Zwei kräftige junge Männer blockieren mit ihren Schultern die Tür. Gegen diese Manneskraft kommt der Schließmechanismus nicht an. Das merkt auch der Fahrer und fordert per Lautsprecher auf, derartiges gefälligst zu unterlassen. Er könne sonst nicht abfahren. Soll er auch nicht. Die alte Dame, die da angehumpelt kommt, soll noch mitfahren. „Danke, vielen Dank“, haucht sie, als sich die Tür hinter ihr schließt. Auch die anderen Fahrgäste nicken den beiden Männern zu.
Keine zehn Sekunden hat der Vorgang gedauert. Rechtlich eine Grauzone, aber Alltag in Dresden. Die Zivilgesellschaft wehrt sich gegen die einsamen Damen und Herren in ihren abgeschirmten Fahrerkabinen. Und es ist ja nicht so, dass diese nicht wissen, was hinter ihrem Rücken vorgeht. Die gelben Fahrzeuge sind mit Kameras gespickt und die Bilder laufen auf Monitoren ein. Auch gibt es Innen- und Außenspiegel. Wenn Fahrgäste draußen stehen gelassen werden, könnten diese es also durchaus persönlich nehmen. Ich sage: Es ist kein Versehen, sondern Absicht.
Wer sich nicht nur Gedanken über den Alltag im Dresdner Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) macht, sondern vielleicht sogar Notizen, dem dürfte schnell eines auffallen: Man registriert zunehmend das Positive. Wenn sich Fahrgäste bedanken, weil die Fahrer (d/w/m) tatsächlich die bereits geschlossene Tür noch einmal öffnen, um jemanden mitzunehmen. Und es gibt tatsächlich Fahrer, die während einer zwanzigminütigen Fahrt ein Dutzend Mal das Wort „Danke“ einsammeln.






