Ohne im Wasser gelösten Sauerstoff ist Leben in Gewässern kaum möglich. Der aber wird weniger: Zwischen 1985 und 2003 ist die Sauerstoffkonzentration in Flüssen weltweit gesunken. Das haben chinesische Forscher anhand von Satellitendaten herausgefunden. Die Wissenschaftler haben Messdaten von über 21.000 Flüssen ausgewertet, drei Viertel davon auf der Nordhalbkugel.Auf 80 Prozent der Flächen haben sie einen abnehmenden Trend beim Sauerstoff festgestellt. Eine Ursache sehen die Wissenschaftler in der Klimaerwärmung, denn je höher die Wassertemperatur ist, desto weniger Sauerstoff kann sich im Wasser lösen. So tragen Hitzewellen – auch kurze – maßgeblich dazu bei, dass weniger Sauerstoff in den Flüssen bleibt und sich sein Rückgang beschleunigt. Ein weiterer Faktor sei die Verschmutzung der Flüsse unter anderem durch Überdüngung mit Stickstoffverbindungen und Phosphat, wie Kun Shi und Kollegen in „Science Advances“ berichten.Faulende BiomasseWasserpflanzen und Phytoplankton produzieren in Flüssen Sauerstoff durch Photosynthese. Zudem nimmt das Wasser auch über die Luft Sauerstoff auf. Die Windgeschwindigkeit ist dafür einer der bestimmenden Faktoren. Auf der anderen Seite gibt es Wasserorganismen, die den Sauerstoff wegatmen. Wird die Balance gestört, indem die Organismen mehr Sauerstoff verbrauchen, als Photosynthese und andere Prozesse nachliefern, droht Sauerstoffmangel. Der setzt ein, wenn der Gehalt des Gases im Wasser unter zwei Milligramm pro Liter sinkt.Besonders viel Sauerstoff verbrauchen Mikroorganismen, die im Wasser Biomasse zersetzen. So können große Mengen abgestorbenen Phytoplanktons zu sogenannten Todeszonen in Gewässern führen. Dort sinkt der Sauerstoffgehalt unter 0,5 Milligramm pro Liter. In der Folge verenden Fische, Ökosysteme brechen zusammen, die Wasserqualität verschlechtert sich massiv.Trendumkehr im HimalajaDer größte Rückgang in der Sauerstoffkonzentration ist in den Fließgewässern Indiens zu beobachten. Setzt sich dieser so fort, droht allen Flüssen des Landes bis zum Ende des Jahrhunderts Sauerstoffmangel. Der Ganges, der stark verschmutzt ist, hat bereits zu wenig Sauerstoff. Auch im Osten der USA nimmt der Sauerstoffgehalt in den Flüssen stärker ab als etwa in Mitteleuropa. Hier sinken die Sauerstoffgehalte alle zehn Jahre um durchschnittlich fast 0,04 Milligramm pro Liter.Bei etwas mehr als zwei Prozent der untersuchten Flussflächen ist die Konzentration des gelösten Sauerstoffs im Wasser gestiegen, unter anderem im Hochland des Himalajas, im Westen Nordamerikas und im Osten Sibiriens. Die Wissenschaftler vermuten, dass höhere Windgeschwindigkeiten sowie eine stärkere Photosyntheseaktivität der Wasserpflanzen durch die höheren Temperaturen dies bewirken. Dort, wo die Flüsse sauberer wurden, etwa durch geringere Nährstoffeinträge, verbrauchen sie weniger Sauerstoff, und der Rückgang der Konzentrationen wird gebremst. Ein Beispiel sind die zehn größten Flüsse Chinas.