Auf diese 13 Köpfe schaut derzeit die Republik: Die Mitglieder der Renten-Kommission, die Schwarz-Rot im Dezember eingesetzt hat, sollen schaffen, was kaum möglich scheint. Aus völlig unterschiedlichen Ansichten, wie die Rente zukunftssicher aufzustellen sein könnte, sollen sie eine Reform-Blaupause entwickeln, im besten Fall für die Koalition direkt umsetzungsreif.Die Kommission tagt streng vertraulich, eigentlich. Am Donnerstag schien diese Vertraulichkeit gebrochen, denn die „Bild“ behauptete zu wissen, worauf sich die Fachleute geeinigt hätten: Rentenalter langfristig rauf auf 70 Jahre, Rentenniveau runter auf 46 Prozent.Die Aufregung war sofort groß. Das zeigt, wie nervös alle Seiten sind, nun, da die Arbeit der Kommission in ihrer Schlussphase ist. Wer sind die Menschen, die die Rente zukunftssicher aufstellen sollen, und wie arbeiten sie? Constanze Janda © PR Sie ist eine der beiden Vorsitzenden: Die Juristin Constanze Janda, Rektorin der Universität Speyer, ist Expertin für Sozialrecht und Verwaltungswissenschaft und wurde von der SPD als Leiterin der Kommission nominiert.Als am Donnerstag die vermeintliche Einigung der Kommission durchsickerte, dementierte Janda umgehend: „Die Kommission wird ihre Arbeit erst Ende Juni abschließen, sodass zurzeit noch keine Empfehlungen fertig entschieden sind“, sagte sie dem Tagesspiegel.Das deckte sich mit weiteren Einschätzungen aus der Kommission und ihrem Umfeld: Die Mitglieder stecken noch inmitten der Arbeit, derzeit mit zahlreichen Sitzungen – teils virtuell, teils vor Ort in Berlin im Arbeitsministerium. In Arbeitsgruppen wird zu verschiedenen Themen recherchiert und verhandelt, Fachleute werden angehört, der Druck ist enorm. Die Indiskretion kommt da sehr ungelegen. Frank-Jürgen Weise © dpa/Andreas Arnold Auch er hat seit Dezember sein Möglichstes getan, damit die Mitglieder des Gremiums vertraulich tagen können: Frank-Jürgen Weise war von der CDU als weiterer Vorsitzender nominiert worden. Er führte einst die Bundesagentur für Arbeit und damit die größte Sozialbehörde Europas. Die Mitglieder der Kommission dürfen nur persönlich an den Treffen teilnehmen, wer krank oder verhindert ist, darf keine Vertretung schicken. Auch das soll dazu beitragen, dass nichts nach außen dringt. Die Kommission ist hauptsächlich mit Fachleuten besetzt, aber nicht nur. Auch die Koalitionspartner sind direkt beteiligt, was im besten Falle dafür sorgen würde, dass die Ergebnisse, sobald sie vorliegen, nicht politisch zerredet werden. Pascal Redding © REUTERS/LISI NIESNER Er wurde als einer von drei stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission berufen: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig. Er hat im vergangenen Herbst den Protest der Jungen Gruppe in seiner Fraktion gegen das schwarz-rote Rentenpaket gemeinsam mit Johannes Winkel, dem Vorsitzenden der Jungen Union, angeführt.Winkel galt als strategischer Kopf der Rebellion, Reddig als derjenige, der sich besonders tiefgehend in der Sache auskennt. Sie beide sind im Bundestag auch Mitglieder des Ausschusses für Arbeit und Soziales. Dass Reddig an prominenter Stelle in der Kommission verhandelt, ist ein Zugeständnis der Unionsführung in Richtung der jungen Abgeordneten. Es soll das Signal senden, dass deren Anliegen ernst genommen werden. Florian Dorn Auch die CSU hat einen stellvertretenden Vorsitzenden in die Kommission entsendet, nämlich Florian Dorn. Der Abgeordnete aus dem Unterallgäu ist Volkswirt, Mitglied im Finanz- sowie im Verteidigungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. © Matthias Baumgartner Vor seinem Einzug in den Bundestag hat Dorn in der Wirtschaftsforschung gearbeitet, unter anderem als persönlicher wirtschaftspolitischer Referent des ifo-Präsidenten Clemens Fuest. Annika Klose Sie bildet das Gegengewicht zu Reddig und Dorn: Annika Klose, Sprecherin der SPD-Fraktion für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, ist ebenfalls Vize-Vorsitzende der Renten-Kommission. © picture alliance/dpa/Michael Kappeler Klose kommt aus dem SPD-Landesverband Berlin. Sie gehört zum linken Flügel ihrer Partei und streitet mit Verve für Umverteilung.Außerdem gehören acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kommission an. Vier davon hat die Union berufen: Martin Werding Martin Werding ist Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum, Mitglied des Rats der Wirtschaftsweisen und ausgewiesener Fachmann für das Thema Rentenfinanzen. Einst erarbeitete er für die damals noch existierende FDP-Bundestagsfraktion eine Studie, um zu zeigen, dass eine gesetzliche Aktienrente einfach und ertragreich möglich sei.Dem Tagesspiegel sagte Werding im Dezember, als er in die Kommission berufen wurde: „Die Kommission hat eine unabhängige Leitung und versammelt viel Sachverstand für die gesetzliche Rente und andere Formen der Altersvorsorge. Das sind gute Voraussetzungen, um einvernehmlich zu guten Vorschlägen zu gelangen. Dann liegt es an der Politik, was sie daraus machen will.