An den offenen Stränden der kleinen Insel Formicula in Griechenland, wo das Wasser blau und klar ist, haben Forschenden zufolge einst Robben gelegen. Um sich in der Sonne auszuruhen, die Körpertemperatur zu regulieren, sich zu trocknen. Doch nach und nach verschwanden sie von den Stränden. Dafür kamen die Touristen.»Jedes Mal, wenn du dich versuchst auszuruhen, legt ein Boot an. Die Leute schreien, planschen, richten Kameras auf dich und versuchen, zu dir zu kommen.« So beschreiben Forschende der Tierschutzorganisation Ionian Doplhin Projects den Alltag der ansässigen Mittelmeer-Mönchsrobbe. Es gebe etwa Berichte darüber, dass Menschen versucht hätten, sich den Robben zu nähern, mit ihnen zu interagieren, selbst in Höhlen in der Nähe der Insel zu gehen, in denen die Tiere Junge aufziehen. Wegen der Touristen, so vermuten die Forschenden, haben die Tiere sich andere Ruhestätten gesucht. Eine davon hat das Team mit Kameras für eine Studie beobachtet, die im Fachblatt »Oryx – The International Journal of Conservation« erschienen ist.

Die Bilder zeigten, wie die Tiere auf dem Grund der Höhle schliefen oder einfach lagen, wie sie an der Wasseroberfläche trieben, manchmal in horizontaler und manchmal in vertikaler Position. »Bottling« wird das Verhalten genannt, wenn die Robbe wie eine Flasche im Wasser schwimmt und nur die Nase herausschaut.»Es scheint die am wenigsten attraktive Wahl zu sein«Allerdings handelte es sich dabei nicht um eine der Höhlen, in denen sich die Robben erwartbar aufhalten würden. Höhlen mit Unterwassereingängen und einem geschützten Strand im Inneren gelten typischerweise als geeignete Bruthöhlen für die Mittelmeer-Mönchsrobbe. »Es besteht Grund zur Sorge, dass einige der für Mittelmeer-Mönchsrobben in der Region am besten geeigneten Höhlen aufgrund zunehmender menschlicher Störungen nicht mehr aufgesucht werden«, heißt es in der Studie.