Der amerikanische Verteidigungsminister wollte 4000 Soldaten aus Polen abziehen. Doch Trump verspricht Warschau nun 5000 zusätzliche Soldaten. Er begründete dies mit seiner guten Beziehung zum polnischen Staatschef.22.05.2026, 20.49 Uhr4 LeseminutenEine Soldatin des 2. Kavallerieregiments bereitet sich auf ein Nato-Manöver in Polen vor.Sean Gallup / GettyDer US-Präsident Donald Trump will die amerikanische Truppenpräsenz in Europa seit längerem reduzieren. Wiederholt dachte er auch offen über einen Austritt aus der Nato nach. Nun allerdings scheint dieser Prozess weniger aufgrund einer sorgfältigen Planung, sondern anhand kurzfristig getroffener Entscheidungen stattzufinden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth vergangene Woche eine anstehende Rotation von 4000 Soldaten in Polen absagte, überraschte er nicht nur einen der treusten Nato-Partner. Auch viele republikanische Abgeordnete im Kongress waren konsterniert. Am Donnerstag vollzog Trump eine Kehrtwende. «Die USA werden 5000 zusätzliche Truppen nach Polen schicken», verkündete der amerikanische Präsident auf Truth Social. Der Grund dafür sei seine gute Beziehung zum polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, dessen erfolgreiche Wahl er unterstützt habe.Rubio betont EnttäuschungWelche Einheiten nun genau nach Polen verlegt werden sollen, erklärte Trump nicht. Eine Möglichkeit wäre die Verlegung des 2. Kavallerieregiments aus Deutschland. Offenbar als Strafmassnahme hatte das Pentagon zu Beginn dieses Monats den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt. Zudem wurde die geplante Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern abgesagt.Kurz zuvor hatte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz den amerikanischen Krieg gegen Iran kritisiert. Washington sei «ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen». Die USA würden von Iran «gedemütigt», meinte Merz. Trump erklärte danach: «Die Vereinigten Staaten erwägen eine mögliche Reduktion ihrer Truppen in Deutschland.»Beim Treffen der Nato-Aussenminister in Schweden betonte Marco Rubio am Freitag nochmals den Unmut des Weissen Hauses über Europa. «Die Enttäuschung des Präsidenten über unsere Verbündeten und ihre Reaktion auf unsere Operationen im Nahen Osten müssen angesprochen werden», erklärte der amerikanische Aussenminister.Soldaten hissen die amerikanische Flagge im Hauptquartier der amerikanischen Armee in der polnischen Stadt Posen.Marcus Fichtl / Polish Ministry of DefenseVor dem Abflug nach Schweden kritisierte Rubio insbesondere Spanien, das den Amerikanern nicht erlaubt, ihre Stützpunkte für den Krieg gegen Iran zu benutzen. «Ich weiss, warum die Nato gut für Europa ist, aber warum ist die Nato gut für uns?», fragte Rubio rhetorisch. «Warum ist die Nato gut für Amerika? Weil sie uns erlaubt, Stützpunkte in der Region zu haben, um in einer Krisensituation unsere Macht im Nahen Osten oder anderswo zu projizieren.» Wenn es nun Länder wie Spanien gebe, die eine Benutzung der Basen verböten, stelle sich die Frage, warum die USA noch in der Nato seien.Ein grundsätzliches MissverständnisDie Aussage deutet auf ein grundsätzliches Missverständnis zwischen den Europäern und der derzeitigen amerikanischen Regierung hin. Die Nato wurde als kollektives Verteidigungsbündnis gegründet. Die Beistandspflicht aller Mitglieder greift nur dann, wenn ein Nato-Land angegriffen wird. Es gibt keinen Anspruch auf Unterstützung in einem Angriffskrieg. Genau dies scheinen Rubio und Präsident Trump nun aber von den europäischen Nato-Partnern zu verlangen.Trump hat auch Spanien und Italien mit Truppenreduktionen gedroht. «Italien bot keinerlei Hilfe, und Spanien war absolut schrecklich», sagte der amerikanische Präsident kürzlich. Momentan haben die USA in Italien rund 13 000 Soldaten und in Spanien knapp 4000 stationiert. Rubio erklärte nun allerdings am Freitag bei dem Nato-Treffen, dass es sich bei den angekündigten und geplanten Truppenverschiebungen nicht um eine «Bestrafung» handle. Die USA müssten aufgrund ihrer globalen Verpflichtungen ihre Truppenstärke in den einzelnen Regionen konstant überprüfen.Der angekündigte Abzug aus Deutschland und die Spekulation um Spanien und Italien erzeugen allerdings den Eindruck einer Bestrafung. Gleichzeitig wirkt Trumps Kehrtwende in Polen wie eine politische Belohnung für Präsident Nawrocki. Allerdings sind der amerikanischen Regierung bei den Truppenverschiebungen in Europa aber auch Grenzen gesetzt. Der Kongress hat im Dezember festgelegt, dass die USA in Europa mindestens 76 000 Soldaten stationiert haben müssen. Momentan liegt diese Zahl bei 80 000 Truppen. Ein weitergehender Abzug muss in Konsultation mit den Nato-Partnern und nachweislich im Interesse der USA erfolgen.Mit Truppenreduktionen in Spanien etwa könnte sich die amerikanische Supermacht derweil auch selbst schaden. Der Marinestützpunkt Rota liegt unweit der Strasse von Gibraltar an der Zufahrt zum Mittelmeer. Für die USA ist dies ein geostrategisch ungemein wichtiger Standort.Der Nato-Generalsekretär Mark Rutte versuchte beim Treffen in Schweden die schlimmsten Befürchtungen auszuräumen. Trotz den kurzfristigen und manchmal widersprüchlichen Entscheidungen in Washington handle es sich um einen «schrittweisen» und «strukturierten» Prozess, sagte Rutte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. «Das ist genau, was wir wollten. Ein Europa, das mehr tut. Ein stärkeres Europa in einer stärkeren Nato, damit die USA sich beispielsweise mit der Zeit vermehrt Asien zuwenden können.»Ruttes Botschaft scheint einfach zu sein: Übernimmt Europa selbst mehr Verantwortung für seine Sicherheit, braucht es sich auch weniger um Washingtons Truppenverschiebungen zu sorgen.Passend zum Artikel
Verwirrung um US-Präsenz: Trump schickt nun doch neue Truppen nach Polen
Der amerikanische Verteidigungsminister wollte 4000 Soldaten aus Polen abziehen. Doch Trump verspricht Warschau nun 5000 zusätzliche Soldaten. Er begründete dies mit seiner guten Beziehung zum polnischen Staatschef.