“ Silke Übelmesser Silke Übelmesser ist Professorin für Allgemeine Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Jena. Schon in ihrer Doktorarbeit forschte sie zur Frage, wie stabil umlagefinanzierte Rentensysteme angesichts der Alterung der Gesellschaft sind. Das Rentenpaket von Schwarz-Rot aus dem vergangenen Herbst hat sie deutlich kritisiert. Jörg Rocholl © Imago/Political-Moments Jörg Rocholl ist Präsident der internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats im Bundesfinanzministerium. Als die Kommission eingesetzt wurde, sagte er dem Tagesspiegel, eine tragfähige Ausrichtung des Rentensystems sei für die Stabilität öffentlicher Finanzen von zentraler Bedeutung. „Die Herausforderungen, die durch unsere alternde Gesellschaft entstehen, lassen sich nicht mit punktuellen Korrekturen lösen.“ Das machte deutlich: Rocholl ist für wirklich tiefgreifende Änderungen im System.Es gelte, ein langfristiges Reformkonzept zu entwickeln, das finanzielle Solidität sichert, sich an der demografischen Realität orientiert, Leistungsversprechen realistisch justiert und zusätzliche Vorsorgeelemente stärkt. Gastbeiträge von Rocholl sind auch in der Tagesspiegel-Serie „Global Challenges“ erschienen. Tabea Bucher-Koenen Tabea Bucher-Koenen ist Inhaberin des Lehrstuhls für Finanzmärkte an der Universität Mannheim und leitet außerdem den Forschungsbereich „Altersvorsorge und Nachhaltige Finanzmärkte“ am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Vier der Fachleute wurden von der SPD nominiert: Monika Queisser © IMAGO/NTB/Stian Lysberg Solum Monika Queisser leitet in Paris bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) die Abteilung Sozialpolitik. Sie verantwortet damit unter anderem „Pensions at a Glance“. Das ist ein Bericht, der alle zwei Jahre erscheint und einen umfassenden Überblick über Rentensysteme im internationalen Vergleich bietet. Sie kann daher mit sehr viel Expertise aufzeigen, wo Deutschland von anderen Ländern lernen kann, was dort funktioniert – oder auch nicht.„Viele OECD-Länder sehen sich mit ähnlichen demografischen Herausforderungen konfrontiert. Aus den diversen Rentenreformen lässt sich viel lernen und ich freue mich, diese internationalen Erfahrungen in die Renten-Kommission einzubringen“, sagte Queisser im Dezember dem Tagesspiegel. Peter Bofinger Peter Bofinger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. Er gehörte dem Rat der Wirtschaftsweisen von 2004 bis 2019 an und vertrat damals dezidiert linke Positionen. © Peter Bofinger Camille Logeay Camille Logeay ist Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie hat früher schon einmal als wissenschaftliche Referentin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales gearbeitet und forscht insbesondere zu Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Georg Cremer Georg Cremer ist Volkswirt und war von 2000 bis 2017 Generalsekretär des Caritasverbands. Er beschäftigt sich intensiv mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit und hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt eines zu „Mythen, Halbwahrheiten, Fakten“ beim Thema Sozialstaat. Cremer hat sich zur Fortführung der 48-Prozent-Haltelinie beim Rentenniveau, die die SPD durchgesetzt hat, kritisch geäußert. Er plädiert immer wieder für mehr Gerechtigkeit „ohne neue Schuldenberge“.Außerdem ist die Deutsche Rentenversicherung Bund in der Rolle einer Sachverständigen bei allen Sitzungen vertreten. Die Sozialverbände sind hingegen zu deren Ärger nicht beteiligt. Im Januar hat die Kommission ihre Arbeit aufgenommen, nun nähert sie sich dem Abschluss. 30. Juni, das ist der Tag, auf den es ankommt: Dann soll der Abschlussbericht vorliegen. Erklärtes Ziel ist es, zu einem Konsens zu kommen. Das überhaupt zu schaffen, wäre bereits ein Erfolg.Dieser Text erschien erstmals im Dezember 2025 und wurde im Mai 2026 in einer überarbeiteten Version neu publiziert.
Das sind die Mitglieder der Renten-Kommission: Diese 13 stehen jetzt unter größtem Druck
Aufgeregt ist die Debatte ohnehin, jetzt kommt Zeitdruck dazu: Nur noch gut vier Wochen hat die Renten-Kommission, um Vorschläge für eine große Reform zu erarbeiten. Wer ihre Mitglieder sind und was sie antreibt.












