Man muss sie einfach mögen, die Kiwis, wie sich die Neuseeländer selbst nennen. Nicht nur die Leute und ihr Land sind liebenswert, sondern auch das, was die am Ende der Welt beheimatete Air New Zealand für bequemeres Fliegen alles erfindet, gerade auf den günstigen Plätzen. Innovationen, die dann später manch andere Fluggesellschaft übernimmt.Dafür gibt es seit vielen Jahren den Hangar 9 in der Innenstadt von Auckland, eine Art Labor, in dem Ingenieure, Designer und Hersteller unter strenger Geheimhaltung tüfteln. Die besten Erfindungen erblicken das Licht der realen Welt, das heißt Reisende finden sie im Flugzeug vor. Allerdings dauert es von der Testphase bis zur Einführung im Liniendienst stets viele Jahre, die Mühlen der Luftfahrt mahlen langsam.Raum für FamilienIn den frühen 2000er-Jahren entstand hier die Skycouch, die Air New Zealand dann 2011 auf Langstrecken als Weltpremiere einführte. Das Prinzip ist so simpel wie genial: In einer Economy-Dreierreihe klappt man im Zwischenraum zu den Vordersitzen drei Fußstützen in die Waagrechte, schon entsteht eine ebene Liegefläche von 1,55 Meter Länge und 74 cm Breite. Ideal für junge Familien, ein Elternteil und ein bis zwei kleine Kinder können hier liegend lange Flüge viel bequemer verbringen als im Sitzen. Aufpreis auf die Economy-Class-Tickets je nach Strecke, Anzahl der Nutzer und Nachfrage 150 bis 750 Euro. Lange hatten die Kiwis ein Monopol auf ihre Erfindung, seit 2019 bietet die japanische All Nippon Airways (ANA) ihre „ANA Couchii“ im A380 auf Hawaii-Flügen auch in Viererreihen.Entspannungsreihe: Die Relax Row von United.Andreas SpaethDer große Durchbruch kommt nun 2027: United Airlines, eine der größten Fluggesellschaften der Welt, hat sich die Rechte für Nordamerika gesichert und nennt das Produkt „RelaxRow“. Es soll bis 2030 in nicht weniger als 200 Boeing 787 und 777 installiert sein und bis zu zwölf Dreierreihen am Fenster umfassen.Andere Airlines greifen die Idee auf, aber ohne ausklappbare Fußstützen für ebene Liegeflächen zu installieren. Stattdessen verkaufen sie wie bisher die Lufthansa einfach bestimmte freibleibende Sitzreihen Last Minute als „Sleeper’s Row“. Das hat die Kranichlinie 2021 auf ihren längsten Strecken ab Frankfurt und München eingeführt, ab zehneinhalb Flugstunden auf jeweils maximal drei Sitzreihen. Für vergleichsweise günstige 192 bis 229 Euro gibt es drei (Airbus A350/A340-300) oder sogar vier (Boeing 747-8) Economy-Sitze, auf die eine Matratzenauflage aus der Business Class gelegt wird, auch Decke und Kissen kommen aus der vorderen Kabine, ein spezieller Gurt erlaubt das Anschnallen im Liegen. Bisher ist das nicht vorab buchbar – und damit Glückssache.Erhöht Lufthansa die Preise?Doch nun kündigt Lufthansa an, dass Kunden noch in diesem Jahr die Sleeper’s Row auch vorab werden reservieren können. Was dann vermutlich zu einer Preiserhöhung führt. Ab Deutschland bieten auch Vietnam Airlines („SkySofa“) und Air Astana aus Kasachstan („Economy Sleeper“) ganze Economy-Sitzreihen zum flachen Liegen an, inklusive Auflagen, Decken und Kissen aus der Business Class.Vier Stunden dauern die Slots, die Passagiere im Skynest buchen können.Andreas SpaethSeit dem 18. Mai kann nun auch die vermutlich revolutionärste Erfindung für Economy-Passagiere aus dem Hangar 9 in Auckland erstmals für reguläre Flüge ab November gebucht werden: ein Etagenbett wie im Liegewagen bei Nachtzügen. Insgesamt sechs solche Schlafplätze (2,03 Meter lang und an den Schultern 64, am Fußende noch 41 Zentimeter breit) stehen im sogenannten Skynest bereit. In der Mitte und oben erreichbar über fest eingebaute Stufen und Griffe zwischen den Kopfenden, die Betten sind V-förmig angeordnet, am Fußende befindet sich der Eingang. Der Block in der Kabinenmitte wirkt von außen wie ein großer Einbauschrank, installiert auf Höhe der Tragflächen der Boeing 787-9 von Air New Zealand, am Beginn der Economy-Class, anstelle der mittleren Sitzreihen.