Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen. Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet.
Am 6. Juni 1977 fasste das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) einen weitreichenden Beschluss. Weil die Produktion von mikroelektronischen Bauteilen in der DDR deutlich hinter dem Bedarf zurückblieb, sollte die nationale Herstellung rasant beschleunigt werden. Innerhalb von drei Jahren, so gab die Parteiführung vor, sollten die zuständigen Kombinate ihren Ausstoß an technologisch wettbewerbsfähigen »Schaltkreisen, Prozessoren und Mikrorechnern« deutlich erhöhen.
Tatsächlich wurden die angestrebten Ziele nie erreicht, und so gilt das sogenannte »Mikroelektronik-Plenum« der SED heute als Musterbeispiel für eine Politik, die unerreichbare Planvorgaben mit realitätsfernem Autarkiestreben und gigantischer Ressourcenverschwendung kombinierte.
Fast 50 Jahre später läuft die Europäische Union Gefahr, ein ähnliches Ausmaß an Planverfehlung hervorzubringen. In rascher Folge hat Brüssel Gesetze erlassen, die numerische Ziele für die europäische Produktion von Halbleitern (Chips Act), Rohstoffen (Raw Materials Act) oder Umweltprodukten wie Solarzellen, Batterien oder Wärmepumpen (Net Zero Industry Act) vorgeben. Schnellere Genehmigungen, milliardenteure Subventionen und Vorgaben bei öffentlichen Aufträgen sollen die Abhängigkeit von ausländischen Produzenten aus China oder Russland verringern.







