Der indische Ministerpräsident schenkt der italienischen Regierungschefin eine Packung Toffees – und eine indische Firma für Unternehmenssoftware macht einen unverhofften Kurssprung: Wegen einer Namensverwechslung legten die Aktien von „Parle Industries“, einem Unternehmen mit neun Mitarbeitern und einem Börsenwert von knapp drei Millionen US-Dollar, am Mittwoch unversehens um fünf Prozent zu. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt.Offensichtlich verwechselten die Kleinanleger, die zusammen rund 800.000 Aktien von „Parle Industries“ erwarben, das kleine Softwareunternehmen mit „Parle Products“, dem multinationalen Hersteller von Keksen und Süßigkeiten mit einem Jahresumsatz von rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Mumbai, ihre Aktien werden jeweils an der Börse der indischen Wirtschaftsmetropole gehandelt.Am Dienstagabend waren die Karamellbonbons „Melody“ von „Parle Products“ in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, weil der indische Ministerpräsident Narendra Modi bei seinem Besuch in Rom der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni eine Packung der mit Schokolade gefüllten „Melody“-Toffees überreicht hatte. Aufnahmen von der Übergabe des Geschenks, die Meloni auf den sozialen Medien gepostet hatte, waren vor allem in Indien viral gegangen.Mit dem Geschenk und den Postings spielten Meloni und Modi auf die anhaltenden Gerüchte an, wonach die beiden (ledigen) politischen Führer mehr verbinde als die Beförderung der bilateralen Beziehungen. Zumal in Indien das politische Traumpaar unter der Bezeichnung „Melodi“ bekannt ist, einer Art vorauseilenden Verschmelzung der Familiennamen Meloni und Modi. Zwar ist der Name des Toffees „Melody“ mit der Wortschöpfung „Melodi“ nicht ganz identisch, dennoch kam die augenzwinkernde Botschaft aus Rom gut an.Von „Parle Products“ in Mumbai hieß es am Donnerstag, man verzeichne „in ganz Indien eine enorme Nachfrage“ nach dem Karamell-Schokoladen-Toffee. Alle Vertriebspartner seien angewiesen worden, die Lagerbestände des Produkts schnellstmöglich aufzustocken, sagte Mayank Shah, Vizepräsident von „Parle Products“. Unterdessen blieb der gleichsam als Kollateralnutzen gestiegene Aktienkurs von „Parle Industries“ am Donnerstag stabil – entweder weil die Anleger ihren Irrtum nicht bemerkt hatten oder diesen nicht eingestehen wollten und an der „falschen“ Aktie festhielten.Derweil erklärten „Melodi“ in Rom, der Handel zwischen Italien und Indien solle bis 2029 einen Umfang von mindestens zwanzig Milliarden Euro erreichen. Dabei sollen Bereiche wie Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, Autoteile, saubere Technologien und Textilien im Mittelpunkt stehen. Ziel sei eine „kraftvolle Synergie von italienischem Design und italienischer Industrieexzellenz mit dem rasanten wirtschaftlichen Wachstum, dem Ingenieurstalent und dem Produktionsvolumen Indiens“. Eine engere Zusammenarbeit im Süßigkeitssektor erwähnten Meloni und Modi nicht.