PfadnavigationHomeReiseDschungel trifft KüsteWo die Dickhäuter baden gehen – Strandsafari in GabunVon Win SchumacherStand: 09:03 UhrLesedauer: 7 MinutenGang in die Wellen: Ein Flusspferd trabt Loango-Nationalpark Richtung AtlantikQuelle: Fabian von Poser/imageBROKER/picture allianceWaldelefanten trotten zum Ozean, Flusspferde schaukeln gern in den Wellen, Gorillas brüllen. In dem zentralafrikanischen Land reicht der Regenwald bis zum Atlantik. Eine Strandsafari, die selbst Afrikakenner vor Staunen verstummen lässt.Die Fährte ist noch ganz frisch“, flüstert Yorick Igalo und deutet mit dem Finger auf den Fußabdruck im Schlamm. Eindrucksvoll zeichnet sich dort die mächtige Spur eines Gorillas ab. Sie könnte auch von einem plattfüßigen Riesen stammen.„So wie es aussieht, hat der Silberrücken hier gerade erst den Sumpf durchquert.“ Nicht weit davon sind die Fährten einer ganzen Affenhorde zu sehen. „Wahrscheinlich war hier der ganze Clan unterwegs“, wispert der Guide, „wir können versuchen, ihnen auf den Fersen zu bleiben.“Der Tag ist noch jung, doch der Regenwald in Gabuns Loango-Nationalpark ist längst erwacht. In den Baumkronen krakeelen Hornvögel. Schillernde Nektarvögel lassen im üppig grünen Dickicht am Waldrand Kobaltblau und Orangegelb aufblitzen. Der Chor der Wildnis wird von Minute zu Minute vielstimmiger. Ein mal anmutiger, mal bizarrer Vogelgesang, begleitet von Streichern, Bläsern und Trommlern Abertausender Amphibien und Insekten.Ein Ausflug in den tropischen Regenwald Gabuns führt in eine Tierwelt, die selbst erfahrene Safari-Urlauber zum Staunen bringt. Denn das Küstenland ist eine der wald- und wildreichsten Regionen Afrikas – und mit nur 2,4 Millionen Einwohnern zugleich eine der am dünnsten besiedelten. Am Morgen Gorillas, am Abend BuckelwaleGabun gilt afrikaweit seit Langem als Vorreiter in Sachen Naturschutz. Wohlhabend durch immense Bodenschätze, kann es sich leisten, seine Natur zu achten. Etwa 85 Prozent des zentralafrikanischen Landes sind bewaldet – der Export von Tropenholz wurde verboten, Wald von ausländischen Investoren zurückgekauft.2002 verlieh der damalige Präsident Omar Bongo Ondimba gleich 13 artenreichen Gebieten Nationalpark-Status. In den Schutzgebieten sind Gorillas, Schimpansen, Mandrills, Waldelefanten, Flusspferde und Rotbüffel zu Hause. Auch die Löwen, die seit 1996 als ausgerottet galten, sind wieder da. Daneben können Touristen in Gabun vor allem von Juli bis September Buckelwale beobachten.Am Morgen Dschungeltiere sichten und am Abend die großen Meeressäuger – das ist so in kaum einem anderen Land möglich. Im Sommer 2023 jedoch bremste ein Militärputsch den Tourismus in Gabun. Auch wenn Ausländer davon nie direkt betroffen waren, war die Verunsicherung groß. Inzwischen stuft das Auswärtige Amt die innenpolitische Lage als ruhig ein, und die Reisenden kehren zurück. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenDie meisten von ihnen werden sich glücklich schätzen, die Strände und Safaripfade mit niemandem teilen zu müssen. Der Condé Nast Traveller zählt Gabun deshalb zu seinen „Best Places to Go 2026“. Ob viele Reisende dem Aufruf folgen werden, das kaum bekannte Land zu entdecken, wird sich angesichts steigender Flugpreise erst zeigen. Auch die überschaubare Auswahl an Lodges und Zeltcamps macht eine Safaritour durch Gabun exklusiv – und damit kostspieliger als vergleichbare Safariziele. Guide Igalo ist jedenfalls glücklich über das zunehmende Interesse an seinem Land. Er führt eine Gruppe Besucher tiefer in den Wald. Den Gorillas kommen die Touristen heute jedoch nicht auf die Schliche. Dafür beobachten sie am Abend Pinselohrschweine, Büffel und Waldelefanten – die bedrohten, kleineren Verwandten des Savannenelefanten – direkt an der Küste. Tennisballgroße EierAm nächsten Tag geht es in den auf einer Halbinsel gelegenen Pongara-Nationalpark. Guide Abdoul Koumangoye Moto pirscht mit Safari-Urlaubern zum Strand. Nichts lässt erahnen, dass man sich nur 25 Kilometer Luftlinie von Gabuns Hauptstadt Libreville befindet.Hier, an der dem offenen Atlantik zugewandten Seite der Pongara-Halbinsel, kommen sich die Urlauber vor wie Gestrandete an einer abgeschiedenen Küste. Der wuchernde Urwald ist nur durch einen schmalen Streifen Sand von den herandonnernden Wellen getrennt. Das aufgeregte Kreischen einer Affenbande lässt aufhorchen.Eine Gruppe Halsband-Mangaben, Verwandte der Paviane mit rotbraunem Schopf, verkündet ihren Unmut über die Störung ihres Frühstücks mit Meerblick. Einzig der angeschwemmte Müll erinnert daran, dass auch Gabuns Küste nicht von der Plastikschwemme ausgespart wird, die inzwischen auch die entlegensten Inseln der Welt erreicht.