PfadnavigationHomeSportFußballTraditionsverein hart bestraftWie die dreiste Spionageaffäre des FC Southampton auf Deutschland abstrahltStand: 13:46 UhrLesedauer: 5 MinutenDer FC Arsenal ist nach 22 Jahren wieder englischer Fußballmeister. Die Mannschaft um den deutschen Nationalspieler Kai Havertz profitierte davon, dass Verfolger Manchester City beim AFC Bournemouth nicht über ein 1:1 (0:1)-Unentschieden hinauskam.Ein Southampton-Mitarbeiter filmt verbotenerweise eine Trainingseinheit des Gegners. Die Liga greift durch und schließt die „Saints“ vom Aufstiegsrennen aus – mit fatalen finanziellen Folgen. Auch in Deutschland gibt es Leidtragende.Um die Dimensionen des Spionagefalls zu verdeutlichen, sei nur eine Zahl genannt: 200 Millionen Euro. So viel kann ein Aufsteiger in die Premier League vor allem wegen der dort gezahlten, deutlich höheren Fernsehgelder binnen einer Saison mehr verdienen. Auch der FC Southampton hat vom großen Geld geträumt – bis eine Posse alle Hoffnungen auf den Sprung in Englands höchste Fußballliga jäh beendete.Der Klub des deutschen Trainers Tonda Eckert hatte sich mit einem Erfolg über den FC Middlesbrough für das Aufstiegsfinale am Samstag (17.30 Uhr) gegen Hull City qualifiziert. Doch nun wurde eine Ausspähaktion knallhart sanktioniert: Die englische Fußballliga (EFL) schloss den Verein vom Play-off-Endspiel der Championship aus. Eine Rückkehr in die Premier League ist damit für Southampton nicht mehr möglich. Eine unabhängige Kommission hatte den Verein der Gegner-Spionage für schuldig befunden. Southampton war von der EFL angeklagt worden, weil es angeblich vor dem 2:1-Sieg nach Verlängerung eine Trainingseinheit seines Play-off-Halbfinal-Gegners Middlesbrough ausspioniert hatte. Demnach soll ein Mitarbeiter aus dem Analyse-Team dabei überführt worden seien, wie er die Trainingseinheit filmte und Fotos von Taktikplänen machte. Während der Einheit trug der Funktionär Kopfhörer und übermittelte Teile des Trainings per Videoanruf live. Ein deutlicher Verstoß gegen die relativ strengen Regularien der EFL. Verschärfte Regeln nach dem „Spygate-Skandal“ 2019Die Liga führte 2019 einen Passus ein, in dem es heißt: „Kein Verein darf in den 72 Stunden vor einem Spiel direkt oder indirekt das Training eines anderen Vereins beobachten oder versuchen zu beobachten.“ Die Verschärfung der Regeln war seinerzeit eine Folge des sogenannten „Spygate-Skandals“ um Leeds United, bei dem Trainer Marcelo Bielsa das Ausspionieren von Derby Countys Training zugeben hatte und der Klub eine hohe Geldstrafe erhielt. Mehr aber auch nicht.Die „Saints“ trifft es nun sehr viel härter. Neben dem Ausschluss aus dem aktuellen Wettbewerb wurden dem Klub vier Punkte abgezogen, die in der Tabelle der Championship-Saison 2026/27 berücksichtigt werden. Middlesbrough spielt das Finale um das große Geld nun gegen Hull anstelle von Eckerts Verein.Die harte Sanktion ist weitgehend beispiellos im europäischen Spitzenfußball. Zwar gilt das Aufnehmen von Trainingseinheiten des Gegners als No-Go in der Branche – doch eine derartige Bestrafung wie im Fall des FC Southampton hat es in dieser Dimension noch nie gegeben. Entsprechend fallen die Reaktionen aus – in England und auch in anderen fußballverrückten Nationen.In einer Mitteilung des profitierenden FC Middlesbrough hieß es: „Wir sind der Überzeugung, dass dies eine klare Botschaft für die Zukunft unseres Sports aussendet – insbesondere in Bezug auf die sportliche Integrität und das Verhalten.