Darüber spricht León: Wie macht der Roboter? Wuff!In der nordspanischen Stadt León sorgt ein in Europa einzigartiges Projekt für Gesprächsstoff. Dort sollen Roboterhunde den klassischen Hütehund ersetzen.Ute Müller24.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Schafe scheinen den Roboterhund zu akzeptieren. Doch wie steht es mit den Wölfen?PDSchon seit dem Mittelalter lebt die Gegend um León von der Landwirtschaft und Viehzucht. Aufgrund ihrer vielen Hochebenen und Weideflächen wird diese Gegend intensiv für die Haltung von Schafen genutzt. Die Tiere werden traditionell von einer einheimischen Hunderasse, dem «Mastín leonés», gehütet. «Schafherden, begleitet von kräftigen Hirtenhunden, sind das Bild meiner Heimat», sagt Jesús Villa Villamarín, der in León lebt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch schon seit vier Jahren arbeitet die Universität seiner Stadt an der Entwicklung von Roboterhunden, die den Job der Hütehunde übernehmen sollen. «Das würde bedeuten, dass diese edle Rasse aussterben könnte», so Villamarín. Eine Gruppe von Forschern hat bereits die Software für drei Cyberhunde entwickelt.Besonders stolz sind die Ingenieure auf «Sultán», der in den USA montiert wurde und 50 Kilogramm schwer ist. Die anderen beiden etwas kleineren Exemplare wurden in China zusammengebaut.Vicente Matellán, zuständiger Professor und Leiter des Pionierprojekts, ist begeistert. «Wir haben eine Software entwickelt, mit der ein Roboterhund Schafe hüten, die grünsten Weiden finden und Wölfe entdecken kann.» Das Projekt wurde von der EU gefördert, Sultán kostete 180 000 Euro und ist damit der teuerste Cyberhund der Welt. «Wir haben ihnen Datensets eingebaut, mit denen sie Hunde, Pferde, Füchse und Merinoschafe von den Wölfen unterscheiden können», erläutert Professorin Camino Fernández, die ebenfalls zum Team der Universität León zählt.Laut den Herstellern ist der künstliche Hund regen- und staubresistent und kann wieder auf die Beine kommen, wenn er bei Zusammenstössen mit Schafen umfällt. Dabei helfen die extrem langen Beine, aufgrund deren der Cyberhund eher an ein riesiges Insekt als an einen Hund erinnert.Beim ersten Ortstermin, bei dem Sultán mit den «Kollegen» auf die Weide geführt und per Videokonsole gesteuert wurde, waren die Schafe zunächst neugierig. Einige erschraken aber sichtlich. «Wir haben es hier mit ängstlichen Tieren zu tun, wenn ein paar von ihnen die Flucht ergreifen, folgt ihnen die ganze Herde», so der Schäfer Jesús Garcia, der seine Tiere schon seit Jahrzehnten auf die Weide führt.«Rein theoretisch wäre es eine gute Nachricht, wenn die Cyberhunde funktionieren würden. Aber ich fürchte, dass die Umwelt darunter leiden wird. Das haben wir schon mit der Windenergie und den Solaranlagen gesehen. Die Landschaften werden unwirtlicher», sagt der Anthropologe Francisco Almacha der Tageszeitung «El Mundo».An der Universität León macht man sich auch Sorgen, dass die Cyberhunde momentan nur drei Stunden funktionieren und es auf den Weiden weit und breit keine Steckdosen gibt. Hinzu kommt der hohe Preis, den vermutlich kein Schäfer zahlen kann.Villamarín bleibt skeptisch. «Die Wölfe werden merken, dass die Roboterhunde keine Zähne haben. Wenn dann noch die Batterie ausgeht, sind die Schafe ohnehin verloren.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel