In fünf Stunden von Berlin nach Wien mit der Bahn, und das auf direktem Weg über Prag? Das klingt sehr nach Zukunftsmusik, denn die gewöhnliche Fahrt über die nominell kürzeste Strecke dauert heute zweimal mindestens vier Stunden plus Umstieg in Prag. Doch nachdem der Bundestag am Donnerstagabend in Berlin einen Grundsatzbeschluss zum Bau der neuen Schnellbahnstrecke Dresden–Prag getroffen hat, können die Beteiligten nun mit der konkreten Vorbereitung für die Umsetzung des Milliardenprojekts beginnen.Die Regierung in Prag hatte ihren Baubeschluss bereits im vergangenen Jahr getroffen, auch mit Österreich hat sie eine Abmachung über den beschleunigten Ausbau der Schnellbahnverbindung Wien–Prag getroffen. Diese soll die Fahrzeit spiegelbildlich zu der aus Berlin von gut vier auf 2,5 Stunden reduzieren. Der Bau des Hochgeschwindigkeitskorridors von Wien über Prag nach Berlin wird von der EU als Teil des europäischen Schnellbahnnetzes finanziell unterstützt.Allein für den 150 Kilometer langen Abschnitt Dresden–Prag sind Baukosten von 5,6 Milliarden Euro kalkuliert. Das liegt vor allem daran, dass die Strecke in weiten Teilen durch Tunnel geführt wird. Als Herzstück gelten zwei 30 Kilometer lange eingleisige Tunnelröhren durch das Erzgebirge, die das sächsische Heidenau mit dem tschechischen Chabařovice (Karbitz) nahe Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) verbinden. Davon liegen 18 Kilometer Strecke auf deutscher Seite.Einer der längsten Eisenbahntunnel in EuropaEs wäre einer der längsten Eisenbahntunnel in Europa. Er soll mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde befahren werden können. Weitere Tunnel auf tschechischer Seite folgen.Allerdings wird die Umsetzung des Großprojekts noch dauern. In sechs Jahren, Ende 2032, sollen die Bauarbeiten beginnen, zwölf Jahre später, das wäre 2044, soll die neue Trasse dann in Betrieb gehen. Statt heute zweieinhalb Stunden würde die Fahrt von Dresden nach Prag dann nur noch eine Stunde dauern. Sie würde die zwar malerische, aber schon heute chronisch überlastete und veraltete Strecke entlang der Elbe ablösen.Für die Tschechische Republik geht es dabei auch um eine bessere Anbindung an die deutschen Nord- und Ostseehäfen, die für ihren Außenhandel bedeutsam sind. Nicht zuletzt erhofft sich das strukturschwache Nordböhmen durch die bessere Verkehrsanbindung einen wirtschaftlichen Schub.Der Grundsatzbeschluss des Bundestages ist allerdings nur ein erster Schritt. Er ist kein Baubeschluss und stellt auch noch keine Finanzierungszusage dar. Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar appellierte deshalb an die Bundestagsabgeordneten: „Sorgen Sie dafür, dass die nächsten Schritte unmittelbar folgen – Haushaltseinstellung, Staatsvertrag, Start der neuen Planungsphase.“ Sie warb um Verlässlichkeit und Tempo. Beides sei nötig, „gegenüber unseren tschechischen Partnern, gegenüber der Europäischen Union und gegenüber den Menschen im Elbtal, die seit vielen Jahren warten“.
Bundestag für Schnellbahn von Dresden nach Prag
Seit Langem wird über die Schnellbahn von Dresden nach Prag geredet. Jetzt hat der Bundestag grünes Licht gegeben. Aber es sind noch viele Hürden zu nehmen.











