PfadnavigationHomeRegionalesSachsen-AnhaltWie Dörfer in Sachsen-Anhalt ihr Pfingstbrauchtum bewahrenStand: 09:16 UhrLesedauer: 3 MinutenDas Dreckschweinfest gehört in Sachsen-Anhalt zu den Pfingstbräuchen. (Archivbild) Quelle: Matthias Bein/dpaPfingsten wird in Sachsen-Anhalt mit vielfältigen Bräuchen gefeiert – von festlichen Umzügen bis zu symbolischen Ritualen.In Sachsen-Anhalt stehen gleich mehrere Orte im Zeichen jahrhundertealter Pfingsttraditionen. Während Gröst (Saalekreis) in diesem Jahr 130 Jahre Pfingstbier feiert, halten auch Ahlsdorf (Landkreis Mansfeld-Südharz) und Schleberoda (Burgenlandkreis) an lebendigem Brauchtum fest.Familienfest mit Pfingstbier und EierbettelnIn Gröst ist es seit 130 Jahren Brauch, zu Pfingsten über mehrere Tage hinweg alte Rituale, Musik und Gemeinschaft im Dorf zu feiern. «Der Auftakt beginnt bereits Mitte der Woche vor Pfingsten mit organisatorischen Vorbereitungen und der Wagenabnahme», sagt Vereinschef Christian Kolata von der Pfingstgesellschaft Gröst.Am Donnerstag vor Pfingsten folgt das traditionelle Birkenschlagen. Am Freitag wird das Fest mit Blasmusik und Tanz offiziell eröffnet. Der Samstag steht ganz im Zeichen des Birkenstellens. Die sogenannten Pfingstburschen ziehen dann mit Musik von Haus zu Haus und bringen jeder Familie ein Ständchen dar. Höhepunkte am Sonntag sind ein Kinderfest, ein Festumzug mit geschmückten Wagen sowie ein Tanzabend. Am Montag wird traditionell beim Eierbetteln weitergefeiert, bevor ein Familienfest mit Showprogramm und Einblicken in die Geschichte des Pfingstbieres den Abschluss bildet.Über 200 Jahre PfingsttraditionNoch weiter reicht die Tradition im nahegelegenen Ahlsdorf zurück. Dort wird der Pfingstbrauch bereits seit 1824 gepflegt und ist als immaterielles Kulturerbe anerkannt. «Wir haben rund 33 aktive Mitglieder, insgesamt engagieren sich etwa 50 Menschen», sagt der Vorsitzende der Pfingstgesellschaft, Marc Ehrenpfordt. «Zentraler Bestandteil ist das sogenannte Austreiben des Winters.»Dabei treten die sogenannten Läufer auf: Kinder ab etwa fünf bis sechs Jahren bis hin zu jungen Erwachsenen. Ausgestattet mit langen Peitschen lassen sie diese in großen Kreisen über ihren Köpfen knallen. Das Geräusch soll nach Meinung der Pfingstgesellschaft symbolisch die Geister des Winters vertreiben und den Sommer einläuten.«Das Peitschenknallen war früher vor allem ein Werkzeug der Fuhrleute zur Verständigung oder zum Antreiben der Tiere. Heute ist es eine Form der Geschicklichkeit im Wettkampf der örtlichen Jugend», sagt die wissenschaftliche Referentin für Kulturerbe beim Bundesverband der Heimatpflege BHU (Bonn), Annette Schneider-Reinhardt. «In Sachsen-Anhalt wird das Peitschenknallen im Mansfelder Land und im Harz als touristische Attraktion das ganze Jahr über in Bühnenprogrammen von Folkloregruppen vorgeführt.»Dreckschweinfest mit viel MatschDie Läufer tragen dabei aufwendig gestaltete Trachten. Bunte Hüte, Latz und Gürtel sind mit zahlreichen Bändern geschmückt und stehen für Frühling und Sommer. Die Kleidung wird in Handarbeit gefertigt; allein auf einem Hut befinden sich oft 150 bis 200 aus Krepppapier gedrehte Rosen.Am Pfingstmontag folgt ein weiterer Höhepunkt: Pfingstburschen, die nicht zu den Läufern gehören, verkleiden sich und springen in eine Matschpfütze. Der Brauch ist auch als Dreckschweinfest bekannt und wird noch insgesamt in vier Dörfern des Mansfelder Landes gepflegt.Brauchtum auch für die Zukunft bewahrenEng verbunden ist Gröst mit dem benachbarten Schleberoda, wo ebenfalls Pfingstbräuche gepflegt werden. «Wir haben das von unseren Vätern und Opas übernommen», sagt der stellvertretende Chef der Pfingstburschen, Paul Harnisch. Die Gruppe zählt 31 Mitglieder und besteht seit 1987. Auch hier folgt das Fest einem festen Ablauf: Birkenholen am Freitag, Verteilung im Ort am Samstag sowie ein Umzug mit Musik und Tanz am Sonntag.Trotz unterschiedlicher Ausprägungen eint die Orte ein gemeinsames Ziel: das Pfingstbrauchtum zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben. Gerade in kleinen Gemeinden bleibt das Engagement der Vereine ein zentraler Bestandteil des sozialen Lebens.dpa-infocom GmbH
Wie Dörfer in Sachsen-Anhalt ihr Pfingstbrauchtum bewahren - WELT
Pfingsten wird in Sachsen-Anhalt mit vielfältigen Bräuchen gefeiert – von festlichen Umzügen bis zu symbolischen Ritualen.







