„Hessen schmecken – mehr Heimat auf dem Teller“, heißt die Strategie, mit der Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) die regionale Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln fördern will. Für die Einführung des Programms stellt das Ministerium in der zweiten Jahreshälfte 2,8 Millionen Euro zu Verfügung.Für die nächsten Jahre sind jeweils mehr als vier Millionen Euro vorgesehen. „Das ist viel Geld“, sagte Jung, als er das Programm am Dienstag in einer Regierungserklärung vorstellte. Die Beträge stehen bereit, weil der Minister den „Öko-Aktionsplan“ nicht fortschreibt, den seine Vorgängerin Priska Hinz (Die Grünen) entwickelt hatte.„Wir wollen die regionale Wertschöpfung stärken vom Acker bis auf den Teller“, sagte Jung. Lebensmittel seien ein zentraler Wirtschaftsfaktor des Landes. Mehr als 15.000 landwirtschaftliche Betriebe produzierten, rund 37.000 Menschen in Hessen arbeiteten in der Verarbeitung von der Lebensmitteln und in der Ernährungsbranche.Tausende Bäcker und Metzger in HessenDazu gehörten beispielsweise rund 1200 Bäckereien und rund tausend kleine Metzgereibetriebe. Sie seien nicht allein für die Nahversorgung wichtig, sondern auch Träger von Kultur und Traditionen sowie wichtige Anlaufpunkte in den Dörfern.Die Förderquote des Programms soll zwischen 45 und 70 Prozent liegen. Damit wolle man beispielsweise Wochenmärkte und Markthallen unterstützen, wie es sie in Frankfurt, Kassel und Eschwege gebe, so Jung. Auch Food-Start-Ups und andere „mutige Projekte“ sollen in den Genuss von staatlicher Hilfe kommen.„Der Lebensmittelpatriotismus in Hessen ist noch stark ausbaufähig“, stellte der Minister fest. Leider sei es immer noch chic, das argentinische Rindfleisch mit einem französischen Rotwein zu konsumieren. „Unser Schinken muss aus Parma und unser Speck aus Südtirol sein. Die Papaya aus Südamerika ist uns manchmal näher als der Apfel aus der Wetterau.“Zu wenig Wein aus DeutschlandNur rund 40 Prozent des in Deutschland konsumierten Weines sei auch deutscher Wein, so der Winzersohn aus dem Rheingau. „Wir fahren die in der Schwalm geschlachteten Schweine nach Italien, um sie in Parma zu trocknen und sie dann zum vierfachen Preis wieder zu importieren.Um die Anerkennung regionaler Lebensmittel zu stärken, will das Land mit gutem Beispiel vorangehen. Das Kabinett hat nach Angaben von Jung beschlossen, bei Veranstaltungen des Landes sowie in Einrichtungen der Landesverwaltung verstärkt regionale hessische Produkte anzubieten.„Ein Förderprogramm ersetzt keinen Schlachthof“, meinte der AfD-Abgeordnete Pascal Schleich. „Und ein Empfang mit hessischen Häppchen ersetzt keine Politik, die die Betriebe im Alltag tatsächlich entlastet.“ In den vergangenen zehn Jahren habe Hessen rund zehn Prozent seiner landwirtschaftlichen Betriebe verloren.Kritik der GrünenDer Landwirt Hans-Jürgen Müller (Die Grünen) beklagte, dass Jung „Erfolgsprojekte“ seiner Partei, die konkrete regionale Wertschöpfung geschaffen hätten, „systematisch eingestampft“ habe, obwohl CDU und SPD im Koalitionsvertrag noch versprochen hätten, sie weiterzuentwickeln. „Von Regional zu schwadronieren und gleichzeitig den internationalen Gentechnik- und Saatgutkonzernen Tür und Tor zu öffnen, passt nicht zusammen.“Müller kritisierte auch das „Kaputtsparen des Landesbetriebs Landwirtschaft“. Jung vertrete nicht die regionalen Betriebe, sondern „lieber die Interessen derjenigen, die ohnehin schon über eine große Marktmacht verfügen.“Der Minister habe eine „romantisierende Vorstellung der Landwirtschaft geboten“, meinte Wiebke Knell, Ko-Vorsitzende der FDP-Fraktion. Aber es gehe nicht um Folklore, sondern um harte Realität. Jung habe gut daran getan, die Akteure in Landwirtschaft und Forsten aufzusuchen, ihnen zuzuhören und zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. „Aber irgendwann muss aus dem Zuhören auch mal Handeln werden.“Das Förderprogramm sei keine Antwort auf die zentralen Probleme der Landwirtschaft. Sie erwarte von der Politik keine weiteren Förderprogramme, sondern strukturelle Maßnahmen wie etwa den Abbau der überbordenden Bürokratie. Knell lobte Jung zum wiederholten Mal ausdrücklich für seinen professionellen Umgang mit der Schweinpest. Insgesamt aber bleibe von der ersten Hälfte seiner Amtszeit „erstaunlich wenig“.