Es gibt Wochenenden, an denen Berlin sich selbst feiert wie keine andere Stadt in diesem Land. Dieses Wochenende wird so eines. Der Karneval der Kulturen zieht durch Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte, im Olympiastadion treffen sich Stuttgart und Bayern zum DFB-Pokal-Finale. Obendrein meint es der Mai endlich gut: Sonne, milde Temperaturen, ein Wetter wie aus dem Katalog. Wer Berlin liebt, der hat also Grund zu jubeln. Nach bald 30 Jahren in dieser Stadt fällt mir das allerdings schwer.
Eine Stadt im andauernden Ausnahmezustand
Da ist zunächst etwas, das mich grundsätzlich nervt: die permanente Aufmöbelung dieser Stadt. Berlin scheint kein Wochenende mehr ohne Großereignis auszuhalten. Mal ist es der Marathon, der halbe Bezirke lahmlegt, mal ein Rave, der sich als politische Demonstration tarnt, mal ein Stadtfest, ein Festival, eine Sternfahrt, ein Triathlon. Kaum ist das eine vorbei, kündigt sich das nächste an. Die Stadt scheint sich nur noch im Ausnahmezustand wohlzufühlen, als hätte sie Angst vor der Stille. Wer hier lebt, lernt, seine Wege nach Sperrungen zu planen, Sirenen zu überhören, Hubschraubergeknatter als Wochenend-Soundtrack zu akzeptieren. Berlin feiert sich permanent. Wofür eigentlich noch mal?









