Im Sommer 2021 geht der erste Hinweis aus den USA ein: In einer Chatgruppe verbreite ein Nutzer namens »White Tiger« jugendpornografische Schriften. Rund ein Jahr später berichten FBI-Beamte bei einer Europol-Konferenz vom Fall »White Tiger«.Hinter dem Alias soll ein junger Hamburger namens Shahriar J. stecken. Im Herbst 2023 wird seine Wohnung durchsucht. Die Ermittler finden verschiedene Messer, Säbel, Schusswaffen und Kadaver von toten Tieren. Außerdem beschlagnahmen sie Datenträger. Bei der Auswertung finden sie darauf rund 13.000 Aufnahmen von Kindesmissbrauch.Shahriar J. zähle zu der Art von Onlinenutzern, die Unmengen an Material auf ihrem Gerät einfach speichern, sagt seine Anwältin Christiane C. Yüksel. Das bedeute nicht, dass er sich alles angeschaut habe.Nach der Hausdurchsuchung vergehen knapp zwei Jahre. Shahriar J. beginnt ein Medizinstudium. In dieser Zeit kommen auch wir »White Tiger« näher. 2024 klingeln SPIEGEL-Reporter an seinem Haus, sprechen mit Shahriar J.s Eltern.

Erst im Juni 2025 wird Shahriar J. verhaftet.Yüksel sagt, dass sie grundsätzlich davon ausgehe, dass die Vorwürfe Mord und versuchter Mord gegen ihren Mandanten nicht bewiesen werden könnten. Sie würden »tatbestandlich schon gar nicht vorliegen«. Es gebe im Netz Foren, in denen sich Kinder und Jugendliche gemeinsam selbst verletzen. »Diese Orte existieren vollkommen unabhängig von meinem Mandanten.«In der fünften Podcastfolge rekonstruieren wir die langwierigen Ermittlungen und decken die Versäumnisse der Behörden dabei auf.Hören Sie hier die Folge: