Ein Elch ist am Donnerstag in Rosenöd bei Dorfen aus nächster Nähe gesichtet worden. Gemächlich lief er auf einem Waldweg quer vor einem Auto über die Straße. Beobachtet, fotografiert und gefilmt hat ihn Maximilian Brandl, der im Wald joggen war, während seine Mutter und sein Hund beim Auto auf ihn warteten: „Ich habe das Tier gesehen, bin dann einen halben Kilometer zurück zum Auto, um das Handy zu holen und mit dem Auto zurückgefahren. Der Elch kam dann auf das Auto zu und ist kurz davor über die Straße gelaufen.“Vermutlich handelt es sich um den bekannten Elch „Emil“, der in den vergangenen Tagen zunächst bei Dingolfing und Deggendorf beobachtet wurde. Am Dienstag war er bei Dietelskirchen im Landkreis Landshut von einer Wildkamera aufgenommen worden. Brandl sagte der SZ, er habe an dem Tier eine gelbe Ohrmarke gesehen, was für die Vermutung spricht, dass es sich bei ihm um „Emil“ handelt.Brandl informierte den Dorfener Jäger Max Streibl, der erst vor Kurzem berichtet hatte, dass es am Ortsrand von Dorfen zu einem Wolfsriss gekommen war. Die Spuren am Rehkadaver ließen darauf schließen. Und nun also auch ein Elch in der Umgebung von Dorfen, ganz in der Nähe von Algasing? „Ich vermute, dass wir an einem uralten Wildwechsel liegen, der vom Bayerischen Wald über das Vilstal und weiter in die Berge führt“, sagt Streibl.Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Erding und Wildbiologe, hält das ebenfalls für möglich. „Solche Fernwechsel sind uralt. Viele kennen wir nicht mehr, aber wenn sie bei den Tieren etabliert sind, werden sie immer noch genutzt. Wir hatten vor vielen Jahren ein Rotwild, das fast bis an die Nordsee gelaufen ist. Wenn Tiere es über die Straßen und Gleise schaffen, wandern sie auch diese weiten Wege.“Für Schreder ist die Sichtung dennoch außergewöhnlich, denn so weit westlich des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes sei noch kein Elch gesichtet worden. Nachdem er das Video gesehen hatte, zweifelte Schreder erst, ob es sich um Elch „Emil“ handelt, denn Elchbullen tragen eigentlich um diese Jahreszeit bereits ein Geweih – wenn auch noch mit Bast. Wenn Brandl allerdings eine Ohrmarke gesehen habe, dann könne es sich wohl nur um „Emil“ handeln.„Emil“ ist ein Elchbulle, der im Jahr 2025 vermutlich von Polen nach Tschechien aufgebrochen und auf der Suche nach einem Revier durch fünf Länder wanderte. In Tschechien und Österreich begleitete ihn wiederholt die Polizei, wenn er sich entlang von viel befahrenen Straßen aufhielt. Als er sich 2025 einer Autobahn näherte, wurde er mit einem Betäubungsgewehr gestoppt, mit einer Ohrmarke versehen und anschließend am Rand des Böhmerwalds wieder freigelassen.„Elche sind gewaltige Tiere“, schwärmt Schreder, „400 bis 500 Kilo schwer und mit einem Stockmaß von zwei Metern, die größte Hirschart, die es gibt.“ Kürzlich erst der Wolfsriss bei Dorfen, nun auch noch der Elch – „wenn jetzt auch noch ein Bär auftaucht, machen wir hier einen Nationalpark auf“, scherzt er.
Elch bei Dorfen gesichtet
Ein Elch wurde nahe Dorfen auf einem Waldweg beobachtet und gefilmt. Es handelt sich vermutlich um Elch Emil, der durch mehrere Länder wanderte. Experten vermuten alte Wildwechsel in der Region.