“ Middlesbroughs Cheftrainer Kim Hellberg meinte, dass seine Spieler extrem wütend über die Aktion im Vorfeld des Duells gewesen seien. Dann fand er aber auch noch versöhnliche Worte für den Kontrahenten: „Die Spieler von Southampton tun mir leid. Sie sind brillant und haben das nicht verdient. Sie hatten mit der Sache nichts zu tun.“ Auch Rekordmeister FC Bayern und Zweitligist Nürnberg betroffenSouthampton äußerte sich bislang nicht öffentlich zum Skandal und kündigte am Dienstagabend nur an, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen. Je nach Ausgang könne dies zu einer weiteren Änderung des Spielplans für den kommenden Samstag führen, hieß es von Seiten der Liga in einer Stellungnahme.Lesen Sie auchDer Ausschluss von Southampton hat auch Folgen für den deutschen Fußball. Im Kader des Vereins steht Daniel Peretz, der seit der Winterpause vom FC Bayern ausgeliehen ist. Im Falle des Aufstiegs hätte eine Kaufpflicht für den Torwart in Höhe von acht Millionen Euro gegriffen – nun geht der deutsche Rekordmeister leer aus. Auch eine Klasse tiefer wirkt sich der Spionagefall negativ aus. Vom 1. FC Nürnberg war Mittelfeldspieler Caspar Jander vor der aktuellen Saison zu den „Saints“ gewechselt – für eine Ablöse in Höhe von zwölf Millionen Euro. Wäre Southampton aufgestiegen, hätte es für die Franken einen vertraglich vereinbarten Nachschlag von einer Million Euro gegeben. Dazu wird es nicht mehr kommen. Während die Bayern nicht zwingend auf Transfererlöse à la Peretz angewiesen sind, hätte Nürnberg das Geld liebend gern für den kommenden Etat eingeplant.Lieberknecht faltet eigenen Mitarbeiter zusammenIn der zweiten Liga war in der zurückliegenden Spielzeit ein kleinerer Spionagefall bekannt geworden – rund um die Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen den Karlsruher SC. Vor dem Duell jedenfalls gab Lauterns Trainer Torsten Lieberknecht zu, dass er einen Mitarbeiter zurechtgewiesen habe, weil dieser ihm Insider-Informationen zum kommenden Gegner habe zuspielen wollen. „Ich kann nur eines sagen, was ich sehr befremdlich fand: Gestern kam ein Mitarbeiter auf mich zu. Er hatte Infos aus dem innersten Circle vom KSC, die uns vielleicht hätten helfen können. Ich habe ihn erst mal zusammengefaltet, weil ich das meinem Trainerkollegen gegenüber hochgradig asozial finde. Solche Sachen gehen nicht“, polterte Lieberknecht. Der betroffene Mitarbeiter wisse nun, dass er „mit solchen Sachen“ nicht auf ihn zukommen müsse.Anders als der aktuelle Fall im Mutterland des Fußballs blieben Sanktionen seitens der Liga aus. Die aktuelle Affäre dort wurde auch deshalb hart bestraft, weil im Zuge der Ermittlungen herauskam, dass beim Verein aus der Hafenstadt im Süden Englands eine Art systematische Spionage betrieben wurde: Demnach habe der FC Southampton nicht nur vor dem jüngsten Duell mit Middlesbrough gegen die Regularien verstoßen, sondern auch vor den Spielen gegen Ipswich und Oxford im Saisonverlauf bereits Trainingseinheiten des Gegners beobachten lassen. In der Mitteilung der EFL hieß es dazu: „Der Klub hat mehrere Verstöße gegen EFL-Vorschriften im Zusammenhang mit unbefugten Filmaufnahmen der Trainings anderer Klubs eingeräumt.“