Die KI-Revolution schreitet voran: Nvidia sprengt wieder sämtliche VerkaufsrekordeDas Unternehmen mit der weltweit grössten Marktkapitalisierung legt erneut starke Zahlen vor. Und CEO Jensen Huang glaubt, dass Nvidia seine Rolle als Fundament des KI-Booms sogar noch ausbauen kann.21.05.2026, 02.01 Uhr5 LeseminutenNvidia-Chef Jensen Huang war Teil einer US-Delegation, die Donald Trump nach China begleitete. Während das Geschäft in den USA sehr gut läuft, bleibt das Reich der Mitte für Nvidia aber ein blinder Fleck.Mark Schiefelbein / APDie USA führen Krieg gegen Iran, der Ölmarkt steht Kopf und die Welt fühlt sich so unsicher an wie schon lange nicht mehr. Dem wertvollsten Unternehmen der Welt scheint all das aber nichts anhaben zu können: Das Geschäft von Chipdesigner Nvidia läuft immer noch rund, wie die am Mittwochabend vorgestellten Quartalszahlen zeigen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nvidia erzielte von Februar bis April einen rekordhohen Quartalsumsatz von 81,6 Milliarden Dollar – 85 Prozent mehr als noch im Vorjahr. «Der Ausbau von KI-Fabriken, die grösste Infrastruktur-Erweiterung in der Geschichte der Menschheit, beschleunigt sich mit aussergewöhnlichem Tempo», lässt sich Jensen Huang, der Chef von Nvidia, in der Pressemeldung mit gewohntem Optimismus zitieren. Er sieht das Unternehmen inmitten eines «parabolischen» Wachstums, wie er später im Gespräch mit Analysten ausführt. «Die Ära der KI-Agenten ist hier».Die Gewinnmarge hältDie Chips von Nvidia bilden das Fundament des rasch wachsenden Geschäfts mit künstlicher Intelligenz. Zahlreiche Tech-Unternehmen investieren enorme Summen in ihre KI-Infrastruktur, wobei Nvidia-Chips jeweils der grösste Budgetposten sind. Das Unternehmen aus Kalifornien verzeichnet aber auch wachsende Verkäufe mit anderen Computerchips sowie mit Hardware.Nvidia bestätigt mit seinem Zahlenkranz einmal mehr, weshalb es an der Börse als wertvollstes Unternehmen der Welt gehandelt wird. Der Nettogewinn kam in diesem Quartal bei eindrücklichen 58,3 Milliarden Dollar zu stehen – mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. In diese Zahl flossen auch Bewertungsgewinne ein, die Nvidia durch seine Beteiligungen an KI-Firmen erzielte.Für noch mehr Aufsehen als der erzielte Umsatz sorgt bei Nvidia jeweils der Blick nach vorne. Im Quartal von Mai bis Juli will der Chipdesigner 91 Milliarden Dollar an Umsatz schreiben; und zwar bei einer Profitmarge von rund 75 Prozent. Die Wall Street hatte eine Gewinnprognose von gut 86 Milliarden Dollar erwartet – allerdings gingen die Schätzungen der Analysten ziemlich weit auseinander.Nvidia will zwar weiter kräftig investieren, um seine Marktposition zu halten und auszubauen. Finanzchefin Colette Kress kündigte aber auch an, dass 2026 rund die Hälfte des freien Cashflows an die Aktionäre zurückgegeben werden soll. Dafür erhöht Nvidia dafür die ordentliche Dividende von 1 auf 25 Cent pro Aktie. Noch wichtiger: Das Unternehmen legt für Aktienrückkäufe weitere 80 Milliarden Dollar beiseite.Der Graben hält – vorerstWie ebenfalls üblich bei Nvidia brauchen die Investoren eine gewisse Zeit, um die nach Börsenschluss vermeldeten Resultate zu verdauen. Im nachbörslichen Handel sackte die Nvidia-Aktie zunächst um 2 Prozent ab, machte diese Verluste wieder wett, nur um gleich wieder ins Minus zu drehen. Andere Titel, die der KI-Branche zugerechnet werden, machten eine ähnliche Berg- und Talfahrt durch, etwa Micron, AMD, Broadcom oder CoreWeave.Die entscheidende Frage bei Nvidia bleibt, ob das Unternehmen seine ausserordentlich starke Position im Markt für KI-fähige Chips halten kann. Zu erwarten wäre ja, dass die dem Kapitalismus eigene Schwerkraft früher oder später auch Nvidia zusetzt: Hohe Gewinnmargen ziehen neue Konkurrenten an, die Nvidias Architektur kopieren und optimieren wollen. Das wertvollste Unternehmen der Welt muss die eigenen Chips also permanent weiterentwickeln, um den technologischen Vorsprung und somit auch seine Gewinnmarge zu halten.Bisher gelingt das. Die Bruttogewinnmarge von Nvidia soll gemäss den Prognosen der Firma vorerst bei den enorm hohen 75 Prozent bleiben. Stark verkürzt gesagt: Der Verkaufspreis der Chips beträgt ein Vielfaches vom Preis, den