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Das mit dem Glauben ging bei meinen Zwillingstöchtern vor einigen Jahren los, vielleicht Ende der ersten Klasse. »Papa«, sagte die Zweitgeborene eines Abends, beide lagen schon im Bett, »Papa, ich weiß jetzt, warum es Gott gibt!« – »Ah ja, und warum?« – »Weil ohne ihn würde es keine Liebe auf der Welt geben.« Eine weihevolle Stille entstand. Dann krähte ihre Schwester aus dem Bett heraus: »Ich HASSE Gott!«
Diese Dynamik kannte ich schon: Die eine schwärmte, die andere widersprach. Das Salbungsvoll-Altkluge hier, das Rabiat-Neinhornhafte dort, ich speicherte es als lustige Anekdote ab. Ich selbst bin praktizierend katholisch aufgewachsen: Familiengottesdienste, Messdienertum, Firmung, habe mich aber, wie so viele, von der Kirche entfremdet. Meine Kinder bekamen zu Hause keine religiöse Erziehung. Keine Bibelbücher, keine Sonntagsmessen, keine Erstkommunion. Sie sind aber katholisch getauft. Und mit der Einschulung entschieden wir Eltern, sie statt dem Fach Lebenskunde eben Religion besuchen zu lassen. Warum? Es schien nicht zu schaden. Von dort stammte offenbar auch der Gedanke, den die Zweitgeborene im abendlichen Kinderzimmer verkündete: Gott sei die Liebe. So steht es auch in der Bibel. So weit, so schön.










