Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat die Bundesregierung aufgefordert, mit einem Register kenntlich zu machen, wie viele medizinische Versorgungszentren (MVZ) von privaten Investoren betrieben werden. „Wir fordern echte Transparenz von privaten Gewinnen in der Gesundheitsbranche und ein solidarisches Gesundheitssystem, das für uns alle funktioniert“, sagte Reichinnek dem Tagesspiegel.Konkret geht es darum, wie viele MVZ, in denen mehrere Praxisärzte unter einem Dach zusammenarbeiten, von Private-Equity-Gesellschaften betrieben werden. Deren Geschäftsmodell definiert der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages so, am Markt etablierte Unternehmen außerhalb regulierter Kapitalmärkte temporär zu erwerben und wieder zu veräußern. Dieser Wiederverkauf stelle eine Ertragsquelle für die Investoren dar.Heidi Reichinnek erkennt darin ein Problem. „Private-Equity-Gesellschaften übernehmen Arztpraxen, medizinische Versorgungszentren und Pflegeheime, quetschen sie aus und verkaufen sie mit dicken Profiten weiter“, sagte sie. „Mit unserem höchsten Gut, der Gesundheit, wird hier ohne Rücksicht auf Verluste Kohle gescheffelt – mitfinanziert durch unsere Beiträge.“ Hoher Private-Equity-Anteil in Bayern Bereits 2019 hat die Linken-Fraktion deshalb per Antrag ein Register für Private Equity bei medizinischen Versorgungszentren gefordert. Da ein solches Register bisher nicht existiert, hat die Fraktion den wissenschaftlichen Dienst beauftragt, eine Übersicht zu erstellen, welche wissenschaftlichen Studien es zur Beteiligung von Private Equity am deutschen Gesundheitswesen gibt. Private-Equity-Gesellschaften übernehmen Arztpraxen, medizinische Versorgungszentren und Pflegeheime, quetschen sie aus und verkaufen sie mit dicken Profiten weiter.Heidi Reichinnek, Fraktionschefin der Linken im BundestagDie Auswertung, die dem Tagesspiegel vorliegt, zeigt, dass hierzu ganz unterschiedliche Zahlen vorliegen – wohl auch, weil Informationen über die Eigentumsverhältnisse bei MVZ teilweise nur schwierig zu erlangen sind. Eine Untersuchung im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages zitiert wird, kam 2025 zu dem Ergebnis, dass in Bayern 2024 fast 40 Prozent der MVZ privaten Betreibern gehörten, 19 Prozent aller MVZ standen damals unter direkter Kontrolle von Private-Equity-Fonds. Laut KVB ist dieser Anteil inzwischen auf 20 Prozent angestiegen. Ärzte fürchten steigende Kosten In der Ärzteschaft führt dies zu Kritik. Bisherige Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Übernahmen durch Private Equity Gesellschaften mit steigenden Kosten für Patientinnen und Patienten sowie für das Gesundheitssystem einhergehen, sagten Roman Gerlach und Martin Tauscher von der KVB auf Anfrage. Private Equity geführte MVZ könnten zu einem Entzug von Finanzmitteln aus dem Solidarsystem der gesetzlichen Krankenversicherung führen, erklärten Gerlach und Tauscher. Sie fürchten etwa medizinisch nicht notwendige Behandlungen, die Vermeidung weniger profitabler Leistungen oder eine Fokussierung auf besonders lukrative Behandlungsangebote infolge des Renditedrucks. Darüber hinaus würden Solidarmittel aus dem deutschen Gesundheitssystem durch steuerliche Gestaltungen, Gewinnverlagerungen und die Ansiedlung von Gesellschaftsstrukturen in Steueroasen weiter abgeschöpft.Die Bundesregierung ignoriere, dass sich Private Equity im Gesundheitswesen immer weiter ausbreite, wirft Heidi Reichinnek Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor. In ihrem Spargesetz zugunsten der Gesetzlichen Krankenversicherung finde diese zutiefst abzulehnende Praxis nicht einmal Erwähnung.