Gemäß den Gen-Z-Vorurteilen bin ich eine treue Untergebene meines TikTok-Feeds. In der dortigen digitalen Dauerschleife von Kurzvideos, die angeblich so perfekt auf mich und meine Interessen zugeschnitten sind, fahren gerade erstaunlich viele Berliner nach Stettin in Polen, um dort extrem günstige Secondhandkleidung zu shoppen. Mit dem Deutschlandticket und einem dazugebuchten Grenzticket trennen einen nur zwei bis drei Stunden und drei Euro von der polnischen Stadt mit rund 410.000 Einwohnern.

Alles ohne Umsteige-Drama

Mit einem Traum von einzigartigen Vintage-Teilen und zwei Freundinnen machte ich mich also vergangenen Samstag auf den Weg nach Stettin. Wir setzten allerdings auf den Flixbus – der Regionalzug nach Stettin fährt gerade nicht direkt durch – und ersparten uns in weiser Voraussicht das Umsteige-Drama. Nach zwei Stunden passierten wir die Grenze und wurden von eingeschossigen Buden in Empfang genommen, die mit großen Schildern wie „Billige Zigaretten“ versehen waren. Das war allerdings nicht unser Objekt der Begierde. Wir waren hier für die Secondhand-Mode. Da die Läden samstags schon um 14 Uhr schließen, war effizientes Stöbern geboten.

Es ist alles eine Frage der Perspektive: Dieser Palmen-Vorhang im Secondhandshop Avanti war so geschmacklos, dass ich ihn schon wieder genial fand.