Ein katholischer Kirchenmann, der während der Pandemie in seinem Dom eine „Impfstraße“ eröffnet und sich mit Schwurblern anlegt? Der sich für moderne Kunst interessiert, Promis beerdigt, und sich im „Beichtmobil“ in die Fußgängerzone stellt? Der ein Dessous-Geschäft segnet und zusammen mit einer guten Freundin auf dem Wiener Opernball tanzt? Kein Wunder, dass so jemand polarisiert. Toni Faber, 64 Jahre und seit drei Jahrzehnten das Gesicht des weltbekannten Wiener Stephansdoms, hatte schon immer Freude an der Provokation – also auch viele Feinde. Noch im Dezember war er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung dafür eingetreten, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Den Zölibat, über den seine Kirche schon seit bald 1000 Jahren recht ermüdend diskutiert, definierte er als „dehnbar“. Jetzt soll er frühpensioniert werden.„Im Vergleich zu dem, was gerade so an Kriegen in der Welt passiert, ist das doch ein wirklich unbedeutendes Thema“, sagt der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner am Telefon. Er unterrichtete einst Faber an der Universität, ebenso dessen neuen Chef, den kürzlich ins Amt eingeführten Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, 63, der sich bereits auch kritisch zum Zölibat geäußert hat. Beide Männer wurden 1988 im Stephansdom zu Priestern geweiht. Zulehner lässt anklingen, auf Grünwidl könne vielleicht Druck aus Rom ausgeübt worden sein. Die bischöfliche Pressestelle möchte die „laufenden Gespräche inhaltlich nicht kommentieren“. Faber, so wird auf Nachfrage versichert, werde aber „in jedem Fall als Priester und Seelsorger weiterwirken“. Wenn auch nicht unbedingt, nach seinem 65. Geburtstag, als Chef der Pummerin, wie die größte Wiener Kirchenglocke heißt.Der alte Kampf zwischen Traditionalisten und ReformistenEs ist der alte, nicht nur Religionen betreffende Kampf zwischen Traditionalisten und Reformisten, der sich hier spiegelt. Während als Reaktion auf den SZ-Artikel etwa der Kommentator des Wiener Standard kritisierte, Fabers Lebensstil sei „seit Jahr und Tag bekannt“, aber immer „sehr österreichisch“ behandelt worden („Alle wissen es, aber keiner redet öffentlich groß darüber“), berichtete ein Autor des Magazins Profil von seinem „Freund Franz“, der schlimm leide, unter dem Pflichtzölibat. Wohin entwickelt sich also die Kirche? Und: Interessiert das noch einen?Vielleicht hilft der Blick in die USA. Dort sind mächtige Leute in der Regierung, die gerne auf Hardcore-Christen machen, aber offenbar nicht zwischen der Bibel und „Pulp Fiction“ unterscheiden können. Es gibt zugleich Katholiken wie den Comedian Stephen Colbert, die versuchen, mit Humor für Gerechtigkeit und gegen Machtmissbrauch einzutreten. Colbert wurde gerade zwangspensioniert.Theologe Paul M. Zulehner jedenfalls gibt sich auch noch mit 86 Jahren sehr optimistisch: Könnte doch sein, dass der Umgang mit Faber zu einer „kreativen Weiterentwicklung des Zölibats“ insgesamt führt, so meint er. Für den Frieden in der Welt sei es nämlich gar nicht so entscheidend, wer mit wem am Opernball tanzt oder Dessousläden eröffnet. Entscheidend sei, wie man mit seinen Mitmenschen insgesamt umgeht. Dompfarrer Toni Faber habe das als „hervorragender Seelsorger“, der „alle Sympathien auf seiner Seite hat“, stets großartig gemacht.
Beliebte Wiener Dompfarrer Toni Faber soll frühpensioniert werden - passt er dem Vatikan nicht mehr?
Seit 30 Jahren ist Toni Faber das Gesicht des weltberühmten Wiener Stephansdoms. Nun soll er, der den Zölibat als "dehnbar" definiert, frühpensioniert werden.