„Manchmal sehen wir hier frühmorgens Elefanten oder Flusspferde am Meer“, erzählt Moto. „Ich habe auch schon Leoparden und Antilopen am Strand gesehen. Sie scheinen die frische Brise genauso zu genießen wie wir Menschen.“Andernorts in Afrika haben Wildtiere kaum noch Zugang zum Meer, in Gabun jedoch grenzt an einem Großteil der fast 900 Kilometer langen Küste noch immer tropischer Regenwald direkt an den Atlantik. Am Ende der Wanderung entdeckt der Guide tatsächlich Elefanten- und Flusspferdspuren im Sand. „Sie haben sich wieder in den Wald zurückgezogen.“Am späten Abend bricht Moto noch einmal mit seinen Gästen auf – diesmal nicht zu Fuß, sondern mit einem Strandmobil mit dicken Reifen. Die See ist in dieser Nacht deutlich aufgewühlter als noch am Morgen. Durchs Scheinwerferlicht des Safarigefährts huschen in der Dunkelheit Heerscharen von aufgeschreckten Krabben. Ein Grüppchen Rotbüffel hat es sich am Sandstrand bequem gemacht. Die Wiederkäuer räumen missmutig und widerwillig das Feld.Lesen Sie auchDie berühmten surfenden Hippos, Gabuns vorwitzige Flusspferde, die sich – außergewöhnlich selten in Afrika – auch in den Wellen des Ozeans tummeln, lassen sich bei dem stürmischen Wetter leider nicht blicken, nur ihre Spuren am Strand sind zu sehen. Dafür entdeckt der Guide einen anderen Giganten: eine Lederschildkröte – weltweit die größte ihrer Art. Am Fuß des Regenwaldes ist ein Weibchen gerade dabei, seine Eier abzulegen. Das gewaltige Tier, dessen Panzer größer ist als die Ladefläche einer Schubkarre, hat mit seinen Hinterflossen gerade ein tiefes Loch in den Sand gegraben. Gabun gehört zu den wichtigsten Eiablage-Stätten der Lederschildkröten.Lesen Sie auch„Manche der Tiere werden noch deutlich größer als dieses und erreichen das Gewicht eines Kleinwagens“, erklärt Moto. Das Guinness-Buch der Rekorde bezeugt tatsächlich ein Tier, das 2,91 Meter lang und 961 Kilogramm schwer war. Im Licht von Motos Taschenlampe können die Touristen dabei zusehen, wie die tischtennisballgroßen Eier in die freigelegte Kuhle fallen. Dann füllt das Tier das Loch wieder sorgfältig mit Sand. Wenn alles gut geht, werden in etwa 60 Tagen die Schlüpflinge ihrer Mutter in den Ozean folgen. Die Wissenschaft weiß bis heute nicht, wie lange es tatsächlich dauert, bis die erwachsenen Tiere zur Eiablage an die Küste Gabuns zurückkehren. Einen Großteil ihres Lebens verbringen sie in Hochseegebieten Hunderte Kilometer von der Küste entfernt. Die Schätzungen für ihre Fortpflanzungsfähigkeit reichen von sieben bis 20 Jahren. Weltvergessen blicken die Urlauber dem Koloss nach, wie er sich seinen Weg zurück ins Meer bahnt. Bald ist er mit ein paar kräftigen Flossenschlägen in den Atlantikwogen verschwunden. „Nur wenige Menschen bekommen dieses Schauspiel mit eigenen Augen zu sehen“, sagt Moto.Auf dem Rückweg entlang der Brandung des Atlantiks lasse ich meine Gedanken von den heranbrausenden Wellen aufwühlen. Die Reise fühlt sich plötzlich für mich an wie eine Flucht an einen Ort, an dem jegliches Zeitgefühl versagt. Wer derzeit einen Rückzugsort fernab allen Weltgetöses sucht, wird in Gabuns überbordender Natur eine Zuflucht finden.Tipps und Informationen:Wie kommt man hin? Etwa mit Air France über Paris oder mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba nach Libreville. Eine Reihe an Safari-Veranstaltern bieten von dort aus Transfers in verschiedene Nationalparks. Selbstfahrer sollten je nach Ziel vor allem in der Regenzeit Pufferzeit einplanen.Wo wohnt man gut? Pongara Lodge: Gelegen zwischen einem Sandstrand und dem Regenwald an einem entlegenen Küstenabschnitt des Nationalparks, lassen sich hier Wale und Lederschildkröten beobachten, Regenwaldwanderungen und Pirschfahrten unternehmen. Bungalow für bis zu 4 Personen ab 345 Euro/Nacht (gabonwildlife-camps.com). Loango Savannah Camp: Am Ufer der Iguela-Lagune stehen Bootsfahrten, Buschwanderungen und Safaris zur Auswahl. Die Natur um das Camp ermöglicht Tierbeobachtungen, am nahen Atlantikstrand werden häufig Büffel und Elefanten gesichtet, all-inclusive ab 2950 Euro pro Person (inivatourism.com).Veranstalter: „Ivory Tours“ bietet Reisen in die schönsten Nationalparks Gabuns, 10-tägige Naturreise nach Pongara und Loango ab 4190 Euro pro Person im Doppelzimmer (ivory-tours.de). „Swan Hellenic“ bietet Expeditionskreuzfahrten entlang der westafrikanischen Küste, die unter anderem auch Halt für Pirschfahrten im Loango-Nationalpark Station macht. 11 Nächte ab 8925 Euro pro Person in der Außenkabine inklusive Verpflegung (swanhellenic.com).Weitere Informationen: visitgabon.gaDie Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Ivory Tours. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit