Die Klage über die grassierende Verwahrlosung urbaner Räume ist unüberhörbar. Sollte man jetzt nach den zarten Pflanzen des Gelingens suchen?

D ie Zeit uneingeschränkter Freiheitssuche war vorbei. In dem Film „Alice’s Restaurant“ aus dem Jahr 1969 besucht der Sänger Arlo Guthrie eine in Auflösung befindliche Hippiekommune. Der Regisseur Arthur Penn („Bonnie & Clyde“) hatte den Stoff nach einer Geschichte Guthries entwickelt, die dieser zuvor als sogenannten Talkin' Blues unter dem Titel „Alice’s Restaurant Massacree“ aufgenommen hatte. Ein fast vergessenes Stück Popgeschichte.

Es handelt davon, wie das lyrische Ich bei seiner Musterung wegen eines in den Akten festgehaltenen Müllvergehens in der Gruppe der Schwerverbrecher landete. Dabei habe er doch bloß aufräumen wollen und sich spontan entschieden, den Abfall auf einen Haufen zu werfen, den er im Wald bereits vorgefunden hatte.

Penns Film karikiert die Doppelmoral und Ängste der US-amerikanischen Gesellschaft zu Zeiten des Vietnamkriegs, beschreibt aber auch die wachsende Desillusionierung innerhalb der sogenannten Gegenkultur.

An den Film muss ich denken, wenn ich an sorglos vollgestopften Altkleidercontainern vorbeikomme. Jacken, Hosen und T-Shirts quellen aus den Klappen hervor, und vor den Behältnissen türmen sich aufgerissene Plastiktüten und weitere Müllreste. Das Guthrie-Prinzip, einem großen Haufen mehreren kleinen den Vorzug zu geben, scheint virulenter denn je.