Es war ein Bild, das viele nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Mitten in einer gepflegten Gründerzeitzeile in der Görlitzer James-von-Moltke-Straße klafft seit dem 18. Mai 2026 ein Loch. Drei Menschen starben, als das Mehrfamilienhaus am späten Nachmittag ohne Vorwarnung in sich zusammenfiel. Eine Gasexplosion gilt als wahrscheinlichste Ursache, abschließend bestätigt ist sie nicht. Doch seit dem Unglück steht wohl in unzähligen Haushalten die gleiche Frage im Raum: Kann mir das auch passieren?

Die ehrliche Antwort lautet: Das Restrisiko lässt sich nie auf null senken. Aber es lässt sich deutlich verkleinern – und zwar von jedem. Vom Mieter im Hinterhaus über die Eigentümerin der Stadtvilla bis zum Bauherrn, der gerade einen Altbau entkernt. Vorausgesetzt, man weiß, worauf es ankommt.

Wie das Gas in Ihre Wohnung kommt

Um Risiken einzuschätzen, lohnt ein kurzer Blick darauf, wie das deutsche Erdgasnetz überhaupt aufgebaut ist. Vom Hochdrucknetz der überregionalen Fernleitungen wird das Gas über Mitteldruckleitungen in die Stadtteile verteilt und schließlich über Niederdruckleitungen mit nur wenigen Millibar Druck bis vor die Häuser geführt.

Eine Hausanschlussleitung zweigt von der Straße ab und endet im Keller an der sogenannten Hauptabsperreinrichtung, kurz HAE – jenem Haupthahn, dessen Lage jeder Bewohner kennen sollte. Von dort führen Steigleitungen in die Wohnungen, bis zu Therme, Heizung oder Gasherd.