PfadnavigationHomeWirtschaftAutoclub-ImperiumBeitragserhöhung trotz Milliarden-Vermögen – So groß ist der Reichtum des ADACStand: 12:28 UhrLesedauer: 4 MinutenDie ADAC-Zentrale in MünchenQuelle: picture alliance/dpa/Matthias BalkDer ADAC gewinnt Hunderttausende Mitglieder hinzu. Doch um aus den roten Zahlen zu kommen, will Europas größter Verein die Beiträge um 20 Prozent erhöhen. WELT hat einen Blick auf neue Zahlen des Milliarden-Vermögens geworfen.Die Mitgliederzahl des ADAC wächst und wächst, ohne dass die Basis wirklich aktiv beteiligt ist. Dies liegt an den komplexen, eigenwilligen Strukturen, die am Wochenende auf der Hauptversammlung des ADAC in Speyer wieder deutlich wurden. Dort gab es zwei Kernbotschaften: Nach gut sechs Jahren steigen die Beiträge ab 2027 im Schnitt um knapp unter 20 Prozent, weil der Verein 2025 durch hohe Kostensteigerungen mit 17,1 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht ist. So steigt der Basistarif künftig von 54 auf 64 Euro und der Rundum-Schutz im Premium-Tarif von 139 auf 174 Euro. Die zweite Botschaft: Das Mitgliederwachstum geht weiter und das Vermögen wächst.Bis Jahresende werden 23,1 Millionen Mitglieder in Europas größtem Verein erwartet, sagte ADAC-Finanzpräsident Jens Kuhfuß vor den über 230 Delegierten der 18 Regionalvereine. Sie repräsentieren die Riesen-Mitgliederzahl. Nach einem Nettozuwachs von rund 490.000 auf 22,7 Millionen Mitglieder soll in diesem Jahr die nächste Millionenschwelle überschritten werden. ADAC-Präsident Christian Reinicke verwies auf die Erfolgsformel des Vereins unter dem Motto „Wir sind für Sie da“, also Hilfeleistung im Bereich der Mobilität und darüber hinaus. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die meisten Neueintritte in den ADAC wegen der Autopannenhilfe der „Gelben Engel“ und des Reiseschutzes erfolgen.Lesen Sie auchFür die Interna des Vereins interessiert sich kaum ein Normal-Mitglied, wie die verschwindend geringe Anzahl von gewöhnlichen Autofahrern bei den jährlichen Mitglieder-Hauptversammlungen der Regionalvereine zeigt. Sie entsenden dann Delegierte zur Hauptversammlung. So bleiben die ADAC-Entscheider weitgehend unter sich. Die Hauptversammlung des Vereins wurde zwar jetzt wieder im Internet übertragen, aber die Diskussion mit den Delegierten, etwa zur Beitragserhöhung oder der Positionierung in der Frage Verbrenner oder E-Auto, erfolgt einen Tag vor der Hauptversammlung im Geheimen.ADAC-Präsident Reinicke betonte eine angebliche Neutralität des Vereins in der Antriebsfrage, räumte aber ein: „Elektromobilität wird attraktiver.“ Der Verein wolle die Antriebstechnik nicht vorschreiben, so Reinicke. Für den ADAC ist diese Frage eine Gratwanderung mit großem Potenzial eines Reputationsschadens, weil die Mehrheit der ADAC-Mitglieder immer noch Verbrenner fährt. So kam in der offiziell übertragenen Hauptversammlung der Rücktritt des ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand nicht mehr zur Sprache, der eine CO₂-Bepreisung als richtiges Instrument für den Klimaschutz bezeichnet hatte. Das führte zum Austritt von 60.000 Mitgliedern – rechnerisch ein Umsatzverlust von ein paar Millionen Euro.So hoch ist das Vermögen des ADACADAC-Finanzpräsident Jens Kuhfuß stellte dennoch für dieses Jahr einen Anstieg aus Mitgliederbeiträgen und sonstigen Einnahmen auf 1,083 Milliarden Euro in Aussicht. Auf fast 900 Millionen Euro werden die Kosten für die Hilfeleistungen veranschlagt, bei knapp 3,7 Millionen Hilfe-Fällen. Unter dem Strich wird ein fast verdreifachter Verlust von 46,5 Millionen Euro erwartet.Dabei hat der Verein ein Riesenvermögen, wie aus den neuen, im Internet hinterlegten Zahlen hervorgeht. Danach belaufen sich die Finanzanlagen 2025 auf inzwischen 2,66 Milliarden Euro. Die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des ADAC sei insgesamt als stabil einzustufen, sagte der Finanzpräsident auf der Hauptversammlung. Die Eigenkapitalquote liege bei über 61 Prozent. „Unsere Kapitalanlagen sind konservativ und treuhänderisch strukturiert“, sagte Kuhfuß ohne nähere Details zu nennen.Der Verein hält die Mehrheit am „Wirtschafts-ADAC", mit seinem großen Versicherungsangebot, Finanzdienstleistungen oder Reisen. Der Umsatz des ADAC-Wirtschaftskonzerns lag 2024 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – bei 1,36 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte 2024 von 26,5 auf 38,3 Millionen Euro. Die Finanzanlagen betrugen 1,44 Milliarden Euro. Wenig bekannt ist in der Öffentlichkeit die vor rund zehn Jahren eingeführte Drei-Säulen-Struktur des ADAC. Neben dem Verein mit seinem Hilfeangebot gibt es noch für die kommerziellen Aktivitäten unter dem gemeinsamen Dach die ADAC SE sowie die ADAC Stiftung für gemeinnützige Tätigkeiten.Der Verein hält die Mehrheit am „Wirtschafts-ADAC“, mit seinem großen Versicherungsangebot, Finanzdienstleistungen oder Reisen. Der Umsatz des ADAC-Wirtschaftskonzerns lag 2024 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – bei 1,36 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte 2024 von 26,5 auf 38,3 Millionen Euro. Die Finanzanlagen betrugen 1,44 Milliarden Euro. Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.