KommentarÜberirdische Ziele, unterirdische Geschäftszahlen: Elon Musks Pläne für SpaceX sind nicht von dieser WeltInvestoren, die beim SpaceX-Börsengang mitmachen, ist die Position von stimmrechtslosen Geldgebern zugedacht. Der Börsenprospekt bietet ihnen vor allem grosse Visionen.21.05.2026, 16.54 Uhr3 LeseminutenElon Musk hat grosse Pläne für SpaceX beziehungsweise für sich selbst.Nathan Howard / ReutersDieser Börsenprospekt ist eine Science-Fiction-Erzählung: «Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien zu entwickeln, die notwendig sind, um das Leben auf mehrere Planeten auszuweiten, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins bis zu den Sternen zu tragen», steht da etwa.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Börsengang des Raumfahrt- und KI-Unternehmens soll SpaceX eine Bewertung von 2 Billionen Dollar bescheren.Musk will die Menschheit zu einer «Typ-II-Zivilisation gemäss der Kardaschow-Skala» machen. Das bedeutet, dass wir uns mit der Hilfe von SpaceX zu einer Spezies entwickeln können, die in der Lage ist, die gesamte Energie ihres Sterns zu nutzen. Musk plant, die Sonne für die «Energieversorgung einer wahrheitssuchenden künstlichen Intelligenz» zu nutzen. Mit dem Ziel, «eine Basis auf dem Mond und Städte auf anderen Planeten zu errichten».Diese geografische Diversifikation auf mehrere Himmelskörper ist laut Musk unabdingbar für das Überleben der Menschheit. Das Licht des Bewusstseins soll nicht an einen einzigen Planeten gebunden sein, der den unvermeidlichen Gefahren eines rauen und unermesslichen Universums ausgesetzt ist. «Wir wollen nicht, dass die Menschen das gleiche Schicksal erleiden wie die Dinosaurier.»Das sind bestimmt tiefe, aber auch etwas unübliche Gedanken für einen Börsenprospekt, der Investoren eine Entscheidungsgrundlage für oder gegen die SpaceX-Aktie bieten soll.Musk leitet aus seiner grossen interplanetarischen Vision für die Menschheit ebenso phantastische Einnahmequellen für seine Firma ab: den Rohstoffabbau auf Asteroiden, den Betrieb von Produktionsanlagen auf dem Mond, KI-Datencenter im All und – nicht zu vergessen – den Passagier- und Warentransport zum Mars.Kein Wunder, kommt Musk so auf ein ungewöhnlich grosses Marktpotenzial: Der Börsenprospekt sieht schlicht den «grössten umsetzbaren Gesamtmarkt in der Geschichte der Menschheit» für SpaceX: 28,5 Billionen Dollar.Was wie Science-Fiction klingt, wird den Investoren als alternativlose Lösung für akute Probleme verkauft. Musk argumentiert beispielsweise, dass der exponentiell wachsende Energiebedarf der KI das irdische Stromnetz massiv überlasten werde.Die wagemutige Lösung – der Bau von gigantischen KI-Rechenzentren im Orbit, welche die unerschöpfliche Solarenergie des Weltalls nutzen – ist da natürlich ein lukrativer Ausweg aus irdischen Ressourcenengpässen. SpaceX sieht sich als einziges Unternehmen, das diese Infrastruktur der Zukunft bauen kann.Finanziell steht dieser Aussicht auf überirdische Gewinne allerdings die Realität unterirdischer Geschäftszahlen gegenüber: Da gibt es eine Schuldenlast von über 29 Milliarden Dollar und Nettoverluste von rund 5 Milliarden Dollar für 2025.Gemessen an der Möglichkeit, das Licht des Bewusstseins auf andere Planeten zu tragen, ist das aber bloss eine kleine Finanzlücke. Musk braucht ja nur 75 Milliarden Dollar frisches Kapital.Allerdings haben Geldgeber von SpaceX kaum Mitbestimmungsrechte. Wer braucht schon herkömmliche Corporate-Governance-Strukturen, also etwa einen unabhängigen Verwaltungsrat oder unabhängige Vergütungs- oder Nominierungsausschüsse, wenn einer wie Musk im Cockpit sitzt?Alle paar Tage fliegt eine Falcon-Rakete von SpaceX ins All.Joshua Conti / ImagoDer Unternehmer wird die alleinige Kontrolle über SpaceX ausüben, da seine Aktien ein viel höheres Stimmrecht haben als die Aktien der übrigen Investoren.Natürlich ist das ökonomische Potenzial der Raumfahrt riesig. Natürlich handelt es sich bei Musk um einen genialen Unternehmer, dessen kompromisslose Risikobereitschaft uns die Elektromobilität, einen Shuttle-Dienst ins All alle paar Tage oder bezahlbare Satellitenkommunikation gebracht hat.Doch Investoren, die mit einem Funken Licht des Bewusstseins ausgestattet sind, sollten bei diesem Börsengang besonders vorsichtig sein.30 KommentareAndré Meier 22.05.2026Man braucht wohl wenig Hirnmasse um diese ganze Sache als das zu betrachten, was sie ist: Pure Phantasie ohne jeglichen realen Hintergrund. Nur alleine schon die Tausende Facharbeiter, die Musk brauchen würde, um nur ein paar Raketen zu bauen sind schlicht gar nicht vorhanden und wer das bezahlen soll ( die NASA ?? ) kümmert ihn schon gleich gar nicht. Da könnte ich mein Geld genau so gut im Casino verbraten.Eva D. Dr. Plickert 22.05.20262 EmpfehlungenMusks Plan, "das Leben auf mehrere Planeten auszuweiten, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins bis zu den Sternen zu tragen", halte ich in aller Bescheidenheit für den Ausdruck von Größenwahn. Hinter seinem Ehrgeiz, das Überleben der Menschheit zu sichern, steht m.E. vor allem die große Angst vor seinem eigenen Tod.Passend zum Artikel