„Früher hat hier die Stasi gewohnt“, schimpft Helmut S. und schaut Richtung Bernauer Straße. „Weil die Wohnungen wegen der Nähe zur Mauer nur an linientreue Genossen vergeben wurden. Und jetzt ist alles verkauft und luxussaniert und gehört der woken Elite. Da weiß man nicht, was man schlimmer finden soll.“

Es ist ein heiterer Sonntagvormittag auf dem Arkonaplatz und Helmut S. lässt einen krötigen Blick über die Menschenmassen wandern, die sich über den Flohmarkt schieben. Als Anwohner, der das Treiben am Platz seit 1992 vom Balkon seiner Wohnung in der Wolliner Straße beobachtet, wird er schon wissen, wovon er redet.

Eine Tiefkühlpizza unterm Arm

„Vor kurzem ist eine junge Frau in die Wohnung neben mir gezogen, mit einem Hund, der die ganze Nacht bellt. Ist in Ordnung, so was machen Hunde nun mal. Aber es hat keine drei Tage gedauert, da klingelte sie bei mir und fragte, ob ich aufhören kann, auf meinem Balkon zu rauchen. Weil sie es unangenehm findet, wenn der Rauch zu ihr rüberzieht. Soviel Schneid muss man auch erstmal haben. 35 Jahre lang hat sich niemand an meinen Zigaretten gestört. Und die zieht hierher und will nach drei Tagen schon alles umkrempeln.“

Kopfschüttelnd geht Helmut S. weiter, eine Tiefkühlpizza und ein Bündel Bananen aus dem nahegelegenen Supermarkt unterm Arm. Ich drehe eine Runde über den Trödelmarkt. Immerhin, das muss man schon einmal lobend erwähnen, werden hier noch Möbel und Platten und Bücher verkauft. Nicht wie im Mauerpark, wo es nur noch überteuertes Kunsthandwerk gibt und man sich vorkommt wie in einem riesigen Ampelmann-Shop.