Nach dem Ermittlungserfolg im Zusammenhang mit dem „Mädchen aus dem Main“ hat das hessische Landeskriminalamt (LKA) angekündigt, die Aufklärung von Cold Cases auszubauen – möglicherweise auch mit neuen Methoden. Wie LKA-Präsident Daniel Muth im Gespräch mit der F.A.Z. sagte, ist es schon jetzt für die Behörde „ein wichtiges Thema, sogenannte Altfälle systematisch zu durchforsten, aufzuarbeiten und dann auch zu Ermittlungserfolgen zu führen“.Im LKA gebe es dafür eine eigene Cold Case Unit, für die Ressourcen geschaffen worden seien, auch durch die Neuausrichtung der Kriminalitätsbekämpfung in der hessischen Polizei. „Die Fälle werden nach Motiven, nach Opferlage, nach Tatbegehungsumständen priorisiert.“ Das bedeute, die Fälle würden nach Erfolgsaussichten und Ermittlungsansätzen gewichtet. Die entsprechende Abteilung mit ausreichend Personal zu versehen, sei auch deshalb wichtig, um die Zahl ungeklärter Fälle möglichst gering zu halten.Vorstellbar sei, künftig auch Künstliche Intelligenz bei Ermittlungen von Cold Cases einzusetzen, sagte Muth. Es sei absehbar, dass KI künftig eine wesentliche Rolle auch in diesem Bereich spielen werde, „etwa bei der Erkennung von Zusammenhängen zwischen Fällen, Spuren, Zeugenaussagen, die bislang unentdeckt geblieben sind“. Dies werde auch eine Priorisierung der Fälle erleichtern.Ermittlungen bei „Mädchen aus dem Main“ dauern anAber auch die DNA-Analyse hat sich nach den Worten des LKA-Präsidenten „enorm weiterentwickelt“. Inzwischen reichten beispielsweise kleinste Hautschuppen aus, während früher deutlich mehr DNA-Material nötig gewesen sei, um relevante Spuren zu untersuchen. Gerade in der DNA-Analytik sei „noch deutlich mehr möglich“, da seien jedoch auch rechtliche und ethische Diskussionen zu führen. „Wir gehen davon aus, dass die technische Entwicklung noch bei Weitem nicht abgeschlossen ist.“Zu dem konkreten Fall des „Mädchens aus dem Main“, das inzwischen als Diana S. identifiziert worden ist, sagte Muth, viele Fragen seien nach wie vor offen. So würden etwa die Lebensumstände der 16 Jahre alten Jugendlichen weiter ermittelt. Es müsse der Frage nachgegangen werden, warum sie von niemandem als vermisst gemeldet worden sei. „Möglich ist, dass sie ein sehr eingeschränktes soziales Umfeld hatte oder vielleicht auch weitestgehend isoliert lebte oder abgeschirmt wurde von der Öffentlichkeit.“
LKA-Chef zu Cold Cases: Mit KI und DNA-Analyse zu neuen Spuren
Der hessische LKA-Präsident Daniel Muth will die Ermittlungen bei ungeklärten Mordfällen weiter vorantreiben. Vorstellen kann er sich dabei auch den Einsatz von KI.








