KommentarDer Mars-Enthusiast Elon Musk findet plötzlich Gefallen am Mond. Etwas Besseres kann den USA nicht passierenJahrelang wetterte der Weltraumpionier gegen die amerikanischen Pläne, zum Mond zurückzukehren. Jetzt ändert er seine Meinung.10.02.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenIn weniger als zehn Jahren möchte Elon Musk eine Siedlung auf dem Mond bauen.SpaceX«Nein, wir fliegen direkt zum Mars. Der Mond ist nur eine Ablenkung.» Man hat noch die markigen Worte im Ohr, mit denen Elon Musk vor einem Jahr klarmachte, was er von den amerikanischen Plänen hält, zum Mond zurückzukehren. Dem Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX war das nicht ambitioniert genug. Nur der Mars schien ihm geeignet, seinen Lebenstraum zu verwirklichen: das Bewusstsein und das Leben, wie wir es kennen, auf die Sterne auszudehnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jetzt hat der 54-jährige Weltraumpionier eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. In einem Post auf X verkündete Musk zu Wochenbeginn: «Für diejenigen, die es nicht wissen: SpaceX hat seinen Fokus bereits auf den Bau einer sich selbst entwickelnden Stadt auf dem Mond verlagert.» Das sei in weniger als zehn Jahren zu erreichen, während es auf dem Mars mehr als 20 Jahre dauern würde.Das Starship ist das Sorgenkind von SpaceXMan kann diese Kehrtwende als späte Einsicht eines Mannes deuten, der sich gerne von seinen Visionen mitreissen lässt. Für Musk waren die letzten Monate ernüchternd. Sein Unternehmen SpaceX schiesst zwar wöchentlich mehrere Raketen in den erdnahen Weltraum. Doch das Prestigeprojekt von Musk, das Starship, entwickelt sich nicht wie gewünscht.Die Schwerlastrakete mit integriertem Raumschiff hat inzwischen elf Testflüge absolviert. Aber vor einem bemannten Flug zum Mars warten noch entscheidende Hürden. Dazu gehört das Betanken des Raumschiffs im Weltraum. Zudem muss SpaceX demonstrieren, dass das Starship nach seiner Rückkehr aus dem Weltraum wieder aufgefangen werden kann.Wegen der Konstellation der Planeten sind Flüge zum Mars nur alle 26 Monate möglich. Das nächste Zeitfenster öffnet sich Ende des Jahres. Selbst ein Visionär wie Musk muss anerkennen, dass bis dahin weder ein bemannter noch ein unbemannter Flug machbar ist. Und auch zwei Jahre später dürfte das Starship noch nicht für einen Flug zum Mars bereit sein.Diese Einsicht hätte Musk auch schon vor einem Jahr haben können. Trotzdem setzte er seinem damaligen Kumpel Donald Trump den Floh ins Ohr, ein Flug zum Mars sei möglich. Damit trug er dazu bei, dass die amerikanische Raumfahrtpolitik nach dem Amtsantritt von Trump einen orientierungslosen Eindruck machte. Niemand wusste so recht, ob das Ziel nun Mond oder Mars heisst.Jeff Bezos sitzt Elon Musk im NackenDass Musk nun den Realitäten ins Auge schaut, könnte auch mit seinem Intimfeind Jeff Bezos zu tun haben. Das von Bezos gegründete Unternehmen Blue Origin hat im vergangenen Jahr die Entwicklung seiner wiederverwendbaren Schwerlastrakete abgeschlossen. Die «New Glenn» absolvierte 2025 zwei Testflüge. Bereits beim zweiten Testflug gelang es, die Unterstufe der Rakete aufzufangen.Schneller als gedacht ist SpaceX damit ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen. Und dieser Konkurrent bekennt sich ohne Wenn und Aber zum Mond. Laut Informationen des Technologie- und Wissenschaftsmagazins «Ars Technica» forciert Blue Origin momentan den Bau einer Mondlandefähre. Die soll konzeptionell einfacher sein als die auf dem Starship basierende Mondlandefähre, die SpaceX im Auftrag der Nasa entwickelt. Musk muss also damit rechnen, dass die Rückkehr zum Mond ohne ihn stattfindet. Das wäre ein Gesichtsverlust, der für den sendungsbewussten Unternehmer schwer hinzunehmen ist.Was auch immer die Beweggründe von Musk sind: Politisch ist sein Gesinnungswandel zu begrüssen. Die USA befinden sich in einem Wettlauf zum Mond mit China. Die ständigen Diskussionen darüber, ob der Mond oder der Mars das bessere Ziel ist, kann sich das Land nicht länger leisten. Sonst verlieren die USA den Wettlauf zum Mond, bevor sie dem Mars auch nur einen Schritt näher gekommen sind. Dass nun auch Musk Gefallen daran findet, eine Siedlung auf dem Mond zu bauen, ist ein positives Zeichen. Etwas Besseres hätte den USA kaum passieren können.13 KommentareBerthold Grabe 12.02.20261 EmpfehlungMusk war wirklich hilfreich beim Abbau der Bürokratie, leider musste er vor den "republikanischen" Behörden aufgeben. So ist halt Parteipolitik.