Viel Raum in diesem päpstlichen Dokument über die großartige Menschheit („Magnifica humanitas“) nehmen methodische Überlegungen ein. Warum noch Sozialenzykliken, wenn doch, wie auch Leo XIV. hervorhebt, zu Recht von einer Autonomie der irdischen Wirklichkeiten gesprochen wird? Hat man es nicht mit einer unzulässigen Einmischung in weltliche Angelegenheiten zu tun, mit einem ungelenk-gelenkigen externen Ethik-Kodex in Sachen, in denen die Kirche von Haus aus gar nicht hinreichend sachverständig ist?Tatsächlich bewegt sich auch „Magnifica humanitas“ in einer doppelten Verlegenheit, wenn dieses Papier maßgebliche Einlassungen zum Thema der Künstlichen Intelligenz beansprucht. Zum einen geht es in der Sache nicht wesentlich über bereits vorliegende politisch-moralische Stellungnahmen zum technologischen Wandel hinaus. Zum anderen betont es die missionarische Rückbindung an ein christologisches Wahrheitsverständnis vom Menschen, was wiederum die Akzeptanz für säkulare KI-Denker erschweren dürfte, die – ob nun eher skeptisch oder euphorisch eingestellt – von einer offenen, nicht religiös festgelegten Anthropologie ausgehen.Warnungen vor einem „Babel-Syndrom“Im Übrigen scheint sich der Papst über die Halbwertszeit von Einlassungen zur KI, seinem zentralen Thema, keine Illusionen zu machen. Es gelte in dieser Hinsicht, zwei Überlegungen anzustellen: „Erstens läuft jede Aussage über KI Gefahr, angesichts der beeindruckenden Entwicklungsgeschwindigkeit dieser Systeme in kurzer Zeit überholt zu sein.“ Der Zeitindex ist ja schon mit dem Genre der Sozialenzyklika gegeben, deren Lehraussagen als „dynamisch“ vorgestellt werden. Die zweite Überlegung, so der Papst, habe damit zu tun, „dass wir alle, einschließlich derjenigen, die sie entwickeln, nur wenig über ihre tatsächliche Funktionsweise wissen. Moderne Künstliche Intelligenzen werden nämlich eher ,gezüchtet' als ,gebaut': Die Entwickler schaffen nicht jedes Detail direkt, sondern schaffen eine Architektur, auf der KI ,wächst'.“Der methodische Agnostizismus paart sich in der Enzyklika mit geradezu poetischen Beschwörungen eines Menschseins, wie wir es kennen, das aber, mag einem nun die ganze KI-Richtung passen oder nicht, entwicklungsfähig bleibt. Tatsächlich widerlegt auch „Magnifica humanitas“ nicht die geschichtliche Einsicht: Der Mensch als Gattungswesen hat, kreativ bleibend, bislang all seine kulturellen Transformationen überlebt. Die Warnungen vor einem „Babel-Syndrom“, das Gott ins Handwerk pfuscht, stehen drin in einem Text, der sie zugleich überholt.
Die KI-Enzyklika des Papstes
Der Papst selbst sagt, seine Aussagen zur KI könnten in kurzer Zeit überholt sein: Methodischer Agnostizismus paart sich in der neuen Enzyklika mit geradezu poetischen Beschwörungen eines Menschseins, wie wir es kennen.











