Grossbritannien verliert an der Eishockey-WM Spiel um Spiel. Dabei haben die Engländer die Sportart einst gross gemachtErfunden hat’s nicht die Schweiz. Doch bei der Verbreitung des Eishockeys spielte sie eine wichtige Rolle. Ein kurzer Gang durch die Geschichte vor dem Spiel gegen Team GB am Donnerstag.21.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEin Match zum Start ins neue Jahrhundert: Oxford und St. Moritz messen sich am 1. Januar 1900 im Engadin.Keystone/GettyDie Schweiz stürmt an der Heim-WM dem Viertelfinal entgegen. Die Nationalmannschaft schlug am Mittwochabend auch Österreich 9:0, sie hat an der WM bisher kein Spiel verloren. Dass die Serie am Donnerstag gegen Grossbritannien gebrochen wird, ist unwahrscheinlich. Das Team hat alle Partien deutlich verloren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wer nun einwendet, die Briten seien halt besser mit dem Ball als mit dem Puck, denkt zu kurz. Eigentlich haben die Underdogs von heute das Eishockey erfunden – oder zumindest eine Vorform davon. Auf jeden Fall haben sie grossen Anteil daran, dass sich die Sportart in Kontinentaleuropa verbreitet hat. Und der Schweiz kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.Den Vorläufer gibt es seit dem MittelalterDie Urform des Eishockeys, Bandy, existierte bereits im 13. Jahrhundert und nahm um 1800 in Ostengland seine moderne Form an, wie die Historiker Christian Koller und Fabian Brändle in ihrem Buch «Rasant und brisant», der Geschichte des Eishockeys in der Schweiz, schreiben. Die Regeln von Bandy ähneln denen im Fussball, obwohl es auf Eis mit Schlägern gespielt wird.Das war der eine Strang, entlang dessen sich das Eishockey entwickelte. Der zweite entstand auf der anderen Seite des Ozeans: Britische Soldaten frönten im 18. Jahrhundert in Kanada den keltischen Spielen Hurling und Shinney. Die frankofonen Kanadier bevorzugten Lacrosse, bei dem Mannschaftssport muss mit einem Schläger ein Hartgummiball ins gegnerische Tor befördert werden.Diese Spiele wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch auf Eis gespielt. Der erste «moderne» Eishockey-Match fand 1875 in Montreal statt. Das Spiel fand schnell Anklang, es gelangte um die Jahrhundertwende über England nach Europa und verdrängte weitgehend Bandy. 1908 wurde ein Internationaler Eishockeyverband gegründet, die Regeln vereinheitlicht und Turniere organisiert.Frauen drängen aufs EisIn Europa war unterdessen die Schweiz als Winterwunderland entdeckt worden, gezuckerte Bergflanken verführten zum Skifahren, gefrorene Seen zum Schlittschuhlaufen. Vor allem die Engländer der Oberschicht hatten die Alpen zu ihrem bevorzugten Ferien- und Kurort auserkoren. Von 1880 bis zum Ersten Weltkrieg blühte der Tourismus auf – in Graubünden mit St. Moritz und Davos, im Waadtland mit Leysin und Les Avants oberhalb von Montreux.Gut betuchte Briten bevölkerten die prächtigen neuen Grand-Hotels und übten sich in Körperertüchtigung. Die Hoteliers profitierten vom Boom und förderten den Wintersport nach Kräften. In St. Moritz wurde eine Skeleton-Bahn gebaut, ein Bob-Kanal folgte, Curling-Steine wurden geschoben und auf dem St.-Moritzer-See regelmässig Bandy gespielt.Beträchtliches Interesse: eine Eishockey-Partie 1928 in St. Moritz.Ullstein BildEishockey gilt als harter Männersport – auch wenn Frauen ihn zunehmend für sich erobern. Doch damals liessen sich die Touristinnen nicht davon abhalten, um Pucks zu kämpfen. Sie spielten in gemischten Teams mit oder organisierten sich in reinen Frauenteams.Die sportlichen Aktivitäten der Britinnen wurden kontrovers bewertet. Zwar hielt man der Ertüchtigung ihre positive Wirkung auf die grundsätzlich «schwache Konstitution von Frauen» zugute. Doch war es wirklich schicklich, im Rock auf dem Eis zu kurven? Würde die Bewegung nicht vielleicht die Fähigkeit zur Fortpflanzung beeinträchtigen?Arthur Conan Doyle spielt für DavosAuch Prominenz vergnügte sich in den Schweizer Alpen. Ab 1894 massen sich die beiden englischen Kolonien in Davos und St. Moritz in Bandy-Wettkämpfen. Im Team von Davos war auch ein gewisser Arthur Conan Doyle, Erfinder des Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Doyle liess sich in Davos auch das Skifahren beibringen, eine damals recht unbekannte Sportart.Skifahren wurde zum Massensport, doch auch das Eishockey etablierte sich zunehmend. Ausländische Teams reisten nach Graubünden, um sich mit den Platzhirschen zu messen. Und Anfang der 1910er Jahre spielten französische Teams in der Westschweiz gegen ansässige Klubs. 1910 fand in Les Avants gar die erste Eishockey-EM statt – gespielt wurde nun nach den kanadischen Regeln.Der Absturz von Grossbritannien als Eishockey-Nation kam nicht sofort. In den 1930er Jahren gewann das Team mehrere WM-Medaillen, 1936 wurden die Briten gar Olympiasieger. Danach verschwanden sie in der Versenkung.Zu Gold bei Olympia hat es der Schweiz nie gereicht, haushohe Favoritin ist sie am Donnerstag trotzdem.Frauen drängen aufs Eis: In St. Moritz spielen die britischen Touristinnen selbstverständlich mit den Männern, wie hier im Januar 1922.Tropical Press / Getty«Rasant und brisant. Die Geschichte des Eishockeys in der Schweiz», Christian Koller, Fabian Brändle. Lit Verlag, 2025.Passend zum Artikel
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