In normalen Zeiten hätte es die Nachricht vielleicht sogar auf vordere Plätze in den Medien geschafft. Jetzt kann man froh sein, wenn sie überhaupt auftaucht: Bereits Ende vergangenen Monats hat US-Präsident Donald Trump mit einem Schlag alle 22 Mitglieder des National Science Boards (NSB) entlassen. Per E-Mail und ohne jegliche Begründung. Der NSB ist ein Beirat, der die Ausrichtung und Entscheidungen der National Science Foundation (NSF) überwacht.Die NSF ist vergleichbar mit Einrichtungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Deutschland. Die 1950 gegründete, eigentlich unabhängige Behörde ist neben den National Institutes of Health (NIH) die größte und wichtigste Forschungsorganisation in den USA. Sie vergibt Fördergelder in der Grundlagenforschung fast aller Disziplinen und finanziert auch Forschungsinfrastruktur wie Observatorien oder Supercomputer.Nun formiert sich der Widerstand: Bereits mehr als 2500 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, darunter 35 Nobelpreisträger, haben in einem offenen Brief an den Kongress gegen die Maßnahme protestiert. Die Forschenden schreiben: „Wir stehen hinter dem National Science Board und fordern den Kongress als gleichberechtigte Staatsgewalt auf, die Wissenschaft rasch und entschlossen zu unterstützen, indem er die Wiedereinsetzung der entlassenen Mitglieder des National Science Board fordert.“Mittlerweile haben auch Abgeordnete der Demokraten in einem weiteren Brief die Rücknahme der Entscheidung gefordert. Bislang verteilte die NSF jedes Jahr rund neun Milliarden US-Dollar an öffentliche Forschungseinrichtungen und Hochschulen.Der Präsident wünscht sich einen Eisbrecher, dessen Entwicklung 900 Millionen US-Dollar kostetDie Beziehung zwischen dem NSB und der Trump-Administration gilt spätestens seit April 2025 als angespannt. Damals verfügte die Regierung ohne Rücksprache mit dem Board, dass die NSF die Finanzierung von Hunderten laufenden Forschungsprojekten beendet. Noch im selben Monat war deshalb der NSF-Direktor Sethuraman Panchanathan zurückgetreten; die Position ist seitdem vakant, die Organisation führungslos.Bereits im Mai vergangenen Jahres wollte das Weiße Haus das NSF-Budget für das Fiskaljahr 2026 halbieren. Das konnte das NSB mit einem massiven Lobbying im Kongress noch verhindern: Die Summe wurde nur von zuvor 9,1 auf 8,75 Milliarden US-Dollar reduziert. Allerdings hat Trump für das Jahr 2027 bereits einen neuerlichen Kürzungsversuch angekündigt: Diesmal soll der NSF-Etat um 40 Prozent gekürzt werden. Das verbleibende Geld soll laut New York Times zudem zum Teil in neue Lieblingsprojekte Trumps umgelenkt werden, etwa in die 900 Millionen US-Dollar teure Entwicklung eines Eisbrechers.Trump hat bislang nicht auf einen Bericht reagiert, den der NSB noch kurz vor seiner Entlassung veröffentlicht hat. Darin warnt das Board, dass China aktuell mehr Geld in seine inländische Forschung und Entwicklung investiert als die USA. Auch in Publikationsrankings schließt die Volksrepublik seit Jahren in immer mehr naturwissenschaftlichen Disziplinen besser als die Vereinigten Staaten ab.Es gibt bislang allerdings keine Anzeichen, dass sich Donald Trump von der Stellungnahme der 2500 Wissenschaftler beeindrucken lässt. Kritiker der Wissenschaftspolitik der aktuellen Regierung sind deshalb pessimistisch. Das US-Magazin Nautilus hat wohl deshalb ein nur auf den ersten Blick komisches Foto ausgewählt, um einen Artikel zu den neuesten Angriffen der Trump-Administration gegen die Forschung zu illustrieren: Es zeigt einen Mann, der auf einer Demo ein Plakat in den blauen Himmel hält. Die Aufschrift lautet: „Am Anfang jedes Katastrophenfilms wird ein Wissenschaftler ignoriert.“