Nach der mutmaßlichen Aussetzung von zwei französischen Kleinkindern in Portugal sollen die Mutter und der Stiefvater einem Haftrichter vorgeführt werden. Die am Donnerstag festgenommenen Franzosen sollten am Nachmittag einem Haftrichter in der Stadt Setúbal vorgeführt werden, sagte der Sprecher der Nationalgarde der Republik (GNR), Oberstleutnant Carlos Canatário, im staatlichen TV-Sender RTP. Fotos zeigten die beiden bei der Ankunft im Gericht.

Angesichts der schweren Vorwürfe wie häusliche Gewalt sowie Aussetzung und Vernachlässigung der Kleinkinder wird mit der Anordnung von Untersuchungshaft gerechnet. Die beiden hätten sich bisher nicht kooperationsbereit gezeigt, sagte Canatário, ohne Details zu nennen.Zudem gebe es zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich wegen Kindesentzug und Vernachlässigung eines 16-jährigen weiteren Sohns der Mutter. Die beiden müssten deshalb unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wegen der Aussetzung der Kinder in Portugal auch vor dem Berufungsgericht in der Hauptstadt Lissabon erscheinen, das für solche ausländischen Anträge zuständig ist. Auch dort dürfte Haft angeordnet werden.

Bislang hatte die Mutter das Sorgerecht und der Vater ein Besuchsrecht für die Jungen, wie die französische Zeitung »Dernières Nouvelles d'Alsace« unter Berufung auf den Staatsanwalt von Colmar im Elsass, Jean Richert, berichtet. Der leibliche Vater habe die Mutter und die Kinder bei der Polizei in Colmar als vermisst gemeldet, dort hatte man sich auch schon Sorgen gemacht, weil die Kinder nicht mehr zum Kindergarten gekommen waren. In Frankreich sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung Minderjähriger eingeleitet worden, berichtet »Le Parisien«.