Die Landesregierung treibt den Ausbau der Drohnenforschung in Hessen voran: Am Kassel Airport soll noch in diesem Jahr ein Drohnenkompetenzzentrum entstehen. Es werde getragen von der Technischen Universität Darmstadt und finanziell vom Digitalministerium sowie aus EU-Mitteln unterstützt, wie es am Freitag hieß. Ziel des Vorhabens sei, Forschung, Erprobung, Qualifizierung und Anwendung unbemannter Luftfahrtsysteme an einem Ort zu bündeln und so den Transfer aus dem Labor in die Praxis zu beschleunigen. Dafür steht nach Angaben des Landes ein hoher einstelliger Millionenbetrag zur Verfügung.Den nordhessischen Flughafen, der seit Langem und zuletzt wieder wegen seiner wirtschaftlichen Probleme in der Diskussion stand, bezeichnen die Beteiligten als besonders geeignet. Der Regionalflughafen verfüge über Flugbetriebsflächen, Sicherheitsinfrastruktur und Freiräume für Flugerprobungen. Die Bundespolizei nutzt das Gelände schon für Trainings im Umgang mit Drohnen. Die kommerzielle Luftfahrt soll aber weiterhin Bestandteil des Betriebskonzepts des Kassel Airport bleiben. Größter Anteilseigner des Flughafens ist das Land Hessen mit 68 Prozent. Weitere Gesellschafter sind die Stadt und der Kreis Kassel mit je 14,5 Prozent. Die Gemeinde Calden hält drei Prozent.Investitionen in einen unprofitablen StandortFür das Drohnenzentrum bräuchte der Airport den mehr und mehr diskutierten Status eines Verkehrsflughafens, der mit hohen Kosten verbunden ist, allerdings nicht. Die Grünen im Landtag hatten schon eine Prüfung angeregt, den Flughafen auf einen Verkehrslandeplatz zurückzustufen, um Geld zu sparen. Der Flughafen hat im vergangenen Dezember nicht einen Fluggast gesehen und macht laut einem Gutachten vom Februar über 20 Millionen Euro Verlust jährlich. Der Umsatz liege bei 2,5 Millionen Euro.Die Landesregierung weist für den 2013 eröffneten und seitdem defizitär arbeitenden Flughafen für die Jahre 2024 und 2025 jeweils rund fünf Millionen Euro Verlust aus. In dieser Bilanz fehlen laut dem Gutachten jedoch rund drei Millionen Euro für die Bereitstellung der Flughafenfeuerwehr sowie Flug- und Luftsicherheitskosten, die der Status als Verkehrsflughafen erzwingt. Hinzu kämen noch zwölf Millionen Euro abgeschriebene Investitionsmittel. Die Ansiedlung des Drohnenkompetenzzentrums und die damit verbundene finanzielle Förderung kommen dem Standort also sehr entgegen.Die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) spricht von einem „Erfolgsmodell“ ressortübergreifender Zusammenarbeit. Das Zentrum stärke Hessens Innovationskraft und technologische Souveränität. Zugleich schaffe es neue Entwicklungsperspektiven für den Standort Calden. Auch der Staatssekretär im Finanzministerium, Till Kaesbach, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens ist, wertet das Projekt als Signal für Nordhessen: Die strategische Weiterentwicklung des Airports sichere eine „dauerhaft verfügbare Infrastruktur für moderne Drohnen- und Sicherheitstechnologien“.Die TU Darmstadt will dabei eine Rolle als Impulsgeberin spielen. Ihre Präsidentin Tanja Brühl kündigte an, die Kompetenz der Universität in Forschung und Transfer gezielt einzubringen. In Calden entstehe eine Testumgebung, in der Innovationen unter realen Bedingungen erprobt und weiterentwickelt werden könnten. Der Anspruch sei, die Resilienz des Landes zu erhöhen und wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen.Das Zentrum adressiere ein Feld, das politisch wie industriell als strategische „Schlüsseltechnologie“ gelte, heben alle Beteiligten in ihrer gemeinsamen Mitteilung vom Freitag hervor: Drohnen und unbemannte Systeme fänden Anwendung vom industriellen Inspektionsflug über Lieferwege und medizinische Transporte bis hin zum Bevölkerungsschutz oder der Landesverteidigung.