der Designer Nvidia dem Halbleiterfabrikanten TSMC für die Fertigung zahlt.Normale Unternehmen kommen auf viel tiefere Werte; die Nvidia-Investoren haben sich jedoch an das Aussergewöhnliche daran gewöhnt. Der kalifornische Chipdesigner war der Konkurrenz in den vergangenen Jahren so weit voraus, dass er seine Preise fast nach Belieben festsetzen konnte. In der zweiten Jahreshälfte will Nvidia mit dem Vertrieb seiner neuesten KI-Plattform, Vera Rubin, loslegen.Diese soll noch viel mehr Token pro Dollar respektive Rechenleistung pro Megawatt liefern als der jetzige Verkaufsschlager, die Plattform Grace Blackwell. Die wichtigsten Kunden von Nvidia haben zu Testzwecken bereits erste Systeme des Typs Vera Rubin erhalten, damit sie ihre neuen Rechenzentren entsprechend planen können.Die besten Kunden von Nvidia – sechs andere, gemeinhin als «Hyperscaler» bezeichnete amerikanische Tech-Giganten – unternehmen aber vermehrt Anstrengungen, eigene KI-Hochleistungschips zu entwerfen.Amazon und insbesondere Alphabet haben dabei im vergangenen Jahr deutliche Fortschritte gemacht. Google, das zum Alphabet-Konzern gehört, hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, gemeinsam mit der Private-Equity-Firma Blackstone ein Unternehmen zu gründen, das Rechenzentren betreibt. Dafür wird man auf die Google-eigenen KI-Chips setzen – und somit in direkte Konkurrenz zu Nvidia treten.Seit geraumer Zeit versucht die Nvidia-Spitze den Investoren aufzuzeigen, dass die Hyperscaler zwar eine wichtige Kundengruppe bilden – sie tragen derzeit rund die Hälfte zum Umsatz von Nvidia mit KI-Rechenzentren bei –, dass aber langfristig zwei andere Kundengruppen noch mehr Wachstum versprechen. Um dieses Argument zu verdeutlichen, hat Nvidia jetzt seine Berichterstattung angepasst.Einen wichtigen Wachstumstreiber sieht Huang etwa in Hunderttausenden Unternehmen, die ihre KI-Denkleistung nicht bloss bei den Hyperscalern mieten, sondern etwa eigenständige KI-Fabriken bauen wollen. Für diese sehr diverse Kundengruppe habe Nvidia das beste Angebot. In den kommenden Jahren soll gemäss Huang zudem das Segment der «physischen KI» stark wachsen: Selbstfahrende Autos, kluge Maschinen und Roboter.Nvidia hat überdies in den vergangenen Monaten neue Produkte lanciert, die seine Position über die verschiedenen Marktsegmente hinweg absichern soll. Eines davon ist ein Server, der ausschliesslich aus Zentralprozessoren (CPU) des neuesten Typs «Vera» besteht. (Zusammen mit den Grafikprozessoren oder GPU des Typs «Rubin» bilden diese das System «Vera Rubin»). Huang erläuterte an der Konferenzschaltung mit Analysten, dass es in Zukunft weiterhin viel Bedarf für CPU geben werde: Immer wenn KI-Agenten, deren Denkleistung in Grafikprozessoren stattfinden, Webbrowser oder andere Programme nutzen würden.Fragezeichen über PekingEine – geopolitische und wirtschaftliche – Unbekannte bleibt indes der chinesische Markt. Staatschef Xi Jinping setzt darauf, dass sein Land in Schlüsseltechnologien zusehends unabhängig wird vom Ausland; insbesondere von den USA, die Peking als strategischen Rivalen betrachtet. Auch die USA sehen KI-fähige Chips der neuesten Generation als wichtiges Pfand im machtpolitischen Ringen mit China.Die Vorsicht beider Länder setzt Nvidia zu. Zunächst hatten die USA dem Konzern verboten, seine neuesten Chips nach China zu liefern. Später erhielt Nvidia grünes Licht, zumindest zweitklassige Chips wieder zu exportieren. Dann wiederum wies aber Peking seine Unternehmen an, stattdessen auf einheimische Computerchips zu setzen. Nvidia-Finanzchefin Colette Kress betonte gegenüber Analysten am Mittwoch denn nochmals, dass im abgelaufenen Quartal keine modernen Chips nach China verkauft wurden, und dass das Unternehmen auch für seine Prognose für Mai bis Juli mit keinen solchen Verkäufe rechnet.Zuletzt kam die Hoffnung auf, dass sich der Konflikt zwischen Washington und Peking in dieser Frage entschärfen könnte. In letzter Minute wurde Jensen Huang etwa eingeladen, Donald Trump vergangene Woche beim Staatsbesuch nach China zu begleiten. Diesem Besuch folgte aber bisher kein Durchbruch in den Verhandlungen rund um KI-Technologie.Passend zum Artikel
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