihn einfangen, in ein verschlossenes Glas oder eine Dose stecken und das Gefäss über Nacht ins Gefrierfach legen. Am nächsten Tag ein Foto machen und dieses mit Angaben zum Fundort per E-Mail an [email protected] schicken.Passend zum Artikel