Sarah Nagel bleibt Jugendstadträtin von Neukölln – aber nicht, weil eine Mehrheit hinter ihr steht. Wer am Mittwochabend im Rathaus Neukölln dabei war, erlebte eine politische Niederlage auf Raten: 34 Verordnete stimmten für ihre Abberufung, nur 14 dagegen. Und dennoch scheiterte der CDU-Antrag. Der Grund: Für eine Abwahl braucht es mehr als eine einfache Mehrheit – diese hohe Hürde wurde verfehlt.
Es ist nicht das erste Mal. Schon im April war ein Missbilligungsantrag gegen Nagel gescheitert. Damals blieb es trotz harter Kritik ohne Konsequenz. Diesmal stimmte eine Mehrheit gegen Nagel – nur die hohe Verfahrenshürde rettete ihr Amt.
Über der Sitzung lag wieder der Fall Wutzkyallee – und der Streit um seine Aufarbeitung. In einem Neuköllner Jugendclub soll eine Jugendliche vergewaltigt worden sein. Nagel verweist auf die eingesetzte Kommission und sagt, sie treibe die Klärung voran. Kritiker werfen ihr vor, zu spät reagiert und erst nach öffentlichem Druck entschieden gehandelt zu haben. Der Fall reicht längst über Neukölln hinaus.
CDU: „Nicht handlungsfähig“
Die CDU setzte dort an, wo Nagel eigentlich Entlastung sucht: bei der Aufarbeitung. Markus Oegel warf ihr vor, selbst bei der Kommission keine klare Linie zu fahren. Öffentlich sei von Zwischenergebnissen bis Ende Mai die Rede gewesen. Im Arbeitsauftrag stehe nun aber nur ein mündlicher Zwischenbericht ohne vorläufige Ergebnisse. „Was ist denn jetzt richtig?“, fragte Oegel.






