Das Verteidigungsministerium plant eine groß angelegte Reform des Beschaffungswesens. Beim zuständigen Bundesamt in Koblenz sollen bisherige Behördenstrukturen aufgelöst werden. Durch eine flexible anpassbare Aufteilung von Arbeitseinheiten will Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die rund 6000 Mitarbeiter in Koblenz effizienter für große und kleine Rüstungsprojekte einsetzen.Die bisherigen Abteilungen und Referate des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) sollen dabei mittelfristig aufgelöst und durch eine unternehmerische Struktur ersetzt werden, die das Ministerium als „Matrix“ bezeichnet.Das Beschaffungsamt galt lange als schwerfälligNach dem Vorschlag, den der zuständige Rüstungsstaatssekretär Jens Plötner (SPD) und die BAAINBw-Präsidentin Annette Lehnigk-Emden ausgearbeitet haben, sollen zudem neue Schnittstellen zu Industrie und Teilstreitkräften der Bundeswehr das Innovations- und Beschaffungstempo erhöhen. Zugleich wollen Ministerium und Amt einer „Rüstungsinflation“ begegnen. Diese prägt seit der sogenannten Zeitenwende mit 100 Milliarden Euro zusätzlichem Geld von 2022 und der sektoralen Aufhebung der Schuldenbremse von 2025 das Geschehen mit: Preise, Börsenkurse und Gewinne der Industrie steigen schneller als die Zahl und Qualität ausgelieferter Rüstungsgüter.Insgesamt arbeiten etwa 11.500 zivile und militärische Mitarbeiter für das Beschaffungswesen, das lange als schwerfällig, ineffizient und innovationsfeindlich galt. Allerdings konnte das Amt zuletzt auch zeigen, dass es in der Lage war, die Zahl der Beschaffungsvorlagen für das Parlament zu vervielfachen und die Auftragsvolumina um Dutzende Milliarden Euro zu vergrößern.Pistorius, der die Mitarbeiter dafür ausdrücklich lobte, hatte sich lange einem Umbau der Großbehörde verweigert. Verzögerungen, Qualitätsmängel und Engpässe bei den erforderlichen Beschaffungen haben ein Umdenken bewirkt. Zudem sehen die Pläne vor, neben Koblenz künftig Bremen und Dresden als weitere Hauptdienststellen zu etablieren. Es gibt etwa 1000 offene Stellen für Koblenz; diese sind schwer zu besetzen, weil viele Bewerber, etwa aus dem Norden und Osten, nicht nach Koblenz wollen. Diesen „klugen Köpfen“, so Pistorius, soll mit den neuen Standorten ein Angebot gemacht werden.Teil der Modernisierung wird schließlich die Eröffnung eines Brüsseler Büros, um auf europäische Entwicklungen im Rüstungswesen rascher zu reagieren. Neue Innovationszentren sollen neben Erding auch in Kiel und einem weiteren Ort entstehen.
Bundeswehr: Wie Pistorius das Beschaffungsamt reformieren will
Das Verteidigungsministerium will das Beschaffungsamt umkrempeln und sagt der sogenannten Rüstungsinflation den Kampf an. Es sollen auch zwei neue Standorte entstehen.







