Der ehemalige SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz, am 6. Mai 2025 abgelöst vom Christdemokraten Friedrich Merz, ist zuletzt viel herumgekommen. Anfang Mai verbrachte er einige Tage in den USA, bekam unter anderem in New York die Leo-Baeck-Medaille verliehen und zeichnete seinerseits im Namen des Bundespräsidenten den früheren US-Außenminister Antony Blinken mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik aus.Bald wartet eine neue Aufgabe auf Scholz, der anders als etwa seine grünen Ampel-Kabinettsmitglieder Annalena Baerbock und Robert Habeck nach dem Einzug in den Bundestag diesem nicht relativ schnell wieder den Rücken gekehrt hat. Wie dem Tagesspiegel übereinstimmend von mehreren Seiten bestätigt wurde, soll der 67-Jährige demnächst die Leitung der sogenannten Nord-Süd-Kommission übernehmen. Die Kommission ist ein Projekt aus dem Koalitionsvertrag Sie ist ein Regierungsprojekt von Union und SPD. „Wir werden die bilateralen Beziehungen zu den Ländern des Globalen Südens intensivieren und zu einem globalen Netzwerk ausbauen“, heißt es auf Seite 127 des Koalitionsvertrages aus dem vergangenen Frühjahr: „Um dieses Verhältnis zu thematisieren, werden wir eine neue Nord-Süd-Kommission gründen.“ Das steht nun an.20Mitglieder soll die neue Nord-Süd-Kommission in etwa habenWie der Tagesspiegel aus Regierungskreisen weiter erfuhr, gibt es noch keine abschließende Entscheidung, weil noch Details zum Auftrag oder dem Stellvertreterposten zu klären sind. Eine Idee ist, diesen international zu besetzen, beispielsweise mit der Chefin der Welthandelsorganisation WTO, Ngozi Okonjo-Iweala aus Nigeria. Klar jedoch ist, dass die Leitung beim früheren Kanzler liegen soll. Offiziell präsentiert werden sollen er und sein Team auf einer Nachhaltigkeitskonferenz Ende Juni in seiner Heimatstadt Hamburg. Scholz hat schon als Kanzler den Globalen Süden im Blick gehabt Aus einer Ausschreibung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für die „Leitung des Sekretariats der Nord-Süd-Kommission“ vom Jahresbeginn ist bekannt, dass sie aus insgesamt etwa 20 Mitgliedern bestehen soll – aus Vertreterinnen und Vertretern des globalen Südens, aber auch des „Nordens und hier insbesondere aus deutschen und europäischen Mitgliedern“. Den Posten bekommen hat Henrik Maihack, der zuvor in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung das Afrika-Referat leitete. Das Vorbild für die Kommission ist eng mit einem anderen sozialdemokratischen Bundeskanzler verbunden. Eine 1977 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene „Unabhängige Kommission für Internationale Entwicklungsfragen“ tagte unter der Leitung von Willy Brandt. Ihre Empfehlungen, die auf nicht weniger als eine neue Weltwirtschaftsordnung hinausliefen, wurden am 12. Februar 1980 in New York vorgelegt. Ein zweiter „Brandt-Bericht“ folgte zwei Jahre später.Ausgelöst unter anderem von der Erfahrung, dass viele Länder des Globalen Südens nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine dennoch mit Moskau verbunden blieben, versuchte Scholz bereits in seiner Amtszeit als Bundeskanzler, die Beziehungen zu verbessern. Auf mehreren Reisen, unter anderem nach Afrika, warb er für ein Verhältnis auf Augenhöhe, eine deutlich verstärkte wirtschaftliche Kooperation und mehr Verständnis für europäische Positionen. Weder das BMZ noch Scholz selbst wollten die Personalie auf eine Anfrage hin kommentieren.
Neuer Job für den früheren Kanzler: Olaf Scholz soll neue Nord-Süd-Kommission leiten
Wie lassen sich die Beziehungen zum Globalen Süden verbessern? Nach dem Vorbild der Kommission von Willy Brandt soll nun ein weiterer Ex-Kanzler ein Beratungsgremium der Regierung leiten.












