Nach der Street Parade fallen jedes Jahr 90 Tonnen Abfall an. Nun wollen die Linken die Detailhändler ins Entsorgungskonzept einbinden. Doch es gibt ein ProblemAn Grossanlässen Abfälle beseitigen zu lassen, kommt Veranstalter oft teuer zu stehen. Daran dürfte sich kaum etwas ändern.21.05.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenAn der Street Parade ist der Boden ab den frühen Abendstunden von Abfall übersät.Christian Merz / KeystoneMitten in der Live-Übertragung der Street Parade 2025 macht deren Präsident, Joel Meier, seinem Ärger Luft. «Es ist einfach unfair und zum Kotzen», sagt er in die Kamera des TV-Senders 3+. Thema des Gesprächs sind die grossen Abfallmengen, die jeweils nach der Riesenparty anfallen. Rund 90 Tonnen waren es in den letzten Jahren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für deren Entsorgung muss der organisierende Verein aufkommen – laut Meier liegen die Kosten jedes Jahr bei 250 000 Franken. Er stört sich daran, dass die Stadt Zürich nur dem Verein die Gebühren verrechnet. Denn viele Besucherinnen und Besucher decken sich bei den umliegenden Detailhändlern mit Getränken und Lebensmitteln ein und nicht an den offiziellen Ständen der Street Parade.Kommt hinzu: Der Verein ist wie alle Organisatoren von Grossveranstaltungen in der Stadt Zürich verpflichtet, ein Konzept für Abfallvermeidung einzureichen – was meist auf ein Depotsystem für Flaschen oder Mehrweggeschirr hinausläuft.Aufregung um Abfall gibt es aber nicht nur rund um Grossanlässe wie die Street Parade, den Silvesterzauber und das Knabenschiessen. Als am zweiten Mai-Wochenende eine grosse Party am Letten stattfand, war der Weg entlang der Limmat mit Abfall übersät.In den sozialen Netzwerken sorgte dies für Empörung. Zu «20 Minuten» sagten die Organisatoren später, sie hätten ein Abfallkonzept gehabt. Wegen der «hohen Personendichte» sei es nur bedingt möglich gewesen, die Mülleimer vor Ort kontinuierlich zu leeren.Stadträtin Brander: «Können nicht auf Zwang setzen»Nun ist das Abfallproblem politisch geworden: Die Grünen regen in einem Vorstoss an, eine gesetzliche Grundlage zu prüfen, um Detailhändler künftig ins Entsorgungskonzept von Grossanlässen einzubinden – ganz im Sinne der städtischen Klimaziele.An Veranstaltungen wie der Street Parade kämen Hunderttausende in die Stadt Zürich, um sich zu betrinken, sagte Martin Busekros (Grüne) am Mittwoch im Stadtparlament. «Und die Detailhändler leisten gerne Hilfestellung.» So werde in vielen Läden die Gemüse- und Früchteauslage leer geräumt, um sie mit gekühlten alkoholischen Getränken zu füllen. Das Abfallproblem aber überlasse man den Veranstaltern.Detailhändler von Gesetzes wegen in die Abfallentsorgung einzubinden, ist aber schwierig. Bei Abfällen gilt das Verursacherprinzip, für die Entsorgung muss der «Inhaber» aufkommen. Der Punkt ist: An einer Grossveranstaltung wie der Street Parade ist es praktisch unmöglich, herauszufinden, wer welche PET-Flasche wo gekauft und auf den Boden geworfen hat. Darum sind letztlich die Veranstalter verantwortlich.«Wir können nicht auf Zwang setzen», erklärte die zuständige Stadträtin Simone Brander (SP). Statt hoheitlichen Vorgaben bevorzuge man weiterhin Zusammenarbeit und Gespräche. Entsorgung und Recycling Zürich sei in regelmässigem Austausch mit dem Detailhandel. Das heutige Abfallkonzept funktioniere in den meisten Fällen gut.Im Parlament fand der Vorstoss der Grünen breite Unterstützung. «Wir finden es wichtig, dass Leute nicht gezwungen sind, direkt an einer Veranstaltung zu konsumieren», sagte Sophie Blaser (AL). Vor Ort seien Essen und Getränke oft teuer. Deshalb sei es wichtig, dass Besucherinnen und Besucher selbst etwas mitbringen könnten. Die Detailhändler müssten aber in die Pflicht genommen werden.FDP: «Nicht noch mehr Auflagen»FDP und SVP hingegen lehnten den Vorstoss ab. Veranstaltungen durchzuführen, sei schon kompliziert genug, sagte Martin Bürki (FDP). «Es braucht nicht noch mehr Auflagen.»Johann Widmer (SVP) bezeichnete das Anliegen als «Angriff auf die Gewerbefreiheit». Zudem gebe es heute schon klare Regeln.Der Vorstoss wurde schliesslich an den Stadtrat überwiesen.Unabhängig von der politischen Schiene scheinen sich Detailhandel und Veranstalter zweieinhalb Monate vor der Street Parade anzunähern. So haben sich die Läden im Veranstaltungsperimeter bereit erklärt, auf den Verkauf gekühlter Spirituosen zu verzichten. Beim Bahnhof Stadelhofen sollen zudem Container aufgestellt werden, damit leere Flaschen und Behälter einfacher entsorgt werden können.Ob und wie sich das auf die tatsächliche Abfallmenge auswirkt, ist eine andere Frage.Passend zum Artikel
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An Grossanlässen Abfälle beseitigen zu lassen, kommt Veranstalter oft teuer zu stehen. Daran dürfte sich kaum etwas ändern.







